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13.06.2019 13:22:38 - dpa-AFX: ROUNDUP 2: Massenhaftes Kükentöten ist nur noch übergangsweise zulässig


(neu: mehr Details und Hintergrund)

LEIPZIG (dpa-AFX) - Das millionenfache Töten männlicher Küken in der
Legehennenzucht ist nur noch für eine Übergangszeit zulässig. Das hat das
Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag entschieden (Az.: BVerwG 3 C
28.16 und 3 C 29.16). Mit seinem Urteil wertete das Gericht die
Tierschutzbelange auf. Trotzdem darf das Töten vorerst weitergehen - bis den
Brutbetrieben praxisreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung schon im Hühnerei
zur Verfügung stehen. Die Geflügelbranche begrüßte das Urteil. Tierschützern
geht es dagegen nicht weit genug.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte, Alternativen
zu der jahrzehntelang hingenommenen Praxis des Kükentötens gebe es bereits. Sie
drängte darauf, das Massentöten männlicher Küken "so schnell wie möglich" zu
beenden. Ein Verfahren zur Geschlechtsbestimmung sei auf dem Weg zur Serienreife
und werde Brütereien bald flächendeckend zur Verfügung stehen. "Verbände und
Unternehmen nehme ich hier in die Pflicht", sagte sie. Sie habe die klare
Erwartung, dass diese tätig werden. Zugleich hätten es aber auch die Verbraucher
in der Hand, indem sie zu Eiern griffen, die ohne Kükentöten erzeugt wurden.

Aus Sicht der Bundesrichter reichen die von der Geflügelwirtschaft bislang
angeführten wirtschaftlichen Gründe als Rechtfertigung für das Töten nicht mehr
aus. Laut Tierschutzgesetz darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund
Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Wirtschaftliche Interessen und der
Tierschutz - darum drehte sich der Streit. "Die Belange des Tierschutzes wiegen
schwerer als das wirtschaftliche Interesse der Brutbetriebe", erklärte nun das
Gericht. Dem Leben der männlichen Küken dürfe nicht von vornherein jeder
Eigenwert abgesprochen werden.

Jedes Jahr werden in Deutschland laut Bundesagrarministerium rund 45
Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet. Das Problem: Für die
Produktion von Eiern werden Legehennen gezüchtet. Die Rassen sind drauf
getrimmt, viele Eier in kurzer Zeit zu legen. Sie setzen kaum Fleisch an, so
dass sie sich für die Mast nicht eignen. Männliche Tiere braucht man dagegen
nicht. Weil man das Geschlecht mit den bisher gängigen Methoden erst nach dem
Schlüpfen erkennen konnte, werden die männlichen Küken vergast.

Das damals rot-grün regierte Land Nordrhein-Westfalen hatte das Kükentöten
2013 per Erlass stoppen wollen. Zwei Brütereien aus NRW klagten dagegen. In den
Vorinstanzen setzten sie sich jeweils durch. Auch das Leipziger Urteil wertete
der Anwalt der Brütereien, Martin Beckmann, als Erfolg. Die Brutbetriebe hätten
immer erklärt, dass sie das Töten beenden wollten - sobald ihnen
Alternativverfahren zur Geschlechtsbestimmung zur Verfügung stünden. Die
bisherige Praxis werde "mittel- bis langfristig" nicht so weitergehen.

Tierschützer sehen in dem Urteil ebenfalls positive Aspekte, bemängeln es
aber zugleich als nicht weitgehend genug. "Die Entscheidung ist ambivalent zu
sehen. Es ist damit zu rechnen, dass sie positive Implikationen für den
Tierschutz haben wird", sagte Peta-Anwalt Christian Arleth. Er kritisierte
jedoch, dass die Bundesrichter die Übergangszeit nicht näher bestimmt haben.
"Das Gericht hat den Ball an die Politik zurückgespielt und verlässt sich
darauf, dass endlich verbindliche Maßstäbe gesetzt werden."

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat die Forschung an alternativen
Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei mit Millionenaufwand gefördert.
Zwei Methoden - die endokrinologische und die spektroskopische - funktionieren,
sind aber noch nicht im Serieneinsatz. Tierschützer machen sich zudem für das
sogenannte Zweinutzungshuhn stark. Das sind Hühner, die sowohl für die
Eierproduktion als auch für die Mast gehalten werden können./bz/DP/jha
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