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13.06.2019 12:22:05 - dpa-AFX: ROUNDUP: 'Deutsche Konjunktur im Sinkflug' - Kieler Forscher senken Prognose


KIEL (dpa-AFX) - Die Wirtschaft in Deutschland wird nach Einschätzung des
Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in diesem Jahr deutlich langsamer
wachsen als erwartet. Die Forscher revidierten am Donnerstag in ihrer
Konjunkturprognose den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2019 auf 0,6
Prozent und für 2020 auf 1,6 Prozent. Zuletzt hatten sie noch mit 1,0 Prozent in
diesem und 1,8 Prozent im kommenden Jahr gerechnet. Bereits im März hatte das
IfW die Prognose für 2019 von 1,8 auf 1,0 Prozent gesenkt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
reduzierte schon im März ihre Prognose für das deutsche Wachstum 2019 von 1,6
auf 0,7 Prozent - das wäre nur halb so viel wie im vergangenen Jahr. Im April
berichtete der "Spiegel", Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gehe
nur noch von einem Wachstum von 0,5 Prozent aus.

"Die deutsche Konjunktur kühlt sich deutlich ab, und die globale politische
Unsicherheit setzt der deutschen Wirtschaft zu", betonten die Kieler
Wissenschaftler. Die Arbeitslosigkeit dürfte nach ihrer Einschätzung kaum noch
weiter sinken, die Überschüsse der öffentlichen Haushalte bis auf 33 Milliarden
Euro zurückgehen. IfW-Präsident Gabriel Felbermayr forderte eine
Unternehmensteuerreform und eine Abschaffung des Solidaritätszuschlages.

Der Anstieg des BIP im ersten Quartal 2019 um 0,4 Prozent sei vor allem
Sonderfaktoren geschuldet wie Aufholeffekten in der Automobilindustrie nach
Problemen mit dem neuen Prüfverfahren WLTP. Für das zweite Quartal 2019 zeichne
sich sogar ein leichter Rückgang des BIP ab. Anschließend dürfte die
gesamtwirtschaftliche Produktion zwar wieder zulegen, aber moderat.

"An der globalen politischen Unsicherheit, die die Unternehmen hierzulande
belastet, kann die deutsche Politik wenig ändern - an der Standortqualität
hingegen schon", sagte Felbermayr. "Es sollte daher jetzt darum gehen, die
deutsche Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen, etwa durch eine Reform der
Unternehmensteuern und die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags."

Insgesamt ist das Konjunkturbild uneinheitlich. Während die industrielle
Auslastung deutlich nachgibt - die Produktion in den Industriebereichen dürfte
im laufenden Quartal das vierte Mal in Folge schrumpfen - und der
Dienstleistungssektor nur moderat zulegt, dauert der Bauboom an. Mit
Zuwachsraten von 4,4 Prozent (2019) und 3,1 Prozent (2020) überragen die
Bauinvestitionen alle übrigen inländischen Wirtschaftsaktivitäten. Die Baupreise
dürften jeweils um etwa fünf Prozent steigen.

Der private Konsum dürfte dank weiter kräftig steigender Einkommen mit Raten von 1,7 Prozent (2019) und 1,4 Prozent (2020) wieder spürbar anziehen. Ebenfalls
stützend für die Konjunktur wirken, so das IfW, die sehr günstigen
Finanzierungskonditionen und die trotz allem noch recht robuste Weltkonjunktur.
"Die Exporte werden zwar allmählich wieder Tritt fassen, aber mit Raten von 1,2
Prozent (2019) und 3,5 Prozent (2020) nur moderat steigen", lautet die
Prognose./mho/DP/mis
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