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13.06.2019 12:20:59 - dpa-AFX: ROUNDUP/Sturmtief 'Klaus': 21 Verletzte, Feuerwehren im Dauer-Einsatz


BERLIN (dpa-AFX) - Mit Gewittern und Windböen ist Sturmtief "Klaus" über
Deutschland hinweggezogen. Mindestens 21 Menschen wurden verletzt. Allein in
Blankensee in Mecklenburg-Vorpommern mussten drei Frauen und vier Männer mit
schweren Verletzungen in Krankenhäuser gebracht werden, nachdem ein Ast auf eine
Hochzeitsgesellschaft gestürzt war. Ein weiterer Mann erlitt leichte Blessuren.
Bei einem ähnlichen Unfall in Oranienburg bei Berlin wurden elf Menschen
verletzt. Die Grünen fordern einen besser auf den Klimawandel abgestimmten
Bevölkerungsschutz.

Es sei "wissenschaftlich unstrittig, dass Extremwetter bei global steigenden Temperaturen immer häufiger werden", sagte der forschungspolitische Sprecher der
Grünen-Bundestagsfraktion, Kai Gehring, der Deutschen Presse-Agentur. Die
Ergebnisse der Klimafolgenforschung müssten systematisch in die
Bedrohungsszenarien des Bevölkerungsschutzes einbezogen werden. Das passiere
bisher viel zu wenig.

"Wo steigt in Zukunft die Hochwasser- oder Waldbrandgefahr? Wie können wir
vor allem ältere Menschen und Kinder vor extremer Hitze in Städten schützen?"
Solche ortsspezifischen Forschungsergebnisse seien auch für die Einsatzkräfte
unerlässlich und müssten in jeder Kommune verfügbar sein, sagte Gehring. Die
Bundesregierung habe zwar ein Forschungsrahmenprogramm für die zivile Sicherheit
aufgelegt, doch die veränderte Gefahrenlage durch die Klimakrise spiele darin
keine Rolle.

Von Tief "Klaus" wurde die Osthälfte Deutschlands besonders stark erwischt.
Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) fielen in Waren an der Müritz
(Mecklenburg-Vorpommern) in zwei Stunden rund 35 Liter Regen pro Quadratmeter,
in Gera in Thüringen waren es 45 Liter pro Quadratmeter, allerdings in drei
Stunden.

Windböen mit einer Geschwindigkeit von rund 110 Kilometern pro Stunde
peitschten über Berlin. Die Feuerwehr verzeichnete rund 320 Unwetter-Einsätze in
der Hauptstadt. Straßen wurden zeitweise überflutet, auf dem Wannsee kenterten
Boote, und ein Baum fiel auf ein Cabrio - die Insassen wurden dabei leicht
verletzt. Mancherorts fiel seit Dienstag so viel Regen wie sonst in einem ganzen
Monat.

Für knapp zwei Stunden mussten am Mittwochabend alle Fernzüge am Berliner
Hauptbahnhof stehen bleiben, wie eine Bahn-Sprecherin sagte. Durch das Gewitter
seien technische Anlagen beschädigt worden. Umgerissene Bäume fielen auf Gleise.
Auch am Donnerstag fuhren S-Bahnlinien noch unregelmäßig. Im Fernverkehr seien
hingegen alle Strecken wieder frei, sagte eine Sprecherin am Morgen.

In der Nähe von Magdeburg wurde ein Einfamilienhaus vom Blitz getroffen. Der Dachstuhl wurde in Brand gesetzt, laut Polizei ist das Gebäude nicht mehr
bewohnbar.

Das Wetter bleibt teils stürmisch, wie der DWD mitteilte. Vor allem im
Nordwesten und Westen des Landes sei an diesem Freitag zeitweise schauerartiger
Regen, teils mit Blitz und Donner zu erwarten. Im Osten und Südosten soll es
überwiegend trocken bleiben, dort rechnen die Experten aber mit heißen
Temperaturen von bis zu 34 Grad.

Auch im Ausland machten Wetterextreme den Menschen zu schaffen. So kämpfen
Rettungskräfte im österreichischen Tirol mit starkem Hochwasser - Ursache ist
viel Schmelzwasser aus den Bergen. In Sautens stürzte ein Radfahrer in die
Ötztaler Ache. Der Mann wurde weiter vermisst, seine Identität war zunächst
nicht bekannt. Auch in Schwaz bei Innsbruck wurde eine Suchaktion gestartet,
nachdem vermutlich eine leblose Person im Inn gesehen wurde. Vielerorts wurden
Straßen und Brücken gesperrt.

In Litauen macht vor allem die Hitze den Menschen zu schaffen. Mit 35,7 Grad wurde in Kaisiadorys am Mittwoch ein neuer landesweiter Spitzenwert für Juni
seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in dem baltischen EU-Land gemessen, wie ein
Meteorologe des nationalen Wetterdienstes am Donnerstag der Agentur BNS sagte.
Wegen der Hitze haben mehrere Schulen den Unterricht bereits verkürzt oder
hitzefrei gegeben. Wie der litauische Rundfunk berichtete, kamen allein am
Mittwoch sechs Menschen bei Badeunfällen ums Leben./mni/DP/jha
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