17.01.2020 23:30:03 - dpa-AFX: POLITIK/ROUNDUP/Bimmeln für den Brexit: Streit um Big Ben weitet sich aus

LONDON (dpa-AFX) - Der Streit um den Glockenschlag von Big Ben zum Brexit
nimmt immer skurrilere Züge an. Der Chef der Brexit-Partei, Nigel Farage, warf
dem britischen Premierminister Boris Johnson am Freitag vor, die Öffentlichkeit
getäuscht zu haben. Der Regierungschef hatte am Dienstag zu Spenden ermutigt, um
für die geschätzten Kosten von 500 000 Pfund (rund 587 000 Euro) aufzukommen.
Der Uhrturm des Parlaments wird derzeit aufwendig restauriert. Der Glockenschlag
ist deshalb nur zu besonderen Anlässen wie Silvester zu hören.

Auf einer Spenden-Plattform unter dem Motto "Big Ben must bong for Brexit"
im Internet gingen bis Freitagabend mehr als 225 000 Pfund (umgerechnet 264 000
Euro) ein. Inzwischen distanzierte sich die Regierung aber von dem Vorhaben. Es
handle sich um eine Angelegenheit des Parlaments und das habe angedeutet, keine
Spenden für diesen Zweck annehmen zu wollen, sagte ein Regierungssprecher.

"Ich kann schon sehen, wie wir auf der ganzen Welt verspottet werden:
Großbritannien verlässt die EU und sie können nicht einmal eine Glocke läuten",
klagte Farage.

Großbritannien wird am späten Abend des 31. Januar (23 Uhr Ortszeit)
offiziell aus der EU ausscheiden. Einige Brexit-Hardliner wollen, dass dafür die
große Glocke im Uhrturm des Parlaments ertönt. Der zuständige
Parlamentsausschuss hatte sich aber wegen der hohen Kosten dagegen entschieden.
Unter anderem müsste ein seit dem letzten "Bong" an Silvester entfernter
Holzboden wieder eingezogen werden.

Brexit-Hardliner Farage und andere sehen darin jedoch einen Vorwand. Der
Chef der Brexit-Partei will am Abend des 31. Januar ein Fest vor dem Parlament
veranstalten und dabei notfalls eine Aufnahme des berühmten Glockenschlags
abspielen lassen. Big Ben heißt streng genommen nur die große Glocke im Uhrturm
des Parlaments, im Volksmund wird der ganze Turm so bezeichnet.

Die Regierung kündigte am Freitag an, der Tag des Austritts solle dazu
genutzt werden, die Wunden der Spaltung zu heilen. Dazu solle am 31. Januar eine
spezielle Kabinettssitzung im Norden Englands stattfinden, bei der es darum
gehen werde, wie Wohlstand und Chancen im ganzen Land verteilt werden können.

Am Abend werde sich Premierminister Johnson in einer Rede an die Nation
wenden. Am Regierungssitz werde das Ereignis unter anderem mit einem auf die
Mauern von Downing Street projizierten Countdown begangen. Auch umliegende
Gebäude sollen angestrahlt werden und der Union Jack von allen Fahnenmasten am
Platz vor dem Parlament wehen. Außerdem werde eine 50-Penny-Gedenkmünze mit der
Aufschrift "Frieden, Wohlstand und Freundschaft mit allen Völkern" in Umlauf
kommen.

Eine ähnliche Münze war bereits für den Brexit-Termin am 31. Oktober 2019
geprägt worden. Eine Million Exemplare mussten dann eingeschmolzen werden,
nachdem der EU-Austritt verschoben wurde./cmy/DP/stw

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