06.06.2023 08:15:02 - dpa-AFX: HINTERGRUND/Luftwaffen-Übung 'Air Defender' kann nicht ohne Auswirkungen bleiben

FRANKFURT (dpa-AFX) - Es ist ein Manöver der Superlative, das unter Führung
der deutschen Luftwaffe ab dem 12. Juni im deutschen Luftraum starten soll. Zwei
Wochen lang üben 25 Nato-Staaten bei der "Air Defender 23" die Verlegung großer
Luftstreitkräfte, die größte Übung dieser Art seit Bestehen des Bündnisses. Der
Einsatz von mehr als 250 Militärmaschinen vom Transporter bis zum Kampfjet wird
dabei nicht ohne Folgen für den zivilen Luftverkehr in Deutschland bleiben.

Ob es nur zu einzelnen Flugverspätungen kommen wird, wie es die Bundeswehr
angekündigt hat, ist umstritten. Denn in Bereichen, in denen Militärpiloten auf
Sicht fliegen, haben zivile Maschinen aus Sicherheitsgründen nichts verloren.
"Die Militärübung "Air Defender" wird natürlich massive Auswirkungen auf den
Ablauf der zivilen Luftfahrt haben", sagt daher der Chef der Lotsengewerkschaft
GdF, Matthias Maas.

Angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine erkenne die
Branche die Notwendigkeit des Manövers an, versichert ein Sprecher des
Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrswirtschaft. Gleichwohl wollen die
Fluggesellschaften wissen, worauf sie und die Passagiere sich in den
reiseintensiven Frühsommerwochen einstellen müssen. So prüft die Lufthansa
die konkreten Auswirkungen auf den Flugbetrieb, der so stabil und
zuverlässig wie möglich gehalten werden soll.

Kritiker Maas verweist auf ein von der europäischen
Flugsicherungsorganisation Eurocontrol errechnetes Szenario, das bis zu 50 000
Verspätungsminuten je Manövertag ausweist. Das entspricht bei rund 10 000
Flugbewegungen einem Tag mit schweren Gewittern und würde deutlich im roten
Bereich liegen. Bis zu 100 Flugzeuge könnten unter diesen Bedingungen ihr
Umlaufziel zur Nachtschließung diverser Flughäfen nicht erreichen - mit
unangenehmen Folgen für Passagiere und Unternehmen, deren Maschinen dann morgens
nicht mehr am richtigen Ort starten könnten. Die bundeseigene Flugsicherung
bestreitet das mit ihren Daten gefütterte Szenario nicht, verweist aber auf
weitere Eurocontrol-Modelle mit deutlich geringeren Auswirkungen.

Die Bundesminister für Verteidigung und für Verkehr haben die Länder dennoch sehr kurzfristig gebeten, die Nachtflugbeschränkungen an den Flughäfen zu
lockern, um verspätete Passagierjets spätabends noch aufnehmen zu können.
Bislang hat Baden-Württemberg Ausnahmen für Stuttgart bis 02.00 Uhr zugelassen.
Auch für Hamburg und Düsseldorf zeichnen sich längere Betriebszeiten ab. Am
Frankfurter Flughafen im schwarz-grün regierten Hessen werden Spätstarts bis
24.00 Uhr genehmigt, wenn der Verspätungsgrund durch das Manöver bedingt ist.
Größere Flughäfen ohne Nachtflugverbot gibt es nur in Köln, Leipzig und
Nürnberg.

Die Übungsflüge sollen in drei eng definierten Lufträumen stattfinden, die
wochentags jeweils im Wechsel genutzt werden. Dabei soll ein Übungsraum Ost über
Mecklenburg-Vorpommern und der Ostsee jeweils von 10.00 bis 14.00 Uhr als
einziger auch für Tiefflüge reserviert sein. Der Raum Süd erstreckt sich von
Lechfeld in Bayern nach Rheinland-Pfalz und soll von 13.00 bis 17.00 Uhr genutzt
werden, bevor an den Raum Nord über der Nordsee von 16.00 bis 20.00 Uhr
abgegeben wird. Passagiere ziviler Flüge können also vor allem in den frühen
Morgenstunden sowie am Wochenende auf pünktliche Starts und Landungen hoffen.

Das Tübinger Analysehaus A3M erwartet für die Flughäfen in Frankfurt und
Berlin größere Probleme, weil sie in oder an den Übungsgebieten gelegen sind. Im
Laufe des Tages könnten sich Verspätungen bei einzelnen Flugzeugen addieren und
so auch an anderen Einsatzorten für Verspätungen sorgen. Auch Ausfälle und
Flugverlegungen hält man für möglich.

Die Deutsche Flugsicherung will während der Übung ihr Personal aufstocken,
verpasste aber Insidern zufolge im Herbst, eine allgemeine Urlaubssperre für die
Lotsen zu verhängen. Zum eigentlichen Übungsbetrieb kommen noch Transferflüge
von und zu außerhalb gelegenen Stützpunkten hinzu. Letztendlich könne das
Manöver daher Auswirkungen auf sämtliche zivile Flughäfen in Deutschland haben,
sagen die Kritiker. Wo Militärs üben, müssen die zivilen Maschinen umgeleitet
werden - in ohnehin eng besetzte Luftsektoren, die nach und nach ebenfalls
volllaufen. "Wo reguliert wird, sind Verspätungen unvermeidlich", sagt ein
erfahrener Lotse./ceb/DP/stk
Name WKN Börse Kurs Datum/Zeit Diff. Diff. % Geld Brief Erster Schluss
LUFTHANSA AG VNA O.N. 823212 Frankfurt 6,322 29.05.24 21:47:01 -0,172 -2,65% 0,000 0,000 6,420 6,494
FRAPORT AG FFM.AIRPORT 577330 Frankfurt 51,550 29.05.24 11:58:20 +0,250 +0,49% 0,000 0,000 50,750 51,300
INTERN.CONS.AIRL.GR. A1H6AJ Frankfurt 1,973 29.05.24 10:49:55 -0,070 -3,43% 0,000 0,000 2,015 2,043
EASYJET PLC LS-,27285714 A1JTC1 Frankfurt 5,424 29.05.24 08:07:56 -0,048 -0,88% 0,000 0,000 5,424 5,472
RYANAIR HLDGS PLC EO-,006 A1401Z Frankfurt 18,000 29.05.24 16:13:17 -0,500 -2,70% 0,000 0,000 18,000 18,500

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