26.02.2020 13:34:48 - dpa-AFX: ROUNDUP: Opel-Mutter PSA geht mit Rekordgewinn in Fusion mit Fiat Chrysler

RUEIL-MALMAISON/RÜSSELSHEIM (dpa-AFX) - Der Opel-Mutterkonzern PSA
geht mit einem Rekordgewinn in die Fusion mit dem
italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler . "PSA ist
einer profitabelsten Autohersteller der Welt", sagte Konzernchef Carlos Tavares
am Mittwoch in Rueil-Malmaison bei Paris.

Er lobte ausdrücklich das Abschneiden der deutschen Tochter Opel, die gut
zweieinhalb Jahre nach der Übernahme die Wende geschafft habe. "Sie haben es
gemacht", so Tavares. Der Traditionshersteller aus Rüsselsheim fuhr 2019 einen
Betriebsgewinn von 1,1 Milliarden Euro ein. Im Jahr zuvor waren es noch 859
Millionen Euro gewesen. Gleichzeitig sank der Umsatz um knapp eine Milliarde auf
17,4 Milliarden Euro.

Opel gehört mit der Schwester Vauxhall seit Sommer 2017 zu den Franzosen.
Bei der Sanierung blieben viele Arbeitsplätze auf der Strecke. Die Einmalkosten
für Abfindungen sind in den operativen Gewinnzahlen wie auch Zinsen und Steuern
nicht berücksichtigt.

Der PSA-Konzern, zu dem auch die französischen Traditionsmarken Peugeot und
Citroën gehören, steigerte den Nettogewinn um gut 13 Prozent auf 3,2 Milliarden
Euro. Ausschlaggebend dafür waren Kostensenkungen und neue Automodelle. Der
Umsatz des Konzerns wuchs um ein Prozent auf 74,7 Milliarden Euro, obwohl er
2019 mit 3,48 Millionen Autos gut zehn Prozent weniger verkauft hat als im Jahr
zuvor.

Gestrichen wurden vor allem Spritfresser und verlustreiche Opel-Modelle mit
technischer Grundlage aus der General-Motors-Vergangenheit. Tavares sagte, er
sei sicher, dass PSA im laufenden Jahr die europäischen Grenzwerte für
CO2-Emissionen einhalten werde. "Im Januar und Februar halten wir sie ein."

Der Konzernchef zeigte sich auch zuversichtlich, dass er grünes Licht von
den Wettbewerbsbehörden für den Mega-Zusammenschluss mit Fiat Chrysler (FCA)
bekommt, der spätestens im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen sein soll. PSA und
FCA hatten Ende des vergangenen Jahres angekündigt, den viertgrößten
Automobilhersteller der Welt zu schmieden. "Wir führen zwei Unternehmen
zusammen, die gesund sind", betonte Tavares.

Branchenexperten hatten darauf hingewiesen, dass FCA unter Führung des
inzwischen gestorbenen Managers Sergio Marchionne auf große Investitionen in
Elektroantriebe verzichtet habe. Derzeit ist der Konzern vor allem mit den
großen Spritschluckern der Marken Jeep und RAM unterwegs. Die Branche steht
unter Zugzwang, milliardenschwere Investitionen in Elektromobilität und
autonomes Fahren zu bewältigen.

Opel-Chef Michael Lohscheller feierte die Zahlen als "Ergebnis der harten
Arbeit aller Opelaner" und verkündete eine Erfolgsprämie von 600 Euro für jeden
Beschäftigten in Europa - die erste bei dem dauerkriselnden Autobauer seit 1997.
Die eigentlich erst für 2026 angepeilte Profitabilität habe man mit 6,5 Prozent
Marge bereits übertroffen und verfüge nun über ausreichende Mittel für
zukunftsweisende Investitionen.

Zweieinhalb Jahre nach der Übernahme durch PSA besitzen die drei deutschen
Standorte trotz Umsatzrückgangs und Jobabbaus inzwischen handfeste Perspektiven:
In Montagewerk Eisenach läuft der noch frische SUV Grandland inklusive einer
Elektroversion vom Band, und am Komponenten-Standort Kaiserslautern soll mit
freundlicher Unterstützung des Steuerzahlers eine der größten Batteriefabriken
Europas mit rund 2000 Arbeitsplätzen entstehen.

Darben muss noch der Stammsitz Rüsselsheim, wo erst im kommenden Jahr die
Neuausgabe des Massenmodells Astra startet und dann das Montagewerk im
Zweischichtbetrieb auslasten soll. Bis dahin bestimmen Kurzarbeit und seltene
Produktionstage für das Auslaufmodell Insignia den Alltag. Das
Entwicklungszentrum mit zuletzt 4850 Vollzeitstellen könnte weiter verkleinert
werden, wenn bei einer gelungenen Fusion mit Fiat-Chrysler weitere
Entwicklerkapazitäten in den Konzern kämen.

Der Opel-Gewinn ist letztlich auf den rigiden Schrumpfkurs zurückzuführen,
für dessen Fortführung Lohscheller sich die Rückendeckung der Gewerkschaft IG
Metall gesichert hat. Der Deal ist immer gleich: Tausende Beschäftigte können
mit goldenem Handschlag das Unternehmen verlassen, und für die übrigen werden
die Jobgarantien verlängert, aktuell bis Mitte 2025. PSA hat sich die Programme
zu Abfindungen, Vorruhestand und Altersteilzeit bei Opel allein im vergangenen
Jahr 855 Millionen Euro kosten lassen - mit ähnlichen Summen ist auch in den
kommenden Jahren zu rechnen.

Bei der Übernahme im August 2017 zählte Opel noch mehr als 19 000 Köpfe,
heute besteht die um einige Verwaltungen von PSA Deutschland ergänzte Mannschaft
aus gut 17 000 Männern und Frauen. Für die Werke Rüsselsheim, Kaiserslautern und
Eisenach nennt Opel zum Jahresende 2019 die Zahl von 13 660 Vollzeitstellen,
weitere Abschiede sind bereits vereinbart./ceb/cb/DP/eas
Name WKN Börse Kurs Datum/Zeit Diff. Diff. % Geld Brief Erster Schluss
PEUGEOT SA EO 1 852363 Frankfurt 13,365 28.05.20 16:34:43 -0,250 -1,84% 13,400 13,530 13,900 13,365
FIAT CHRYSLER AUTOM. 0,01 A12CBU Frankfurt 8,219 28.05.20 16:15:38 +0,010 +0,12% 8,183 8,275 8,465 8,219

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