25.04.2024 12:44:37 - dpa-AFX: Baerbock: Müssen mehr privates Geld für Klimaschutz aktivieren

BERLIN (dpa-AFX) - Außenministerin Annalena Baerbock will die
Industriestaaten für die Bewältigung des Klimawandels finanziell in die Pflicht
nehmen - aber hält auch mehr privates Kapital für nötig. "Wir in den
Industriestaaten müssen weiterhin unsere Verantwortung wahrnehmen", sagte die
Grünen-Politikerin am Donnerstag beim Petersberger Klimadialog im Auswärtigen
Amt in Berlin. Sie nannte explizit die G20-Staaten. Das internationale Treffen
mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus etwa vierzig Staaten dient der
Vorbereitung der nächsten Weltklimakonferenz im November in Aserbaidschan.

Nach Berechnungen einer Expertengruppe seien jährlich fünf Billionen
US-Dollar jährlich nötig für die ökologische Wende weltweit, davon mehr als zwei
Billionen für Entwicklungsländer, sagte Baerbock. Die Hälfte dieser zwei
Billionen müsse aus diesen Ländern selbst kommen. "Öffentliches Geld wird
einfach nicht reichen", sagte sie. "Wir müssen den Privatsektor dazu bringen,
deutlich mehr in eine sichere, sauberere und widerstandsfähigere Wirtschaft in
Entwicklungsländern zu investieren." Dies müsse mit öffentlichen Mitteln
angeschoben werden.

Deutschland habe seine Finanzversprechen gehalten und werde dies weiter tun, versicherte Baerbock. Derzeit plane die Bundesregierung 6,4 Milliarden Euro ein,
im kommenden Jahr würden es 6 Milliarden. Die Industrieländer hatten 2009 in
Kopenhagen versprochen, bis zum Jahr 2020 jährlich insgesamt 100 Milliarden
US-Dollar aus öffentlichen und privaten Quellen für Klimaschutz in
Entwicklungsländern zu mobilisieren, was 2022 zum ersten Mal gelang. Es sei
nötig, nun weiter zu gehen, betonte die Ministerin. Entwicklungsministerin
Svenja Schulze (SPD) sprach sich für eine internationale Besteuerung
Superreicher aus.

Bei der nächsten Klimakonferenz geht es um ein neues internationales
Finanzziel, das ab 2025 gelten soll. Die nationalen Klimaziele sollen zudem
stärker mit der Wirtschaft verknüpft und gleichzeitig zu Investitionsplänen
werden. Die Staaten müssten weiter alles daran setzen, die Erderwärmung auf
unter 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, mahnte
der Präsident der nächsten Weltklimakonferenz, der aserbaidschanische
Umweltminister Muchtar Babajew. Ein Überschreiten dieser Grenze wäre "eine
verheerende und existenzielle Bedrohung für viele", insbesondere die am
wenigsten entwickelten und die kleinen Inselstaaten. "Wir alle haben eine
moralische Pflicht, dieses Ergebnis zu vermeiden." Das Ziel ist kaum noch zu
halten. Die vergangenen neun Jahre waren die wärmsten seit Beginn der
Wetteraufzeichnungen, und 2023 das mit Abstand wärmste./hrz/DP/jha

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