20.10.2021 14:04:12 - dpa-AFX: ROUNDUP 2: Warum Facebook angeblich seinen Namen ändern will

(neu: Hinweis auf neuen Namen "Meta")

MENLO PARK (dpa-AFX) - Die Marke Facebook gehört zu zehn wertvollsten in der Welt. Im aktuellen "Brandz"-Ranking von Kantar steht der Internetkonzern mit
einem Markenwert von knapp 227 Milliarden Dollar auf Platz 6, bei
Marktbeobachtern von Interbrand liegt Facebook auf Platz 10. Doch in den
vergangenen Monaten hat die Marke sehr gelitten. Vielleicht so sehr, dass
Firmengründer Mark Zuckerberg in der kommenden Woche einen radikalen Schritt
unternimmt, um die weitreichenden Ambitionen des Konzerns deutlicher nach außen
zu tragen.

Das im Silicon Valley bestens vernetzte Technik-Portal "The Verge"
jedenfalls berichtete am Mittwoch, der Facebook-Konzern wolle seinen Firmennamen
ändern. Um den Fokus auf die virtuelle Welt "Metaverse" zu legen, werde
Zuckerberg auf der Konferenz "Facebook Connect 2021" in der kommenden Woche den
Namenswechsel verkünden. Die Änderung solle das Bestreben des Tech-Giganten
signalisieren, für mehr als nur soziale Medien bekannt zu sein.

Für den Scoop von "The Verge" gibt es keine Bestätigung. "Wir kommentieren
das nicht", sagte ein Facebook-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ein
Dementi klingt aber anders. Selbst innerhalb des Topmanagements sei nur ein
kleiner Kreis eingeweiht worden, schreibt "The Verge". Umso erstaunlicher ist es
dann allerdings, dass jemand aus diesem engsten Kreis dem Konzern-Chef
Zuckerberg die Show in der kommenden Woche verdorben hat.

Zum Facebook-Konzern gehört nicht nur der eigentliche Facebook-Dienst, der
als Smartphone-App ein blauweißes Logo hat, sondern auch der Messengerdienst
WhatsApp und der Foto- und Videodienst Instagram. Auch Oculus gehört zum
Facebook-Imperium. Die Abteilung stellt Virtual-Reality-Brillen her, darunter
die Produktreihen Oculus Rift und Oculus Quest. Bislang stehen diese
verschiedenen Marken im Schatten von Facebook. Nur Instagram taucht in der
"Brandz"-Liste von Kantar eigenständig auf Platz 18 auf. Der Marktwert liegt
dabei bei immerhin noch knapp 83 Milliarden.

Dem Bericht von "The Verge" zufolge würde die Umbenennung des Konzerns
wahrscheinlich die blaue Facebook-App als eines von vielen Produkten unter einer
Muttergesellschaft positionieren, die Instagram, WhatsApp, Oculus und andere
Bereiche beaufsichtigt.

Ein heißer Kandidat für den neuen Namen ist "Meta". Die Internet-Domain
meta.com leitet derzeit auf die Website meta.org um. Das ist die Homepage eines
biomedizinischen Forschungsprojekts, das unter der Leitung der Chan Zuckerberg
Initiative entwickelt wurde. Diese hatten Mark Zuckerberg und seiner Frau
Priscilla Chan gegründet.

Facebook wäre nicht der erste Silicon-Valley-Konzern, der seinen Firmennamen ändert, wenn sich die Ausrichtung des Unternehmens erweitert. So strich Apple
nach der Vorstellung des ersten iPhones im Jahr 2007 das Wort
"Computer" aus dem Firmennamen. Zu diesem Zeitpunkt machte allein der
Musikplayer iPod mehr Umsatz als die Macintosh-Computer.

Google organisierte sich im Jahr 2015 unter dem Dach einer
Holdinggesellschaft namens Alphabet neu. Der Internet-Konzern
wollte damit signalisieren, dass er nicht nur eine Suchmaschine und ein
Cloud-Geschäft betreibt, sondern auch Ambitionen fahrerlosen Autos,
Gesundheitslösungen und anderen High-Tech-Bereichen hegt. Und Snapchat benannte
sich 2016 in Snap Inc. um. Parallel dazu begann die Firma, sich
als "Kameraunternehmen" zu bezeichnen.

Mit einer Namensänderung des Konzerns würde Facebook seine Ambitionen
unterstreichen, die über herkömmliche soziale Netzwerke hinausgehen. So kündigte
Zuckerberg vor Monaten die Schaffung eines "Metaverse" an. Das soll eine
virtuelle Umgebung werden, wie sie in Science-Fiction-Romanen beschrieben wurde.
Zuckerberg glaubt, dass diese durch die rasante Weiterentwicklung der Hardware
und Brillen für erweiterte (Augmented Reality, AR) und virtuelle Realität (VR)
nicht mehr nur ein Traum ist. Am Montag kündigte das Unternehmen an, dafür in
den kommenden fünf Jahren in der Europäischen Union 10 000 neue hoch
qualifizierte Arbeitsplätze schaffen, um die virtuelle Welt "Metaverse"
aufzubauen.

Ein Motiv für die Umbenennung könnte aber auch der Wunsch sein, das
angekratzte Image von Facebook zu verbessern. So beschuldigt die Whistleblowerin
Frances Haugen den Konzern, intern vorgetragene Bedenken beiseite gewischt zu
haben, wonach Instagram die Probleme jedes dritten jungen Mädchens mit dem
eigenen Körperbild verschlimmere und bei einigen Jugendlichen sogar
Suizidgedanken auslöse. Die Anschuldigungen der ehemaligen Facebook-Managerin
Haugen bestärken Facebook-Kritiker im US-Kongress, die sich für eine
Zerschlagung des Konzerns stark machen.

Facebook bereitet sich unterdessen darauf vor, dass nach der ersten
Veröffentlichungswelle, die auf den internen Papieren im Besitz von Haugen
beruht, ein zweiter Schub an die Öffentlichkeit gelangen wird. In den
vergangenen sechs Wochen habe man gesehen, wie Dokumente falsch charakterisiert
werden können, schrieb die Facebook-Pressestelle auf Twitter. "Offensichtlich
ist nicht jeder Mitarbeiter bei Facebook eine Führungskraft; nicht jede Meinung
ist die Position des Unternehmens."/chd/DP/stw
Name WKN Börse Kurs Datum/Zeit Diff. Diff. % Geld Brief Erster Schluss
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