28.11.2020 07:30:03 - dpa-AFX: ROUNDUP/Städtetag: Länder sollen genügend Personal für Impfungen stellen

BERLIN (dpa-AFX) - Der Deutsche Städtetag hat die Länder aufgefordert, rasch
genügend medizinisches Personal für Corona-Impfungen bereitzustellen. "Wenn der
Impfstoff da ist, dürfen die Impfungen nicht an fehlendem Personal scheitern",
sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) der Deutschen Presse-Agentur.
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet damit, dass im Dezember ein erster
Impfstoff zugelassen wird. Nach dem aktuellen ZDF-"Politbarometer" will sich gut
die Hälfte der Bürger (51 Prozent) impfen lassen, 29 Prozent sind sich da noch
nicht sicher und 20 Prozent wollen das definitiv nicht.

In Deutschland übermittelten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut
(RKI) unterdessen 21 695 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden. Das meldete
das RKI am frühen Samstagmorgen. Am vergangenen Samstag hatte die Zahl bei 22
964 gelegen. Der Höchststand war am Freitag vor einer Woche (20.11.) mit 23 648
gemeldeten Fällen erreicht worden. Die Gesundheitsämter meldeten binnen eines
Tages zudem 379 neue Todesfälle.

"Bund, Länder und Kommunen wollen gemeinsam, dass die Impfungen ein Erfolg
werden", betonte Jung. Sie seien ein entscheidender Baustein, um die
Corona-Pandemie zu bekämpfen. "Die Städte unterstützen selbstverständlich
tatkräftig den Aufbau und Betrieb der Impfzentren. Sie sind in der Lage, zügig
die notwendigen organisatorischen Vorbereitungen zu treffen. Das heißt zum
Beispiel Gebäude anmieten und ausstatten." Die Kosten, die den Kommunen
entstünden, müssten Bund, Länder und Krankenkassen ausgleichen.

Die Impfungen selbst seien Aufgabe der kassenärztlichen Vereinigungen und
ihrer niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, so der Leipziger Oberbürgermeister.
"Das medizinische Personal der Gesundheitsämter bleibt durch die Pandemie auf
absehbare Zeit voll ausgelastet und kann nicht zusätzlich auch noch die
Impfungen übernehmen. Wir fordern die Länder auf, sich gemeinsam mit den
kassenärztlichen Vereinigungen jetzt schnell um genügend
medizinisch-pflegerisches Personal für die Impfzentren und die mobilen Impfteams
zu kümmern."

Die Zeit dränge, weil die ersten Impfstoff-Mengen schon bald zur Verfügung
stehen dürften. "Die begrenzten Impfdosen sind zunächst für einen relativ
kleinen Personenkreis gedacht. Wer genau vorrangig geimpft wird, müssen Bund und
Länder nun schnell verbindlich festlegen und transparent machen", so Jung.

Gesundheitsminister Spahn machte deutlich, dass er vor allem von
Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeheimen erwartet, sich so bald wie
möglich impfen zu lassen. Jeder könne für sich entscheiden, ob er dieses Angebot
annehme, sagte Spahn dem Bayerischen Rundfunk im Interview der Woche auf B5
aktuell. Aber: "Im Ziel habe ich schon die Erwartung und die Bitte, dass die
allermeisten, die im Gesundheitswesen arbeiten, sich auch impfen lassen." Es
gehe nicht nur darum, sich zu schützen, sondern auch die, die man pflege.

Spahn hat die Länder nach eigenen Angaben gebeten, dass die Impfzentren
Mitte Dezember einsatzbereit sein sollen. Jung warnte vor zu hohen Erwartungen.
"Wir sind etwas unglücklich über die Bezeichnung Impfzentrum, weil die Menschen
so vielleicht den Eindruck bekommen, dass ab Januar in jeder kreisfreien Stadt
und in jedem Kreis eine Einrichtung in Betrieb ist, wo man sich impfen lassen
kann", sagte der Städtetagspräsident.

"Tatsächlich gehen wir aber davon aus, dass bis weit ins Frühjahr hinein vor allem mobile Impfteams in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser fahren. Dort
werden dann vorrangig chronisch kranke, hochbetagte Menschen und das dortige
Personal geimpft", so Jung. Es dürfte keine unrealistische Erwartungen geweckt
werden. "Massenimpfungen für die breite Bevölkerung werden nach den Plänen von
Bund und Ländern frühestens ab dem Sommer möglich sein."

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) geht davon aus, dass die
Zustimmung in der Bevölkerung wächst, sobald die Versorgung mit Impfstoffen
anläuft. "Wir brauchen die Bereitschaft der Menschen, sich impfen zu lassen",
sagte der CDU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). "Aber eine
Impfpflicht wird es nicht geben. Das will niemand, der Verantwortung
trägt."/hoe/DP/zb

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