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03.11.2026 12:56:17 - ROUNDUP 3: Schaeffler streicht Tausende Jobs und schließt Werke - Aktie im Minus
(neu: Aktienkurs aktualisiert, Details, mehr Einordnung.)
HERZOGENAURACH (dpa-AFX) - Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler verschärft mit einem weiteren Kostensenkungsprogramm und Tausenden Stellenstreichungen seinen Sparkurs erheblich. Das Unternehmen will in Europa weitere 3.460 Stellen abbauen, davon 2.660 in Deutschland, wie es am Dienstag in Herzogenaurach mitteilte. Zudem ist die Schließung von vier deutschen Standorten geplant. Der MDax -Konzern begründete die weiteren Einschnitte mit der Automobilkrise in Europa, die weitere Gegenmaßnahmen und strukturelle Anpassungen erfordere.
Das jährliche Ergebnis solle sich durch die Maßnahmen ab 2030 um 300 Millionen Euro verbessern. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld veranschlagt für das Sparprogramm Einmalkosten von rund 480 Millionen Euro.
Die Schaeffler-Aktie verlor am Dienstagmittag in einem schwachen Gesamtmarkt 1,2 Prozent auf 5,90 Euro. Damit beläuft sich das Minus seit dem Jahreswechsel auf fast 30 Prozent. Zum Ende des vergangenen Jahres hatte die Aktie eine Kursrally hingelegt, weil sich die Anleger viel vom Zukunftsgeschäft rund um humanoide Roboter versprochen hatten.
Vier Standorte in Deutschland sollen geschlossen werden
Fünf Standorte, davon vier in Deutschland, sollen perspektivisch geschlossen werden. Dazu gehören laut Schaeffler das Werk in Dortmund mit aktuell 430 Beschäftigten sowie der Standort Morbach mit 160 Mitarbeitenden. Zudem ist laut Schaeffler geplant, die Aktivitäten am Standort Berlin mit aktuell etwa 270 Beschäftigten einzustellen und den Standort Schwalbach aufzugeben. Ein Großteil der rund 385 Beschäftigten solle an den Schaeffler-Standort in Frankfurt wechseln.
Scharfe Kritik von IG Metall und Betriebsrat
Die IG Metall und der Konzernbetriebsrat kritisierten das neuerliche Sparprogramm scharf. "Bei Schaeffler folgt inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind", sagte Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Schaeffler. "Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland", fügte Höhn an. "Wer immer neue Abbauprogramme auflegt, Standorte schließt und die Personalkosten senken will, stärkt den Standort Deutschland nicht, sondern schwächt ihn", kritisierte Uli Schoepplein, der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats.
50 Prozent des Stellenabbaus betreffen die Produktion
Nach Abschluss der im November 2024 bekannt gegebenen Strukturmaßnahmen mit rund 4.800 wegfallenden Stellen sowie von 1.800 Altersteilzeitverträgen Anfang Oktober habe der Vorstand beschlossen, ein weiteres Ergebnisverbesserungsprogramm zu starten, hieß es weiter. Ziel sei es, Überkapazitäten abzubauen, Entwicklungskapazitäten anzupassen, Personalkosten zu senken und die Komplexität der Organisation zu reduzieren.
Lange war der Zulieferer stark auf den Verbrennerbereich ausgerichtet und baut sich schrittweise um. In Deutschland hatte Schaeffler Ende 2024 noch 35.051 Beschäftigte. Mit dem neuen Abbau soll die Zahl bis 2028 auf rund 26.320 sinken. Ende September gehörten 31.957 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Stammbelegschaft in Deutschland. Zum Stellenabbau hieß es, rund 50 Prozent beträfen die Produktion, 30 Prozent den Bereich Forschung und Entwicklung und 20 Prozent weitere Funktionsbereiche. Vom Abbau seien 16 Standorte in der Region Europa betroffen.
Zulieferer sind abhängig von den Autoherstellern
Schaeffler steht in der Branche nicht alleine da mit seinen Problemen. Das Geschäft hängt wesentlich von den großen Autoherstellern ab. Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie ist düster. Sparen VW , Mercedes oder BMW , zählen die Zulieferer in aller Regel zu den ersten Leidtragenden. Denn die Autohersteller versuchen dann, die Preise für zugelieferte Teile zu drücken oder lehnen zumindest Preiserhöhungen ab, obwohl die Kosten steigen.
Hinzu kommt das Sonderproblem China. Der Aufstieg der chinesischen Autoindustrie hat die Lage der deutschen Unternehmen innerhalb eines Jahrzehnts grundlegend verändert. Chinesische Firmen spielten 2015 noch eine untergeordnete Rolle auf dem Weltmarkt, 2025 exportierten die Hersteller aus der Volksrepublik nach Daten der dortigen Industrie bereits an die acht Millionen Autos, ein Ziel der Exportoffensive ist Europa.
China exportiert Millionen Autos - und harten Preiskampf
Die deutschen Hersteller verloren zuerst in China große Marktanteile, weil chinesische Kunden mittlerweile bevorzugt chinesische Elektroautos kaufen. Mittlerweile erodieren die Marktanteile der deutschen Hersteller jedoch auch in anderen Ländern, und ein Ende des Prozesses ist derzeit nicht abzusehen. Viele chinesische Autohersteller sind trotz umfangreicher staatlicher Subventionen nach den gigantischen Investitionen der vergangenen Jahre bis über beide Ohren verschuldet, die Produktionskapazitäten bei weitem nicht ausgelastet.
"Mit dem heute bekanntgegebenen Ergebnisverbesserungsprogramm wollen wir zeigen, dass es trotz der schwierigen Rahmenbedingungen möglich und sinnvoll ist, in Deutschland und Europa langfristig wettbewerbsfähig und kosteneffizient zu entwickeln und zu produzieren", sagte Schaeffler-Chef Rosenfeld laut Mitteilung. "Das setzt voraus, dass wir Standorte konsolidieren, Technologiekompetenzen in ausgewählten regionalen Clustern bündeln und die Personalkosten pro Kopf optimieren."
Über alle Hierarchieebenen hinweg, beginnend beim Vorstand, soll ein sogenannter Solidaritätsbeitrag unter anderem mit einem zeitlich begrenzten Gehaltsverzicht ebenfalls zu Einsparungen beitragen. "Als Familienunternehmen ist es uns besonders wichtig, dass wir die notwendigen Maßnahmen im engen Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen sozialverträglich umsetzen", sagte Personalchefin Astrid Fontaine laut Mitteilung.
Daneben bestätigte Schaeffler die bereits bekannten Eckdaten aus dem dritten Quartal. Der Umsatz lag mit 5,81 Milliarden Euro fast auf Vorjahresniveau. Vor Sondereffekten sowie vor Zinsen und Steuern verdiente der Konzern 245 Millionen Euro und damit 7,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Unter dem Strich fiel wegen bereits bekannter Rückstellungen für das schwache Elektroauto-Zuliefergeschäft in China ein Verlust von 83 Millionen Euro an. Ein Jahr zuvor waren es noch 287 Millionen Euro Verlust gewesen, damals vorwiegend wegen einer Wertminderung infolge einer Softwareumstellung. Die Jahresprognose bestätigte das Management./men/cho/sl
Quelle: dpa-AFX