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30.10.2026 11:03:37 - Ökonomen-Stimmen zum deutschen Wirtschaftswachstum
WIESBADEN (dpa-AFX) - Die deutsche Wirtschaft ist trotz Belastungen durch den Iran-Krieg und durch das Niedrigwasser auf vielen Wasserstraßen im Sommer gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im dritten Quartal zum Vorquartal um 0,2 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten errechnet hat. Volkswirte hatten lediglich ein Wachstum von 0,1 Prozent erwartet. Damit zeichnet sich zunehmend ein robustes Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr ab.
Einschätzungen von Ökonomen im Überblick:
Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank
"Das deutsche Bruttoinlandsprodukt hat im dritten Quartal erneut zugelegt, obwohl die Energiepreise deutlich gestiegen sind und die Industrie unter dem Niedrigwasser im Rhein litt. In den kommenden Quartalen sollte die deutsche Wirtschaft weiter wachsen - aber wie bisher mit moderatem Tempo. Denn wegen des Fehlens durchgreifender Reformen bleibt die Standortqualität ramponiert, was eine nennenswerte Erholung der Unternehmensinvestitionen weiter verhindern dürfte. Außerdem sollten sich die Exporte wegen Trumps Zöllen und Chinas Wettbewerbsdruck nicht wie sonst in Aufschwüngen üblich stark erholen."
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank:
"Wichtige Konjunkturfrühindikatoren geben Hoffnung, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal nochmals einen Zahn zulegen wird. Das vom Münchener Ifo-Institut berechnet Echtzeit-BIP zeigt für das dritte Quartal aktuell ein Wachstum von 0,77 Prozent gegenüber dem Vorquartal an. Zwar ist dieses Barometer zum jetzigen Zeitpunkt noch mit hoher Unsicherheit behaftet, doch es zeigt allemal, dass es in den letzten drei Monaten des Jahres für die deutsche Wirtschaft wieder deutlicher nach oben gehen könnte. Damit steht jetzt bereits schon mit hoher Sicherheit fest, dass das Wachstum im Gesamtjahr 2026 über der Marke von 1 Prozent liegen wird."
Jens-Oliver Niklasch, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg:
"Die Daten zeigen, dass die Konjunktur weiterhin besser läuft als gedacht. Selbst die negativen Sondereffekte aus dem Dürresommer oder eine Produktionsumstellung in der Automobilindustrie vermochten den Trend zwar zu bremsen, aber nicht ihn zu wenden. Nach der von Destatis berichteten Tendenz haben die Ausfuhren keinen nennenswerten Beitrag mehr geleistet. Vermutlich greifen jetzt die Staatsausgaben umso stärker, und der private Konsum läuft ein bisschen besser. Im nächsten Jahr wird deutlich, ob die Belebung der Konjunktur dauerhaft ist, oder nur ein Strohfeuer, gespeist von der Fiskalpolitik. Für ein dauerhaft höheres Wachstum müssten die Investitionen stärker zulegen, was bis jetzt nicht der Fall ist."
Ralf Umlauf, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen:
Vor dem Hintergrund der schwächeren Signale vonseiten des Einzelhandels und der Exporte kommt der neuerliche Zuwachs überraschend. Im Hinblick auf die EZB-Geldpolitik dürften die Erwartungen steigender Zinsen untermauert werden, zumal die Inflationsraten in Europa weiterhin deutlich zu hoch sind. Marktteilnehmer gehen zwar mehrheitlich davon aus, dass die Leitzinsen im Dezember um 25 Basispunkte erhöht werden, vollständig eingepreist ist dies aber nicht.
Marc Schattenberg, Volkswirt bei der Deutschen Bank:
"Für unsere Wachstumsprognose von 1 Prozent im Gesamtjahr 2026 bedeutet das überraschend robuste Q3 ein leichtes Aufwärtspotenzial von bis zu 0,2 Prozentpunkten. Auch in Q4 dürfte sich die Konjunktur gut halten - vor allem dank eines robusten Geschäftsklimas und voller Auftragsbücher. Die Steuersenkung bei Kraftstoffen unterstützt den privaten Konsum. Allerdings bleiben hohe Öl- und Gaspreise ein Risiko für den privaten Verbrauch."
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank:
"Mit Blick auf die Zukunft hängen die Aussichten weiterhin in hohem Maße von den fiskalischen Konjunkturmaßnahmen sowie von der Geschwindigkeit und dem Ausmaß ab, mit denen sich diese auf die gesamte Wirtschaft auswirken. Das ist die konjunkturelle Seite der Medaille. An der strukturellen Situation hat sich nichts geändert: Um diesen Aufschwung in eine nachhaltige Erholung zu verwandeln, braucht Deutschland nach wie vor dringend Reformen zur Wiederherstellung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit."
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Quelle: dpa-AFX