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08.08.2026 10:59:25 - Niedrige Renten trotz vieler Versicherungsjahre
BERLIN (dpa-AFX) - Mehr als jeder fünfte Rentner und jede zweite Rentnerin mit besonders langer Versicherungszeit ist allein mit der gesetzlichen Rente zuletzt nicht über die Armutsgefährdungsgrenze hinausgekommen. Diese lag laut Statistischem Bundesamt 2025 bei 1.446 Euro im Monat. Die Linke im Bundestag hatte unter anderem nach der Zahl der Rentnerinnen und Rentner mit mindestens 45 Jahren Versicherungszeit und einer entsprechend niedrigen Nettorente gefragt.
Die der Deutschen Presse-Agentur vorliegende Regierungsantwort zeigt: Deutschlandweit haben im vergangenen Jahr 23 Prozent der Männer nach 45 Versicherungsjahren eine Rente unter 1.446 Euro erhalten. In Baden-Württemberg waren es etwa nur rund 16 Prozent dieser Männer. Mit Werten zwischen rund 36 und 41 Prozent liegen sämtliche Ostländer demnach bei diesen Anteilen der Männer mit Niedrigrenten durchweg deutlich höher.
Frauen deutschlandweit zur Hälfte mit Niedrigrenten
Weit geringer ist der Unterschied bei den Frauen. In den meisten Ländern gilt, dass mehr als jede Zweite auch nach so einer langen Versicherungszeit mit der Rente unter der Armutsrisikoschwelle landet. Deutschlandweit waren es 52 Prozent, im wohlhabenden Südwesten, aber beispielsweise auch im strukturschwachen Sachsen-Anhalt rund 54 Prozent der so lange versicherten Frauen mit entsprechend niedrigen Renten.
Die Regierung erläutert: "Aus einer niedrigen Altersrente in der gesetzlichen Rentenversicherung kann grundsätzlich nicht auf ein niedriges Alterseinkommen geschlossen werden." Unter anderem weitere Alterseinkommen und der Haushaltskontext seien nicht berücksichtigt. Beispielsweise kann jemand finanziell auch mit minimaler Rente gut dastehen, wenn die Person am Wohlstand in einer Partnerschaft teilhat. Vergleichsweise geringe Renten könnten zudem auch bei 40 oder 45 Versicherungsjahren auftreten, da hierzu nicht nur Beitragszeiten, sondern auch beitragsfreie Zeiten zählen, bei Ausbildung oder Arbeitslosigkeit ohne Arbeitslosengeldbezug etwa, so die Regierung.
Linke: Aus für abschlagsfreie Rente würde Lage verschärfen
Die rentenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Sarah Vollath, sagte: "Vorschläge, wie die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren, treffen genau die Menschen hart, die schon jetzt mit viel zu niedrigen Renten auskommen müssen." Müssten sie bald noch Abschläge in Kauf nehmen, würden ihre Renten noch weiter sinken.
Janina Böttger, Linke-Abgeordnete aus Halle, sagte: "Kleine Löhne bedeuten kleine Renten - und der Osten zahlt bis heute den Preis." Von Armutsrenten seien in allen ostdeutschen Flächenländern Männer doppelt so häufig betroffen wie im Bundesschnitt. "Der Lohnlücke Ost folgt die Rentenlücke." Dies sei Ergebnis jahrelanger Ungleichheit, sagte Böttger. Bei Frauen sei dies bundesweit ein noch größeres Problem./bw/DP/mis
Quelle: dpa-AFX