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10.06.2026 14:31:26 - Mehr Arbeitslose, mehr Inflation: DIW fürchtet Rezession in Deutschland
BERLIN (dpa-AFX) - Mit dem Ölpreisschock und Iran-Krieg droht Deutschland nach Einschätzung des DIW eine Rezession. Die Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung halbieren ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr. Demnach erwarten sie für 2026 nur ein Plus von 0,5 Prozent und von 0,8 Prozent für das kommende Jahr - jeweils rund einen halben Prozentpunkt weniger als zuletzt vermutet.
Der Iran-Krieg habe die Erholung der Wirtschaft ausgebremst, bevor sie sich festigen konnte. "Gestiegene Öl- und Gaspreise treiben die Verbraucherpreise, schmälern die Kaufkraft der privaten Haushalte und verstärken die Unsicherheit." Die deutsche Wirtschaft dürfte nach Einschätzung des DIW "sowohl im zweiten als auch im dritten Quartal leicht schrumpfen", bevor sie sich zum Jahresende stabilisiere.
Inflation dürfte steigen
Verbraucher müssen sich auf steigende Preise einstellen: Die Inflation dürfte laut DIW mit 2,9 Prozent in diesem und 3,0 Prozent 2027 über dem Ziel der Europäischen Zentralbank liegen - zuletzt betrug die Teuerung in Deutschland 2,6 Prozent. Zudem werde die Arbeitslosenquote 2026 wohl leicht auf 6,4 Prozent steigen, bevor sie 2027 wieder auf 6,2 Prozent sinke.
Deutschland drohe aber keine zweite Energiekrise wie mit dem Ukraine-Krieg 2022/23, sagt DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. "Der Schock ist kleiner, die Energieversorgung ist noch gesichert, und Deutschland ist heute weniger abhängig von fossilen Importen als nach Beginn des Ukraine-Kriegs."
Fratzscher: Tankrabatt nicht verlängern
Dass die Wirtschaft überhaupt wachse, sei den Milliarden-Sondervermögen zu verdanken, so das DIW. Steigende Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur stützten die Konjunktur. Der private Konsum und die exportorientierte Industrie kämen dagegen nur langsam in Schwung.
Nach Ansicht von DIW-Präsident Marcel Fratzscher müsste die Bundesregierung zielgenaue Maßnahmen treffen, um Menschen mit geringem Einkommen zu entlasten, etwa mit einer Energiekostenpauschale wie 2022. Der Tankrabatt dagegen sei teuer, nicht zielgenau und helfe Mineralölkonzernen. "Die Bundesregierung sollte diesen Fehler nicht ein zweites Mal wiederholen und den Tankrabatt daher nicht über den 30. Juni hinaus verlängern."/als/DP/jha
Quelle: dpa-AFX