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15.04.2026 07:50:02 - Außenseiter-Storys, Leiden und Jubeln: Sport im Film
BERLIN (dpa-AFX) - Brad Pitt machte die größte Kasse als Formel-1-Pilot. Ein Film über einen New Yorker Schuhverkäufer, der von der Weltkarriere als Tischtennis-Spieler träumt, heimste neun Oscar-Nominierungen ein. "Ein Sommer in Italien - WM 1990" (bei Sky/Wow ab 15. Mai) bringt die Fans auf eine Fußball-Zeitreise. Sport im Film, Sport in Serien - Fiktion oder Realität - scheinen mehr denn je im Trend zu liegen.
Noch in diesem Jahr wird bei Netflix eine neue Dokumentation über Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher erwartet. Am 16. April startet beim US-Streamingdienst die Mini-Serie "Ronaldinho: The One and Only" über den fußballgenialen ehemaligen Superstar aus Brasilien.
Was macht den Reiz von Sport im Film aus?
Sportfilme oder auch Sportserien haben in den vergangenen zwei bis drei Dekaden einen Aufschwung erlebt, wie der Filmwissenschaftler Oliver Fahle von der Ruhr-Universität Bochum erklärt: "Vorher waren sie ein randständiges Genre."
Der Reiz bestehe wohl darin, mehr mediale Teilhabe an den Stars und dem Sport herzustellen, der einen selbst durch die mediale Inszenierung fasziniere. "Außerdem hat der Sport mit seiner Struktur aus Emotion und Anspannung, Wettkampf, Konkurrenz, Sieg und Niederlage, Höhe- und Tiefpunkt, Champion und Verlierer eine gewisse Ähnlichkeit zu filmischen Inszenierungen", sagt Fahle.
Ex-Tischtennis-Star: Sportler liefern fesselnde Storys
Das fasziniert das Publikum ebenso wie Schauspieler, Regisseure und auch die Sportler selbst. Für einen echten Spielfilm reiche es bei seiner eigenen Karriere wahrscheinlich nicht, sagt der deutsche Ex-Weltklasse-Tischtennisspieler Timo Boll mit einem Lachen. Für eine kleine Nebenrolle bei "Marty Supreme" mit Timothée Chalamet in der Hauptrolle schon.
Boll verkörpert einen der Gegenspieler des Protagonisten Marty Mauser, der in New York in den 1950er Jahren von der großen Sportkarriere träumt - inspiriert wurde der Film durch die Lebensgeschichte des sportlich hochbegabten Marty Reisman, der allerdings auch einen ausgeprägten Hang zum Zocken hatte. Die Geschichte von Marty sei stark fiktional und sein Leben extrem ausgeschmückt worden, erklärt Boll: "Aber Sportler liefern eben häufig fesselnde Storys."
Die Besonderheit des Sports
Der agonale Charakter des Sports - der Wettkampf, das Sich-gegenseitig-messen - birgt automatisch Rivalität. Favorit gegen Außenseiter, Publikumsliebling gegen Buhmann, Jung gegen Alt. Protagonist und Antagonist sind die Hauptrollen des Sports. Sportler scheitern, sie stehen auf und kommen zurück, sie liefern Dramen. Und Dramen sind Emotionen.
Das war schon vor 50 Jahren so, als "Rocky" in die Kinos kam (derzeit etwa bei Joyn zu streamen). Der Aufstieg von Rocky Balboa, gespielt von Sylvester Stallone, von den Armenvierteln Philadelphias in den WM-Ring. 1977 gewann der Streifen drei Oscars, unter anderem den für den besten Film.
Wenn das Ende bekannt ist: der Nostalgie-Faktor
"Rocky" war Fiktion. "F1 - The Movie" mit Pitt in der Hauptrolle ist Fiktion (bei Apple TV zu streamen), wenngleich Aufnahmen für den bisher erfolgreichsten Blockbuster des Oscar-Preisträgers auch original an Rennwochenenden der Formel 1 gedreht wurden. Eine Fortsetzung auch mit Mitproduzent und Formel-1-Rekordweltmeister Lewis Hamilton ist in Planung.
Aber was ist eigentlich, wenn das Ende der Story bekannt ist, weit bevor die letzten Minuten des Films oder der Serie laufen?
Non-Fiction-Formate und Doku-Serien würden den Blick "jenseits des Spielfelds" eröffnen, erklärt ein Netflix-Sprecher: Reichhaltige Hintergrundgeschichten, die die ganze Bandbreite der Emotionen abdecken - Ehrgeiz, Rückschläge, Neuanfänge, Vermächtnis. Sport sei in vielerlei Hinsicht die ultimative "Seifenoper": echte Menschen, echte Kämpfe, echte Erfolge.
Filmwissenschaftler Fahle betont das nostalgische Element. Gerade wenn es um die Vergangenheit gehe, werde diese aufgewertet - nach dem Prinzip ehrliche Wettkämpfe in einer besseren Welt. "Konflikte waren da, aber da sich der Erfolg ja eingestellt hat, waren alle Schmerzen und Probleme richtig und gut bei der Heldenreise."
Die gibt es garniert mit reichlich Humor auch bei "Next Goal Wins" (in der Flatrate bei Disney + im Programm) mit dem deutschen Hollywoodstar Michael Fassbender als Coach Thomas Rongen. Er tritt notgedrungen - die Alternative wäre kein Job zu haben - den Posten als Fußball-Nationaltrainer von Amerikanisch-Samoa an.
0:31 Tore - in einem Spiel
Noch heute hält die Nationalmannschaft einen Fußball-Rekord, mit dem sich aber keiner schmücken will: 2001 unterlag das Team in der WM-Qualifikation Australien mit 0:31 - die höchste Niederlage. "Man kann getrost sagen: Ihr habt null Talent oder Ahnung von dem Spiel", sagt der Coach Rongen bei seinem Amtsantritt auf einem Klappstuhl mit Kaltgetränk in der Hand.
Tatsächlich hieß der Trainer, der zehn Jahre nach der krachenden Niederlage das Team übernommen hatte, Thomas Rongen. Der Niederländer, der auch eine amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, hatte das Team sogar zu einem Sieg gegen Tonga in der Qualifikation zur WM 2014 geführt.
"Ein Sportfilm nutzt meistens den Sport und seine Faszination, aber der Sport passt sich dem Film an, nicht umgekehrt", sagt Experte Fahle. "Selten geht es wirklich um den Sport und seine Eigenheiten, sondern um die Charaktere, ihre Erziehung, ihre Werte, wie sie mit Niederlagen umgehen, welche Emotionen im Spiel sind oder waren." Der Sport als Vorlagengeber für den Film./jmx/DP/zb
Quelle: dpa-AFX
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