- Nachrichtendetail
-
27.02.2026 06:13:12 - Zwist zwischen Frankreich und USA spiegelt Hassliebe wider
PARIS/WASHINGTON (dpa-AFX) - Abseits der großen geopolitischen Spannungen gibt es plötzlich Krach zwischen Frankreich und den USA: Der Pariser Außenminister Jean-Noël Barrot bestellte Anfang der Woche US-Botschafter Charles Kushner ein, um gegen eine vermeintliche amerikanische Einmischung zu protestieren - gerade unter Verbündeten ein deutliches und selten genutztes diplomatisches Mittel. Das US-Außenministerium hatte zuvor von bedrohlicher linksextremistischer Gewalt in Frankreich gesprochen. Man brauche keine Belehrung von der "reaktionären Internationalen", wetterte Barrot daraufhin.
Der US-Botschafter ließ den empörten Minister abblitzen und schickte einen Vertreter, wie er dies bei einer früheren Einbestellung im August bereits getan hatte - eine diplomatisch unhöfliche Reaktion. Barrot konterte und kündigte eine Blockade von Kushners direktem Zugang zu französischen Regierungsmitgliedern an.
Länder in Rivalität und Liebe verbunden
Der brüske Schlagabtausch passt zu Reibereien der jüngsten Zeit, die die traditionell in einer Mischung aus Rivalität und Liebe verbundenen Länder sich mit den Präsidenten Emmanuel Macron und Donald Trump als Hauptakteuren geliefert haben.
Zum Beispiel in Davos, wo Macron beim Weltwirtschaftsforum mit seiner legendär gewordenen Sonnenbrille, die er aus Gesundheitsgründen trug, in einer Rede kräftig gegen Trumps Regierungskurs austeilte. Der US-Präsident konterte tags darauf am Rednerpult mit der Erzählung, wie er den stolzen Franzosen im Streit um Medikamentenpreise angeblich kleinbekommen habe - und machte sich über die Brille lustig: "Ich habe ihn gestern mit dieser schönen Sonnenbrille gesehen. Was zum Teufel ist passiert?"
Macron versucht es immer wieder auch auf persönlicher Ebene mit einem Schulterschluss mit Trump, um dessen Politik zu beeinflussen und einen gemeinsamen Kurs zu finden. Mit seinem Vorschlag an Trump, ein Treffen der G7-Staaten mit Russland und Dänemark zu organisieren, scheiterte er aber jüngst. Der Amerikaner machte Macrons private Textnachrichten kurzerhand öffentlich - ohne dem Vorschlag weiter Beachtung zu schenken, womit er Macron recht dumm dastehen ließ. Dieser hatte sich zuvor geweigert, Trumps Friedensrat beizutreten und diesen damit brüskiert.
Handschlag wird zum Armdrücken
Auf die Frage, wie er Macrons Haltung bewerte, sagte Trump: "Nun, niemand will ihn, weil er sehr bald aus dem Amt scheiden wird." Sollte Frankreich dem Gremium nicht beitreten, werde er Strafzölle von 200 Prozent auf Wein und Champagner verhängen. Dann werde Macron schon beitreten - "aber er muss nicht". Der Umgang unter besten Freunden sähe sicher anders aus.
Das Kräftemessen zwischen Macron als Staatschef der "Grande Nation" und Trump als Präsident des mächtigsten Landes der Welt wurde im Herbst beim Gaza-Friedensgipfel in Ägypten bei einem Handschlag der beiden sichtbar, der fast eine halbe Minute dauerte und eher einem Armdrücken ähnelte. Eine Lippenleserin berichtete anschließend von Drohungen und Anschuldigungen, die sich die beiden währenddessen an den Kopf geworfen haben sollen.
Ungeachtet solcher Reibereien versucht Macron es nach außen so aussehen zu lassen, als habe er zu Trump einen freundschaftlichen, lockeren Draht. Als während der UN-Vollversammlung Straßen in New York für Trumps Autokolonne gesperrt waren und Macron deshalb zu Fuß gehen musste, rief er Trump, wie Videoaufnahmen zeigten, im Laufen an. "Wie geht's?", begrüßte er den US-Präsidenten. "Stell dir vor, ich warte an der Straße, weil für dich alles abgesperrt ist."
First-Ladys kommen besser miteinander klar
Trotz des eher angespannten Verhältnisses der beiden Männer, scheinen ihre Frauen offenbar besser miteinander auszukommen, wenn man dem kürzlich in den Kinos angelaufenem Film "Melania" über Amerikas First-Lady Glauben schenkt. Dort ist Melania Trump einmal bei einem Video-Call mit Frankreichs First Lady Brigitte Macron zu sehen.
Um den aktuellen Konflikt zu schlichten, schwenkte der Pariser Außenminister auf die große Perspektive um. "Wir bereiten uns dieses Jahr auf ein wichtiges Ereignis vor, nämlich den 250. Jahrestag der Beziehungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten", sagte Barrot dem Sender France Info. "Wir haben eine gemeinsame Geschichte, die von Waffenbrüderschaft und dem Kampf für die Demokratie geprägt ist. Und ich wage zu hoffen, dass wir in diesem Sinne das ganze Jahr über zusammenarbeiten werden."
Und tatsächlich löste sich das französisch-amerikanische Gezänk bald darauf in Wohlgefallen auf. Kushner griff zum Telefon und rief den Außenminister mit dem Hinweis an, dass er sich nicht in innere Angelegenheiten einmischen wolle. Die beiden vereinbarten ein Treffen in den nächsten Tagen "um die Arbeit im Dienste einer engen bilateralen Beziehung fortzusetzen", verlautbarte aus dem Ministerium
- und von Sanktionen für Kushner war längst nicht mehr die Rede./evs/DP/zb
Quelle: dpa-AFX