10.07.2024 06:35:00 - dpa-AFX: ROUNDUP: Zuzahlungen für Pflege im Heim steigen weiter

BERLIN (dpa-AFX) - Für Pflegebedürftige im Heim sind selbst zu zahlende
Anteile weiter gestiegen. Mit Stand vom 1. Juli waren im ersten Jahr im Heim im
bundesweiten Schnitt 2.871 Euro pro Monat aus eigener Tasche fällig. Das sind
211 Euro mehr als Mitte 2023, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen
ergab. Die Belastungen wachsen damit trotz inzwischen erhöhter
Entlastungszuschläge, die sich nach der Aufenthaltsdauer richten.

Mit dem höchsten Zuschlag ab dem vierten Jahr im Heim legte die Zuzahlung im Schnitt auf 1.865 Euro je Monat zu. Das sind 91 Euro mehr als zum 1. Juli 2023,
wie die der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Daten zeigen.

In den Summen ist zum einen der Eigenanteil für die reine Pflege und
Betreuung enthalten. Denn die Pflegeversicherung trägt - anders als die
Krankenversicherung - nur einen Teil dieser Kosten. Für Bewohnerinnen und
Bewohner im Heim kommen noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und
Investitionen in den Einrichtungen hinzu.

Erstmals wurden in die Auswertung zum 1. Juli auch Ausbildungskosten
einbezogen, die ebenfalls von den Heimen weitergegeben werden. Dieser Posten
wurde aber auch in die Vergleichswerte vom 1. Juli 2023 eingerechnet, wie es zur
Erläuterung hieß.

Zuschläge sollen Kosten dämpfen

Seit 2022 gibt es neben den Zahlungen der Pflegekasse auch
Entlastungszuschläge, die mit einer Reform der Ampel-Koalition zum 1. Januar
2024 erhöht wurden. Der Eigenanteil für die reine Pflege wird damit im ersten
Jahr im Heim um 15 statt zuvor 5 Prozent gedrückt, im zweiten um 30 statt 25
Prozent, im dritten um 50 statt 45 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 statt
70 Prozent. Hintergrund für den dennoch wachsenden Eigenanteil sind vor allem
höhere Personalkosten für Pflegekräfte.

Den Anstieg der Zuzahlungen konnten die Zuschläge aber nicht voll auffangen, wie die Daten zeigen. Zum Stichtag 1. Juli waren für die reine Pflege im ersten
Jahr im Heim im bundesweiten Schnitt nun monatlich 1.426 Euro fällig - vor einem
Jahr waren es mit dem damals noch niedrigeren Entlastungszuschlag 1.295 Euro
gewesen. Teurer wurden der Auswertung zufolge auch Unterkunft und Verpflegung in
den Heimen. Zum 1. Juli mussten Bewohnerinnen und Bewohner im Schnitt 955 Euro
im Monat dafür bezahlen, nachdem es Mitte 2023 noch 888 Euro gewesen waren.

Die Chefin des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, sagte mit Blick auf die
weiter steigende Eigenbeteiligung: "Dass diese so hoch ist, liegt auch daran,
dass die Länder ihre Verantwortung ignorieren." Die Übernahme der
Investitionskosten durch die Länder - wie eigentlich vorgesehen - würde
Heimbewohner um durchschnittlich 490 Euro im Monat entlasten. Auch sei es
Aufgabe des Staates, Ausbildungskosten zu übernehmen. Dies müsse im Rahmen der
von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angekündigten Pflegereform
gelöst werden.

Das Ministerium will im Herbst ein Konzept für die Reform vorlegen. Es soll
um ein Gesamtpaket für mehr Kapazitäten beim Pflegepersonal, ein stärkeres
Vermeiden von Pflegebedürftigkeit und das Schließen einer Finanzlücke gehen -
denn die Pflegeversicherung erwartet für 2024 und 2025 rote Zahlen. Eine erste
Reform brachte neben der höheren Entlastungszuschläge für Heimplätze auch eine
Beitragsanhebung zum 1. Juli 2023.

Unterschiede in den Bundesländern

Insgesamt gibt es bei den Zuzahlungen weiter regionale Unterschiede. Im
Schnitt am teuersten ist derzeit ein Heimplatz im ersten Aufenthaltsjahr nun in
Nordrhein-Westfalen mit 3.200 Euro pro Monat und in Baden-Württemberg mit 3.180
Euro. Am niedrigsten ist die Eigenbeteiligung in Sachsen-Anhalt mit 2.373 Euro.

Ausgewertet wurden nach Angaben des Ersatzkassenverbands
Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Bundesländern. Zum
Verband gehören unter anderem die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die
DAK-Gesundheit./sam/DP/zb

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