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25.02.2020 20:20:11 - VIRUS/ROUNDUP 2: Elf Tote in Italien - Spahn: Keine Reisesperren geplant

(Neue Angabe: elf Tote)

ROM (dpa-AFX) - Grenzüberschreitende Reisesperren sind nach Ansicht mehrerer europäischer Staaten auch angesichts des Coronavirus-Ausbruchs mit elf Toten in Italien keine angemessene Antwort. Das sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag in Rom nach einem Krisentreffen. "Wir sind gemeinsam der Meinung, dass zu diesem Zeitpunkt, jetzt, Reisebeschränkungen oder gar das Schließen von Grenzen keine angemessene, verhältnismäßige Maßnahme wäre", erläuterte der CDU-Politiker.

Über größere Veranstaltungen solle nicht generell, sondern im Einzelfall entschieden werden. "Was wir gemeinsam auch vereinbart haben ist, dass wir in Zügen, Bussen, Flugzeugen und an Flughäfen und Bahnhöfen Informationen austeilen wollen für Reisende aus der betroffenen Region oder in die betroffenen Region", ergänzte Spahn. Wer Anzeichen der Lungenkrankheit habe, solle sich an bestimmte Telefonnummern wenden können. Welche das für Deutschland sein werde, konnte er noch nicht sagen. Insgesamt wolle man angesichts der Gesundheitskrise eine möglichst abgestimmte Politik machen.

Die Gesundheitsminister aus Italien, Deutschland, Österreich, Slowenien, Frankreich, Kroatien und der Schweiz hatten in Rom über die Lage beraten. Spahn hatte bereits am Montag gesagt, ein Virus mache an Landesgrenzen nicht halt.

Die Zahl der Toten und Infizierten mit dem neuen Coronavirus stieg am Dienstag in Italien weiter: Mittlerweile seien 322 Menschen angesteckt, sagte Zivilschutzchef Angelo Borrelli am Abend. Die Zahl der Toten stieg demnach von sieben auf elf. Italien verzeichnet, seitdem am Freitag erste Fälle bekannt geworden waren, den größten Sars-CoV-2-Ausbruch in Europa.

Spahn sagte, inzwischen sei in Europa nicht mehr jede Infektionskette nachvollziehbar und könne nicht mehr immer direkt mit China in Verbindung gebracht werden. In dem asiatischen Land waren in der Region um Wuhan die ersten Fälle erfasst worden. Fieber-Scanner an Flughäfen, mit denen unter anderem in Italien bei Einreisenden die Temperatur geprüft wird, halte er nicht für sinnvoll. Deutschland habe die Erfahrung gemacht, dass damit die Infizierten nicht sicher erkannt würden. Über diese Maßnahme entscheide jedes Land für sich.

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran lehnte Reiseverbote ebenfalls ab. "Es gibt keinen Grund, die Grenzen zwischen Italien und Frankreich zu schließen. Es wäre unverhältnismäßig und ineffektiv", sagte er in Rom. Zu Großveranstaltungen sportlicher oder kultureller Art ergänzte er: "Wir erlauben uns jedoch, jede Situation von Fall zu Fall zu betrachten, basierend auf der Einschätzung der Behörden."

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte hatte am Nachmittag vor der Presse vor Panik gewarnt und für den Mittelmeerstaat als Reiseziel geworben: "Italien ist ein sicheres Land, in dem man reisen und Urlaub machen kann", sagte er. Die Gebiete mit Einschränkungen seien sehr begrenzt. "Italien ist sicher, vielleicht sicherer als viele andere Länder." Weiter sagte Conte: "Unsere Bürger können ruhig bleiben. Unsere Gesundheitssystem ist exzellent."/pky/DP/zb


Quelle: dpa-AFX

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