08.08.2019 17:36:41 - dpa-AFX: ROUNDUP 3: Projektstopp und träge Nachfrage drücken auf Aurubis-Gewinn

(Neu: Konzernchef Harings zu Salzgitter und Zukäufen, Aktienkurs)

HAMBURG (dpa-AFX) - Die lahmende Weltwirtschaft und das Scheitern eines
Investitionsprojekts haben den Kupferkonzern Aurubis im dritten
Geschäftsquartal stark belastet. Während der Umsatz in etwa stabil blieb,
brachen die Gewinne ein. Die Anleger konnte das aber nicht mehr verschrecken,
nachdem die Hamburger bereits im Juni vor einem Rückschlag gewarnt hatten. Die
Resultate seien zwar schwach gewesen, in den Aktienkurs seien aber bereits
reichlich negative Nachrichten eingepreist, erklärte Analyst Marc Gabriel vom
Bankhaus Lampe.

Der Aktienkurs stieg denn auch bis zum Mittag um 1,63 Prozent auf 37,40
Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten liegen die Aktien aber immer noch fast 50
Prozent hinten. Angesichts der Kursverluste waren zuletzt immer wieder
Spekulationen über einer Übernahmeofferte durch den Stahlkonzern Salzgitter
aufgekommen, der ein Viertel an Aurubis hält. Laut dem Analysten Gabriel könnte
Salzgitter die Beteiligung durchaus auf mehr als 30 Prozent ausbauen, was eine
Pflichtofferte zur Folge hätte.

"Ich habe keine Einblicke in die Planung und Strategie von Salzgitter",
sagte der neue Aurubis-Vorstandschef Roland Harings der "Frankfurter Allgemeinen
Zeitung" (FAZ/Freitagsausgabe). "Aber ich sehe im Moment keine Anzeichen, dass
unser Großaktionär seinen Anteil weiter erhöhen will." Die Vorteile eines
Zusammenschlusses wären überschaubar, da es kaum Synergien zwischen den beiden
Unternehmen gebe, erklärte er dem Blatt.

Der operative Vorsteuergewinn brach in den drei Monaten bis Ende Juni um 72
Prozent auf 22 Millionen Euro ein, wie der MDax-Konzern am
Donnerstag in Hamburg mitteilte. Unter dem Strich verdienten die Hamburger mit
17 Millionen Euro ebenfalls fast drei Viertel weniger als ein Jahr zuvor. Dabei
belasteten allein Aufwendungen für das FCM-Projekt, das wegen zu hoher Kosten
gestoppt wurde, mit 30 Millionen Euro, wie bereits seit Mitte Juni bekannt ist.
Hinzu kamen Kosten für Stillstände wegen der Wartung von Produktionsanlagen. Der
Umsatz stieg hingegen leicht um 1 Prozent auf gut 3 Milliarden Euro.

Die Jahresprognose für den operativen Vorsteuergewinn bestätigte das
Unternehmen: Er dürfte 2018/19 um mehr als 15 Prozent sinken nach 329 Millionen
Euro im vergangenen Jahr. Nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres
stehen hier gerade einmal 125 Millionen Euro zu Buche.

Mit Blick auf das abgelaufene dritte Geschäftsquartal sprach der neue Chef
Harings von mehreren, außerordentlichen Belastungen. Neben den Belastungen aus
der Einstellung des FCM-Projektes sei auch die operative Entwicklung in weiten
Teilen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Zudem habe die Nachfrage der
Kunden geschwächelt. Hohe Schwefelsäurepreise - ein Nebenprodukt der
Kupferproduktion - konnten all das nur teilweise abfedern.

Das FCM-Projekt war eigentlich ein Hoffnungsträger der
Salzgitter-Beteiligung. Investitionen von 320 Millionen Euro, unter anderem in
den Bau von Anlagen in Hamburg und Olen, sowie die Möglichkeit, mehr Material zu
verarbeiten, sollten die Gewinnentwicklung mittelfristig antreiben. Allerdings
wäre das Projekt deutlich teurer geworden als geplant. Daher hatte das
Unternehmen Mitte Juni die Reißleine gezogen. Der ehemalige Konzernchef Jürgen
Schachler war in diesem Zuge zudem nur wenige Wochen vor einem ohnehin geplanten
Abschied freigestellt worden.

Aurubis hält indes weiter an seiner Strategie fest, sich zu einem
Multimetall-Anbieter weiter zu entwickeln. Laut Harings können zumindest Teile
der im FCM-Projekt erstellten Pläne genutzt werden. Ein weitere Baustein der
Strategie ist der bereits vor einigen Monaten vereinbarte Kauf der
belgisch-spanischen Metallo-Gruppe für 380 Millionen Euro. Eine Freigabe durch
die Wettbewerbshüter erwartet Aurubis bis zum Jahresende.

Harings will mehr Auslandsmärkte erschließen und erwägt dafür auch neue
Übernahmen. "Die nötige finanzielle Feuerkraft ist im Unternehmen vorhanden",
sagte der Manager der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Wir haben etwa 1 bis
1,5 Milliarden Euro an verfügbaren Mitteln, die wir in organisches Wachstum,
aber auch in Akquisitionen stecken können." Chancen sehe er etwa in neuen
Recycling-Standorten für Kupfer und andere Metalle in Amerika oder Asien.

Zudem steckt Aurubis weiter Geld in die Wartung von Produktionsanlagen.
Nachdem in Pirdop bereits im Mai Arbeiten an den Anlagen durchgeführt wurden,
stünden nun Maßnahmen in Lünen für 25 Tage im September sowie in Hamburg für 36
Tage im Oktober und November an. Diese werden den operativen Vorsteuergewinn
voraussichtlich mit insgesamt rund 33 Millionen Euro
belasten./mis/elm/stk/jha/fba
Name WKN Börse Kurs Datum/Zeit Diff. Diff. % Geld Brief Erster Schluss
AURUBIS AG 676650 Frankfurt 43,650 13.09.19 17:08:21 +1,190 +2,80% 43,310 43,600 42,690 43,650
SALZGITTER AG O.N. 620200 Frankfurt 18,890 13.09.19 17:41:35 +0,515 +2,80% 18,945 19,110 18,210 18,890

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