17.05.2019 18:29:48 - dpa-AFX: BITCOIN IM FOKUS 2: Wieder das jähe Ende eines Höhenflugs

(neu: Analysten-Begründung zum Absturz)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Monatelang war es verdächtig ruhig um den Bitcoin.
Nach einem spektakulären Höhenflug Ende 2017 war die Kryptowährung etwas aus dem
Fokus der Medien und der Anleger an den Finanzmärkten geraten. Anfang Mai hat
sich die Lage aber grundlegend geändert. Im Verlauf des Monats knackte der
Bitcoin in schneller Folge die Marken von 6000, 7000 und 8000 US-Dollar. Am
Freitag beendete dann aber ein herber Kurssturz den jüngsten Höhenflug. Experten
sehen Zusammenhänge zwischen der Rekordjagd Ende 2017 und der aktuellen
Kursentwicklung der Digitalwährung.

WAS IST PASSIERT?

Am frühen Morgen am Freitag brach der Kurs des Bitcoin auf der
Handelsplattform Bitstamp innerhalb weniger Minuten von zuvor knapp 8000 Dollar
auf nur noch 6178 Dollar ein. Im weiteren Handelsverlauf konnte sich die
Digitalwährung allerdings schnell und kräftig erholen. Sie wurde gegen Mittag
wieder deutlich höher bei 7300 Dollar gehandelt. Der Kurs ist damit aber immer
noch mehr als sieben Prozent niedriger als in der vergangenen Nacht.

Zuvor hatte der Bitcoin bis zum Donnerstag kontinuierlich an Wert gewonnen.
Im Verlauf des Monats Mai war der Kurs in der Spitze um etwa 3000 Dollar
gestiegen. Seit Beginn des Jahres hat sich der Wert sogar in etwa verdoppelt.
Trotz dieser massiven Kursgewinne wurde die Digitalwährung aber immer noch weit
unterhalb des Rekordhochs gehandelt, das Ende 2017 bei rund 20 000 Dollar
erreicht worden war.

WAS SIND DIE GRÜNDE FÜR DIE JÜNGSTEN KURSBEWEGUNGEN?

"Der heutige Absturz des Bitcoins scheint wohl durch einen riesigen
Verkaufsauftrag auf der Luxemburger Handelsplattform Bitstamp ausgelöst worden
zu sein", kommentierte Timo Emden, Finanzmarktanalyst bei Emden Research. Er
verwies auf Meldungen, laut denen es sich dabei um rund 5000 Bitcoins gehandelt
habe, welche auf den Markt geworfen worden seien. Diese seien zu dem Zeitpunkt
etwa 38,6 Millionen Dollar wert gewesen.

"Der Verdacht liegt nahe, dass ein sogenannter 'Bitcoin-Wal' aktiv geworden
ist", sagte Emden. In der Krypto-Welt ist dies ein Begriff für Investoren,
welche außerordentlich hohe Mengen an Kryptowährungen halten und somit eine
gewisse Marktmacht besitzen. Diese sind laut Emden in der Lage den Markt mehr
oder weniger zu lenken.

Marktbeobachter begründeten die starken Verluste auch mit Gewinnmitnahmen.
Bereits zuvor hatten sich Experten immer wieder schwer getan, eine Begründung
für die jüngsten Kursgewinne beim Bitcoin zu nennen. Sie sprachen unter anderem
von einem wachsenden Interesse institutioneller Investoren an der
Digitalwährung.

Anfang Mai kursierten Medienberichte, wonach der große amerikanische
Vermögensverwalter Fidelity künftig den Handel mit Bitcoins anbieten könnte.
Außerdem wurde einmal mehr spekuliert, dass der Online-Riese Amazon für die
Bezahlung der Waren künftig auch Bitcoins akzeptieren könnte.

Während des Höhenflugs im Mai hatten Analysten mehrfach auf die Gefahr eines starken Rückschlags hingewiesen. Bereits zuvor wurde immer wieder vor den
erheblichen Risiken bei Anlagen in Digitalwährungen gewarnt. Die Grundidee des
2009 zu Zeiten der Finanzkrise gestarteten Bitcoins ist ein weitgehend anonymer
Zahlungsverkehr, der nahezu ohne Aufsicht von Regierungen und Banken
funktioniert.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN

Craig Erlam, Analyst beim Devisenhändler Oanda, sieht keinen stichhaltigen
Grund für die Kursgewinne im Mai. "Es gibt keinen Mangel an Erklärungen für den
jüngsten Höhenflug des Bitcoin, eine lächerlicher als die andere", sagte der
Experte. Nach Einschätzung von Erlam sei keine der genannten Begründungen "nur
annähernd ausreichend, um das Ausmaß der jüngsten Kursgewinne zu erklären."

Der Erklärungsversuch, wonach der große amerikanische Vermögensverwalter
Fidelity künftig den Handel mit Bitcoins anbieten will, sei zwar "offenbar
interessant", räumte Erlam ein. Allerdings sei der Kursanstieg mit einiger
zeitlichen Verzögerung erfolgt. Der Experte sieht die stärkste Antriebsfeder
vielmehr in der Angst einiger Investoren etwas zu verpassen.

Devisenexperte Manuel Andersch von der BayernLB erkannte ein Muster in den
jüngsten Kursbewegungen. "Der Preis steigt rapide an, woraufhin ein Einbruch
folgt, am Ende stabilisiert sich der Preis auf einem Niveau über dem
Ausgangspunkt", fasste Andersch seine Beobachtungen des Kursverlaufs der
vergangenen Jahre zusammen. Mehrfach sei der Bitcoin bereits für tot erklärt
worden, sagte der BayernLB-Experte. Aber die jüngste Entwicklung habe gezeigt:
"Allen Unkenrufen zum Trotz läuft das Bitcoin-Netzwerk."/jkr/jsl/he
Name WKN Börse Kurs Datum/Zeit Diff. Diff. % Geld Brief Erster Schluss
BTC/CHF - Forex vwd 10.575,9500 25.06.19 09:40:20 +764,0050 +7,79% 10.570,6000 10.581,3000 10.575,9500 10.575,9500
BTC/EUR - Forex vwd 9.527,9200 25.06.19 09:40:20 +688,7000 +7,79% 9.523,3800 9.532,4600 9.527,9200 9.527,9200
BTC/USD - Forex vwd 12.454,5750 26.06.19 07:33:43 +903,0800 +7,82% 12.322,6700 12.586,4800 11.551,9950 11.551,4950

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