04.11.2026 14:54:14 - dpa-AFX: ROUNDUP 2: IG-Metall-Chefin verlangt höheres Angebot der Arbeitgeber
(Neu: Konkrete Teilnehmerzahl mehr als 100.000 für Mittwoch)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Im Tarifkonflikt der deutschen Metall- und
Elektroindustrie hat die Chefin der IG Metall, Christiane Benner, die
Arbeitgeber zu einem verbesserten Angebot aufgefordert. Vor dem Start der
dritten Verhandlungsrunde an diesem Donnerstag (5. November) sagte sie im
Interview mit dem Magazin "Der Spiegel": "Ich hoffe, dass Arbeitgeber dazu in
der Lage sind, bis dahin ein Angebot vorzulegen, über das unsere Kollegen
überhaupt mit ihnen sprechen können. Wir erwarten auch verbindliche Antworten
zur Beschäftigungs- und Zukunftssicherung. Oder kurz: ein Bekenntnis zum
Standort und den Beschäftigten."
Die erste Offerte der Arbeitgeber mit einer konditionierten Einmalzahlung im
kommenden Jahr und einer Stufenerhöhung von 1,3 Prozent im Juli 2028 bezeichnete
die Gewerkschafterin als "Zumutung". Sie nehme auch in den Betrieben mit
schwieriger wirtschaftlicher Lage eine "kämpferische Stimmung" wahr. "Die Leute
machen sich Gedanken, wie es mit ihnen, ihren Kindern, deren Ausbildung, mit den
steigenden Kosten weitergeht. In vielen Betrieben haben die Arbeitnehmer bereits
einen Beitrag durch Verzicht geleistet, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten. Da
reden wir über Milliardenbeträge. Jetzt wollen sie nicht noch mit
Tarifabschlüssen unter der Inflationsrate abgespeist werden."
Warnstreiks laufen weiter
Benner warnte die Arbeitgeber vor Angriffen auf die 35-Stunden-Woche. Sie
habe eine hohe symbolische Bedeutung für die Menschen. Zudem sei der Streit
unnötig, weil die Beschäftigten bereits flexibel arbeiteten.
Seit dem Ende der Friedenspflicht am Sonntag hat die IG Metall viele
zehntausend Beschäftigte zu kurzfristigen Warnstreiks aufgerufen. Allein am
Mittwoch beteiligten sich nach Angaben des Gewerkschaftsvorstands mehr als
100.000 Beschäftigte an den Protesten in 460 Betrieben. Für Donnerstag sind
Schwerpunkte in Baden-Württemberg sowie in den Tarifgebieten Mitte und Küste
geplant. Als nächste Eskalationsstufe könnte die Gewerkschaft zu ganztägigen
Warnstreiks aufrufen und dafür ihren Mitgliedern auch Streikgeld auszahlen. In
der deutschen Metall- und Elektroindustrie arbeiten rund 3,7 Millionen Menschen.
Sie umfasst wichtige Industriesparten wie Auto, Maschinenbau, Elektro und
Metallerzeugung.
Forderung und Angebot
Die IG Metall fordert für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie
im fünf Prozent mehr Geld. Zudem will man über die Sicherung von Arbeitsplätzen
und Standorten verhandeln und eine Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in
profitablen Firmen erreichen.
Die Arbeitgeber boten bislang eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent
des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts im Juli 2027. Die
Zahlung könne allerdings von Firmen mit geringer Profitabilität verschoben und
gegebenenfalls gestrichen werden können, hieß es. Eine Entgelterhöhung von 1,3
Prozent soll es dann ab Juli 2028 geben. Der Tarifvertrag soll bis Ende 2028
gelten.
Gesamtmetall nennt Forderung "unverantwortlich"
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat angesichts der Kostenstruktur vor
dem Abbau mehrerer Hunderttausend Jobs gewarnt. "Seit 2019 hat die
Deindustrialisierung allein in der Metall- und Elektro-Industrie 350.000
Arbeitsplätze gekostet", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Oliver
Zander, der "Bild"-Zeitung. "Angesichts der Unterauslastung sind weitere 300.000
Arbeitsplätze allein in der M+E-Industrie in den nächsten zwei bis drei Jahren
bedroht."
Zander warnte die IG Metall, angesichts der sich weiter verschlechternden
Lage zu einer Eskalation des Tarifkonflikts beizutragen. "Die Lage ist
katastrophal, die Unternehmen kämpfen vielfach um das Überleben und eine
Besserung ist nicht in Sicht", sagte er. "Die IG Metall-Forderung von fünf
Prozent für zwölf Monate ist deshalb unverantwortlich."/ceb/DP/mis