31.10.2026 18:30:19 - dpa-AFX: ROUNDUP 2: Zehntausende bei Jugendprotesten - Zumeist friedliche Demos

BERLIN (dpa-AFX) - Mehrere Zehntausend Menschen haben sich in Deutschland
den bundesweiten Jugendprotesten angeschlossen. Zum Auftakt am frühen Nachmittag
kamen in mehreren Städten zunächst weniger Teilnehmer als angemeldet, die Zahlen
stiegen dann aber im weiteren Verlauf stark an. Vielerorts wurde ein friedlicher
Protestbeginn gemeldet, teils wurden aber Demonstrationen wegen Verstoßes gegen
das Vermummungsverbot gestoppt. Am Rande einiger Proteste wurden laut Polizei
zudem Feuerwerkskörper gezündet, in Hamburg Barrikaden in Brand gesetzt.

Zu den friedlichen Demonstrationen in mehr als 30 deutschen Städten hat die
Initiative "Gen Z regelt" aufgerufen. Sie fordert mehr Geld für Schulen,
Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten,
für soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Eine Wehrpflicht lehnt sie ab,
ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung.

Die Initiative "Gen Z regelt" sprach nach Rückmeldung aus zunächst 12
Städten am späten Nachmittag von insgesamt mehr als 68.000 Teilnehmern.
Bundesweite Zahlen der Polizei lagen zunächst nicht vor, in einigen Städten
fielen sie aber niedriger aus als die Angaben der Veranstalter.

Wie viele Menschen am Ende zu den angemeldeten Demos in 34 Städten kommen,
war offen. Auf der Homepage von "Gen Z regelt" konnte man mit einem einfachen
Mausklick angeben, dabei sein zu wollen. Das hatten bis 16.30 Uhr zwar mehr als
183.900 Menschen gemacht. Die in den Städten offiziell angemeldeten erwarteten
Teilnehmerzahlen sind allerdings deutlich niedriger.

Demonstranten in Hamburg zünden Barrikaden an

In Hamburg gingen laut Polizei in der Spitze rund 6.700 Menschen gemeinsam
auf die Straße. Im Verlauf der Demonstration rissen schwarz gekleidete und teils
vermummte Menschen Baustellenabsperrungen aus ihren Verankerungen und warfen sie
auf die Straße, später wurden die Teile auch angezündet. Die Polizei schritt
ein, trieb die Menge wieder auseinander und setzte teils auch Pfefferspray gegen
die Demonstrierenden ein. Das Feuer wurde schließlich mithilfe eines
Wasserwerfers gelöscht.

Kölner Demo wegen Vermummung kurzfristig abgesagt

In Köln sagte die Polizei wegen der Vermummung einiger Teilnehmer und des
Einsatzes von Pyrotechnik den Demonstrationszug kurzfristig ab. "Die Demo wird
als Standkundgebung weitergehen", sagte eine Polizeisprecherin. Auch in
Frankfurt/Main wurde der Demozug teils gestoppt wegen Pyrotechnik und vermummter
Teilnehmer. In Stuttgart hat die Polizei die Demonstration mehrfach angehalten -
weil Demonstranten von der offiziellen Route abwichen, sich vermummten und
Pyrotechnik zündeten.

Aufruf zu friedlichem Protest

Die Organisatoren von "Gen Z regelt" riefen ausdrücklich zu friedlichem
Protest auf und lehnen jede Form von Gewalt ab. Auf ihrer Website machten sie
deutlich, dass sie keine extremistischen Gruppen und verfassungsfeindliche
Symbole bei ihren Demonstrationen haben wollen. Bei Protesten vor allem in
Frankreich war es zu Ausschreitungen mit Gewalt, Plünderungen und Brandstiftung
gekommen.

Aus Angst vor Ausschreitungen hatten viele Einzelhändler in den Innenstädten und vor allem in Luxus-Einkaufsstraßen größerer Städte vorsorglich ihre
Schaufenster mit Holzplatten verbarrikadiert. Die Polizei war teils mit mehreren
Hundertschaften im Einsatz sein, um Präsenz zu zeigen.

Die Demonstrationen in Berlin, Köln, Frankfurt und München wurden von einem
Organisationsteam um "Gen Z regelt" betreut. Bei den anderen Orten hat sich
dieses als nicht zuständig für Inhalt und Organisation erklärt, weist auf seiner
Website aber auf diese Veranstaltungen hin und ruft zur Teilnahme auf.

Organisatoren enttäuscht über Debatte um Gewalt

Die Sicherheitsbehörden des Bundes hatten vor den Demonstrationen keine
weitergehenden Erkenntnisse zu Gewaltaufrufen oder geplanten gewalttätigen
Ausschreitungen bei den geplanten Protesten. Gleichwohl griffen auch "Teile der
linksextremistischen Szene sowie vereinzelt Gruppierungen aus dem
auslandsbezogenen Extremismus" die Aufrufe auf, um sich an der Mobilisierung zu
beteiligen, hatte eine Sprecherin des Innenministeriums zuvor gesagt.

Vertreter von "Gen Z regelt" hatten den starken Fokus auf die Sorge vor
Gewalt kritisiert. "Das zeigt ja, dass unser Punkt, dass wir nicht ernst
genommen werden und nicht gehört werden, auch stimmt. Denn keiner will sich mit
uns um die Inhalte kümmern, sondern es ist immer nur das Thema Gewalt auf der
Agenda", hatte einer der Organisatoren gesagt.

Verständnis bei Grünen und Linken, AfD sieht Gefahren

Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Katharina Dröge, versteht den Ärger junger Menschen. "Junge Menschen sind zu Recht wütend, weil die Bundesregierung
ihre Anliegen nicht ernst genug nimmt und ihnen Antworten darauf schuldig
bleibt, wie sie ihre Zukunft gestalten können", sagte sie der Deutschen
Presse-Agentur.

Die Linke unterstützt die Proteste. Parteichef Luigi Pantisano betonte, es
sei die richtige Zeit für Proteste, verwies auf geplante Reformen der
Bundesregierung bei Pflege und Rente und sprach von "sozialen Grausamkeiten".
AfD-Chefin Alice Weidel warnte hingegen vor einer Vereinnahmung durch
Extremisten.

Die SPD im Bundestag macht sich für einen nationalen Bildungsgipfel stark.
"Das Recht auf eine gute Bildung und Ausbildung ist ein Schwerpunkt der Proteste
und ein Bereich, in dem wir die Pflicht haben, jetzt auch schnell zu handeln",
s0 Fraktionsvize Dagmar Schmidt./sl/DP/zb

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