21.10.2026 14:37:42 - dpa-AFX: ROUNDUP/WMO: beispiellos starker El Niño - Schock für Weltwirtschaft
GENF (dpa-AFX) - Die Welt muss sich nach UN-Angaben auf ein Wetterphänomen
El Niño von beispielloser Stärke und womöglich verheerende Folgen einstellen.
Die Wassertemperaturen im tropischen Pazifik seien in den vergangenen 40 Jahren,
seit es systematische Messungen gibt, noch nie so hoch gewesen, sagte die
Generalsekretärin der Weltwetterorganisation (WMO), Celeste Saulo, in Genf.
Es drohten erhebliche Konsequenzen, warnte sie. Je nach Weltregion ist
einerseits mit starken Dürren und andererseits heftigen Regenfällen und
Überschwemmungen und besonders starker Hitze zu rechnen. Das liegt daran, dass
das alle paar Jahre natürlich auftretende Phänomen, das mit der Erwärmung des
Oberflächenwassers im Pazifik beginnt, das Wetter weltweit beeinflusst. In der
Region steigt dann warme, feuchte Luft auf, was die weltweiten Wind- und
Luftströmungen verändert. Europa ist von den Auswirkungen weniger betroffen.
Schocks für Weltwirtschaft und Migrationsdruck
"Die Schäden werden nicht auf die Länder beschränkt bleiben, die unmittelbar
von diesem El Niño betroffen sind", warnte der UN-Nothilfekoordinator Tom
Fletcher. "Sie werden wirtschaftliche Schocks für die Weltwirtschaft auslösen
und zu weiteren Konflikten, Vertreibungen und Migration führen."
Die Meerestemperatur im Pazifik könnte nach den Modellrechnungen von
November bis Januar 3,8 Grad über dem langjährigen Mittel erreichen, sagte
Saulo. Die bislang höchste Abweichung habe bei etwa drei Grad gelegen. Von einem
El Niño werde bereits ab 0,5 Grad über normal gesprochen. Der Höhepunkt wird im
Dezember 2026 erwartet.
Dürren und Überschwemmungen
Nach Angaben der WMO drohen unter anderem in Ostafrika und Teilen
Zentralamerikas Dürren. Dagegen müssen das südliche Afrika, Teile Südostasiens
und der Nordwesten Nordamerikas sowie die westliche Seite Südamerikas mit
heftigeren Regenfällen rechnen.
Saulo und Fletcher forderten dringend Vorbereitungen, damit den Betroffenen,
die in vielen Weltregionen bereits durch Konflikte und Armut schwer getroffen
sind, schnell geholfen werden kann.
In Resilienz investieren
"Die Entscheidung liegt also auf der Hand", sagte Fletcher. "Wir können auf
eine Katastrophe warten oder in Resilienz investieren. Wir können El Niño nicht
verhindern. Aber wir können die vor uns liegenden Herausforderungen ernst
nehmen. Und wir können kreativ und großzügig sein, wenn es darum geht, uns
darauf vorzubereiten."/oe/DP/mis