21.10.2026 14:26:02 - dpa-AFX: Gravierende Sicherheitslücke bedroht weltweit Webseiten
BERLIN (dpa-AFX) - Eine neu entdeckte, schwerwiegende Sicherheitslücke
bringt weltweit das Fundament zahlreicher Webseiten und Onlinedienste ins
Wanken. Betroffen ist die weit verbreitete Programmiersprache PHP, auf der ein
Großteil des gesamten Internets basiert - von einfachen Blogs über große
Nachrichtenportale bis hin zu komplexen Onlineshops und
Content-Management-Systemen wie WordPress.
Wie unter anderem das IT-Sicherheitsunternehmen Huntress, das Computer
Emergency Response Team des Bundes (CERT) sowie das offizielle
PHP-Sicherheitsteam berichten, handelt es sich um eine akute Notfallsituation,
die Betreiber von Internetseiten in aller Welt zu schnellem Handeln zwingt.
Gefährlicher Fehler ermöglicht vollständige Übernahme
Unter dem Namen "PHP2Shell" warnen Sicherheitsexperten vor gleich zwei
kritischen Schwachstellen im Kern der Programmiersprache, die unter den
offiziellen Registriernummern CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619 geführt
werden. Das Gefahrenpotenzial dieser Lücken ist demnach extrem hoch: Kriminelle
Akteure können die Schwachstelle ausnutzen, um aus der Ferne eigenen Schadcode
auf den betroffenen Servern auszuführen.
In der Praxis ermöglicht dies Angreifern, die vollständige Kontrolle über
eine Website zu übernehmen, sensible Kundendaten abzugreifen oder die
Infrastruktur für weitere Cyberattacken zu missbrauchen.
Da detaillierte Informationen zur Schwachstelle unbeabsichtigt vorab an die
Öffentlichkeit gelangten, steht die gesamte globale IT-Branche unter erheblichem
Zeitdruck. Branchenexperten befürchten, dass Kriminelle bereits in Kürze
automatisierte Skripte einsetzen werden, um im großen Stil ungeschützte Server
im Internet aufzuspüren und anzugreifen.
Kommunen ziehen vorsorglich den Stecker
Die akute Bedrohungslage zeigt bereits konkrete Auswirkungen im öffentlichen
Leben. Erste Kommunen, Behörden, Universitäten und Krankenhäuser haben auf die
Warnungen der Sicherheitsbehörden reagiert und ihre Online-Angebote kurzfristig
vom Netz genommen, um möglichen Angriffen zuvorzukommen.
So hat beispielsweise die Landeshauptstadt Mainz nach einer Warnung des
Bundes vorsorglich mehrere städtische Internetdienste und ihr zentrales
Webportal mainz.de vorübergehend abgeschaltet. Wie die Stadtverwaltung
mitteilte, bleiben die Ämter und Bürgerbüros telefonisch und per E-Mail
weiterhin erreichbar, und auch bereits vereinbarte Termine finden wie geplant
statt. Die vorsorgliche Abschaltung betreffe allein den externen
Internetauftritt, um eine Kompromittierung der dahinterliegenden Systeme zu
verhindern.
Verhaltensregeln für Seitenbetreiber und Nutzer
Für Betreiber von Webseiten, Onlineshops und digitalen
Unternehmensplattformen gilt derzeit höchste Alarmbereitschaft. IT-Experten
raten dringend dazu, sich unverzüglich mit den zuständigen
Systemadministratoren, IT-Dienstleistern oder Webhosting-Anbietern in Verbindung
zu setzen. Bereitgestellte Sicherheitsupdates für die PHP-Umgebung sowie für
genutzte Systeme müssten ohne jeden Verzug eingespielt werden.
Für normale Internetnutzer besteht beim alltäglichen Surfen auf dem
Smartphone oder PC zwar kein direkter Handlungsbedarf, da sich die
Sicherheitslücke nicht auf den Endgeräten der Anwender befindet, sondern auf den
Servern im Hintergrund. Dennoch können Verbraucher indirekt betroffen sein -
etwa durch vorübergehende Ausfälle von Onlinediensten oder potenzielle
Datenabflüsse auf nicht rechtzeitig geschützten Webseiten.
Die Entwickler der Programmiersprache sowie Hosting-Anbieter weltweit
arbeiten derzeit rund um die Uhr daran, korrigierte Softwareversionen
bereitzustellen und zu verteilen. IT-Sicherheitsfachleute betonen nachdrücklich,
dass es sich bei diesem Vorfall ausdrücklich nicht um Routineupdates handelt,
sondern um eine der gravierendsten Sicherheitslagen der letzten
Jahre./chd/DP/mis