17.10.2026 19:00:23 - dpa-AFX: ROUNDUP 2: Schwere Krawalle bei frankreichweiten Protesten
PARIS (dpa-AFX) - An einem frankreichweiten Protesttag gegen hohe
Lebenshaltungskosten ist es in Paris und anderen Städten zu schweren
Ausschreitungen, Plünderungen und zahlreichen Festnahmen gekommen. Wie das
Innenministerium mitteilte, hätten in Paris mehrere unkontrollierte
Demonstrationszüge versucht, sich auf staatliche Behörden zuzubewegen. Die
Ordnungskräfte griffen systematisch ein, um diese Bewegungen zu verhindern und
die institutionellen Standorte zu sichern. Bis zum Nachmittag kam es landesweit
bereits zu 272 Festnahmen.
Wie das Innenministerium mitteilte, bleibe die Polizei in hoher
Bereitschaft, um gewalttätige Gruppen einzudämmen, öffentliche Gebäude zu
schützen und Plünderungen zu verhindern. Schon am Vormittag waren Einsatzkräfte
in Paris, Lyon, Straßburg und anderen Großstädten mit Tränengas und
Schlagstöcken gegen Protestierende vorgegangen. Auch Wasserwerfer kamen zum
Einsatz.
Plünderungen und Brandstiftungen
In Marseille versuchten Demonstranten demnach, in eine Polizeiwache
einzudringen, verschafften sich Zugang zum Rathaus und plünderten Geschäfte. In
Lyon wurde die Touristeninformation in Brand gesetzt und es gab
Sachbeschädigungen an Geschäften. Die Feuerwehr wurde nach Angaben des
Innenministeriums von Randalierern am Eingreifen gehindert. In Avignon drangen
Randalierer in den Innenhof der Präfektur ein und in Grenoble gab es
Sachbeschädigungen am Rathaus.
Rund 100 Menschen wurden nach Angaben der Pariser Polizeipräfektur in der
Hauptstadt festgenommen, weil sie Waffen und andere verbotene Gegenstände
dabeihatten.
Dem schon seit längerem angekündigten Protesttag schlossen sich verschiedene
Gruppierungen an, darunter Schüler und Studenten, die seit Wochen für bessere
Lernbedingungen demonstrieren. Bei dem Protestaufruf, der keiner Organisation
klar zuzuordnen ist und der über die sozialen Medien verbreitet wurde, ging es
auch um hohe Spritpreise, niedrige Löhne, die große Zahl von zu Niedriglöhnen
Beschäftigten sowie Probleme der Landwirtschaft und der Feuerwehr.
Sorge vor neuem Gelbwestenprotest
Außerdem gab es im Internet einen Aufruf mit unklarem Urheber zu einer
Neuauflage der sogenannten Gelbwestenbewegung. Die Sorge der Regierung ist, dass
die Demonstrationen tatsächlich zu einem zündenden Funken für solche breiteren
Proteste werden. Der Gelbwestenprotest, der so heißt, weil viele der Beteiligten
gelbe Warnwesten trugen, hatte Frankreich 2019 längere Zeit in Atem gehalten und
sich quasi wie ein Flächenbrand aus dem Nichts verbreitet.
Auslöser war damals eine geplante Erhöhung der Steuern auf Kraftstoffe.
Daraus entstand rasch eine breitere Bewegung gegen hohe Lebenshaltungskosten und
soziale Ungerechtigkeit, die Präsident Emmanuel Macron während seiner ersten
Amtszeit schwer zu schaffen machte.
Frankreichweit wurde am Samstag mit bis zu 170.000 Protestierenden
gerechnet, davon zwischen 30.000 und 60.000 in Paris. Es kam zu hunderten
lokalen Protestaktionen und zahlreichen Demonstrationszügen in Paris und anderen
Städten. Die Gewerkschaft CGT sprach gegen Abend von 500.000 Teilnehmern
landesweit, Zahlen der Behörden gab es noch nicht. Macron hatte die Menschen am
Vorabend ermahnt, friedlich zu protestieren.
Gewalttätige Übergriffe durch Vermummte
Wie es aus dem Innenministerium hieß, gab es bei den Protesten eine sehr
starke Mobilisierung der ultralinken Szene, die einzig und allein darauf aus
sei, Unruhe zu stiften. Es habe gezielte, gewalttätige Übergriffe durch zu
schwarzen Blöcken zusammengeschlossene vermummte Personen gegeben, insbesondere
in Paris, Marseille, Rennes, Toulouse und Angers. Laut Ministerium kam es auch
zu gezielten Angriffen auf Medien. Rund 100 Vermummte blockierten in Paris den
Zugang zum rechten TV-Sender CNews, wie Medien berichteten./evs/DP/zb