10.10.2026 12:30:03 - dpa-AFX: PORTRÄT/Ex-ZDF-Chefredakteur Bresser tot: Ein großer Fragensteller

BERLIN/MAINZ (dpa-AFX) - Klaus Bresser zählte zu den prägenden Figuren des
deutschen Nachrichtenjournalismus. Helmut Schmidt, Otto Graf Lambsdorff, Gerhard
Schröder, Franz Josef Strauß - Bresser hatte sie alle vor der Kamera. Helmut
Kohl erzählte ihm von den zwei Millionen Mark, die an der CDU-Parteikasse
vorbeiflossen.

Nun ist der frühere ZDF-Chefredakteur tot. Er starb bereits am Mittwoch im
Alter von 90 Jahren in Berlin, wie das ZDF mitteilte. Bresser war von 1988 bis
2000 Chefredakteur des Senders. "Wir trauern um einen entschiedenen Verfechter
des öffentlich-rechtlichen Informationsauftrags", betonte Intendant Norbert
Himmler. "Klaus Bresser hat das journalistische Profil des ZDF nachhaltig
geprägt und stand stets für Unabhängigkeit und fairen Umgang."

Über viele Jahre stellte Bresser bei der von ihm etablierten politischen
Interview-Reihe "Was nun, ...?", zusammen mit verschiedenen Co- Moderatoren, und
bei Interviews im "heute journal" die Fragen. Wie er Politikern auf den Zahn
fühlen konnte - das mache ihn zu "einem der großen Fragensteller des Landes",
sagte der ehemalige n-tv-Chef Helmut Brandstätter über ihn.

"Wer die Welt so beschreibt, wie sie ist, auch der verändert sie"

Dabei brauchte er weder Pathos noch Lautstärke. "Hartnäckig nachfragen, sich nicht zufriedengeben mit Antworten, die nichts besagen, vor allem aber mit
Antworten, die mit den Fragen gar nichts zu tun haben, dann immer wieder
nachfragen, nachhaken, es wissen wollen." So beschrieb Bresser seinen
journalistischen Anspruch. Über seinen Beruf sagte er einst: "Ich hätte nie
etwas anderes werden können als Journalist". Sein Lebensmotto: "Wer die Welt so
beschreibt, wie sie ist, auch der verändert sie."

Geboren wurde Bresser 1936 in Berlin, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges
flüchtete seine Familie nach Aachen. Bereits im Alter von zwölf Jahren gibt er
die handgeschriebene Zeitung "Der Kurier" heraus. Verwandte und Freunde können
sich zum Preis von einer Mark wöchentlich über das Neueste informieren. "Ich
habe es schon immer interessant gefunden, Nachrichten für andere aufzubereiten",
sagte Bresser vor seinem 70. Geburtstag.

Als 15-Jähriger schreibt er für die "Aachener Volkszeitung" und die
"Aachener Nachrichten". Neben seinem Studium der Germanistik, Soziologie und
Theaterwissenschaften in Köln volontierte er ab 1958 beim "Kölner
Stadt-Anzeiger". 1962 wurde er Chefreporter und begleitete unter anderem
Staatsmänner wie Charles de Gaulle, John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow auf
ihren Reisen.

Mitte der 1960er Jahre zieht es Bresser dann zum noch jungen Medium
Fernsehen, er wechselt als Redakteur zum WDR, wo er 1971 die Leitung des
Politik-Magazins "Monitor" übernimmt. Zwei Jahre später wird er Leiter der
aktuellen Redaktion, macht Wahlsendungen und den "Brennpunkt". Er entwickelt
auch das "Tagesthema", den Vorläufer der heutigen "Tagesthemen" im Ersten.

Als Chefredakteur erhöht Bresser den Nachrichtenanteil beim ZDF

Mit dem Wechsel zum ZDF Ende der 70er Jahre folgt Bressers nächste Station,
die prägendste in seiner Karriere. Er ist wesentlich an der Konzeption des
"heute journals" beteiligt, wird Moderator und später Leiter des Magazins.

Und dann Chefredakteur vom ZDF. Seine Amtszeit fällt in eine Zeit epochaler
Umwälzungen: der Fall der Berliner Mauer, die deutsche Wiedervereinigung und der
aufkommende Wettbewerb durch das Privatfernsehen.

Bresser baut den Informationsanteil des zuvor als Unterhaltungssender
abgestempelten ZDF auf mehr als 40 Prozent aus, um das Profil gegenüber den
privaten Kanälen zu schärfen. Unter seiner Ägide wurden etwa das
"Morgenmagazin", "Mittagsmagazin" und neue Formate wie "Frontal" und "Bonn
direkt" eingeführt und die Zahl der täglichen Nachrichtensendungen erhöht. Auch
"Maybrit Illner" geht auf seine Initiative zurück.

Im April 2000 endet Bressers Amtszeit als ZDF-Chefredakteur, er bleibt
jedoch zunächst Moderator bei "Was nun, ...?". Zwei Jahre später wechselt er zum
Privatsender n-tv und übernimmt die Interviewsendung "Talk in Berlin" von Erich
Böhme, bei der er bis Ende November 2003 die Fragen stellt.

"Im Zweifel bin ich für Qualität und Anspruch"

Für seine Arbeit wurde Bresser vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, der Goldenen Kamera, dem
Herbert-Quandt-Medien-Preis und dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz.

Auch als er nicht mehr im Rampenlicht steht, besucht er weiter
Veranstaltungen von Regierung, Botschaften und Stiftungen - häufig in Begleitung
seiner Frau Evelyn, die im März starb. "Ich lebe in Berlin, weil hier die Musik
spielt - politisch, gesellschaftlich, kulturell", sagte er der Deutschen
Presse-Agentur vor seinem 80. Geburtstag. Sein Wahlmedium Fernsehen lag ihm da
immer noch am Herzen.

"Ich wünsche mir ein Fernsehen, in dem das Leichte nicht das Schwierige
ersetzt. Ablenkungen nicht Ansprüche verdrängen, Zerstreuung nicht Aufklärung",
antwortet er auf die Frage, was er sich zum Geburtstag wünscht. Das Fernsehen
dürfe dem Zuschauer ruhig etwas zumuten. "Im Zweifel bin ich für Qualität und
Anspruch."/kat/DP/zb

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