07.10.2026 13:35:02 - dpa-AFX: POLITIK/ROUNDUP 2: Israel erinnert an Hamas-Massaker - Rufe nach Untersuchung

(Neu: Der Text wurde mit einem Bericht aktualisiert, wonach ein
Palästinenser bei einem Angriff von Siedlern und Soldaten im Westjordanland
getötet wurde.)

TEL AVIV/JERUSALEM (dpa-AFX) - Drei Jahre nach dem Massaker der Hamas im
Süden Israels hat das Land der Opfer des Terrorangriffs gedacht. Präsident
Izchak Herzog entzündete um 6.29 Uhr Ortszeit in seiner Residenz in Jerusalem
eine Kerze in Erinnerung an die Toten und Verletzten. Um diese Zeit begann am 7.
Oktober 2023 der Überfall, bei dem rund 1.200 Menschen getötet wurden. "Drei
Jahre seit diesem schrecklichen Morgen, drei Jahre Schmerz, Verlust und
Erinnerung, die nicht ausgelöscht wird", schrieb er auf der Plattform X.

In mehreren Städten forderten Demonstranten eine staatliche
Untersuchungskommission zu dem Überfall. Der Gedenktag fällt zudem in die heiße
Phase des Wahlkampfs: In drei Wochen wählen die Israelis erstmals seit dem
Massaker wieder ein Parlament.

Merz: "Deutschland steht fest an der Seite Israels."

In Deutschland waren für den Jahrestag ebenfalls Gedenkveranstaltungen
geplant. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betonte Deutschlands Unterstützung
für Israel. "Deutschland steht fest an der Seite Israels. Unsere israelischen
Freunde können auf unseren Einsatz zählen, damit sich ein solches Verbrechen
niemals wiederholt", sagte der Kanzler laut einer Mitteilung. "Wir stehen für
die Sicherheit und Existenz Israels ein - das ist Lehre aus der Schoah und Teil
deutscher Identität."

Auch EU-Spitzen zeigten ihre Solidarität mit Israel. "Die EU steht all jenen zur Seite, deren Leben sich durch diesen Tag für immer verändert hat", schrieb
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Plattform X. "Die
unbeschreibliche Grausamkeit und der Terror des 7. Oktober dürfen sich niemals
wiederholen." Die EU sei weiterhin bereit, dazu beizutragen, dass aus dem
derzeitigen fragilen Waffenstillstand ein dauerhafter Frieden auf der Grundlage
einer Zwei-Staaten-Lösung werde.

Trauernde kamen auf das Gelände des Nova-Musikfestivals

An zahlreichen Orten in Israel erinnerten die Menschen an die Opfer vom 7.
Oktober 2023. Trauernde kamen auch auf das Gelände des Nova-Musikfestivals in
der Nähe des Kibbuz Reim, um ihrer getöteten Angehörigen und Freunden zu
gedenken. An der zentralen Gedenkfeier am Abend in einem Park in Tel Aviv sollen
rund 50.000 Menschen teilnehmen, wie das israelische Radio berichtete.

Demonstranten kritisierten, dass es bisher keine umfassende Aufarbeitung
seitens der Regierung zu der Frage gibt, wie es zu dem traumatischen Überfall
kommen konnte und welche Fehler im Sicherheitsapparat und der Politik gemacht
wurden. Sie versammelten sich nach Medienberichten unter anderem vor der
Residenz von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dem israelischen
Parlament, der Knesset, in Jerusalem. Laut der Zeitung "Times of Israel"
blockierten Protestierende zudem kurzzeitig die Stadtautobahn bei Tel Aviv.

Kritiker werfen Netanjahu vor, keine Verantwortung zu übernehmen

Kritiker werfen Netanjahu und seiner Koalition vor, keine persönliche
Verantwortung für das politische und militärische Versagen während des
Hamas-Terrorüberfalls zu übernehmen. Laut Meinungsumfragen können bei der
wegweisenden Wahl in drei Wochen weder das Lager von Netanjahu noch das seiner
Gegner mit einer absoluten Mehrheit rechnen.

Bei dem Überfall am 7. Oktober 2023 wurden auch 251 Menschen als Geiseln in
den Gazastreifen verschleppt. In dem auf den Überfall folgenden Krieg wurden
nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen
mehr als 74.000 Palästinenser getötet. Sie unterscheidet dabei nicht zwischen
Zivilisten und Kämpfern.

Israels Militär hat seither 100.000 Ziele in der Region angegriffen

Radikale Siedler und israelische Soldaten griffen am Jahrestag nach
palästinensischen Angaben im Westjordanland ein Dorf nahe Nablus an. Dabei sei
ein 44-jähriger Palästinenser getötet, 16 weitere seien in Burka verletzt
worden, teilte das Gesundheitsministerium in Ramallah mit. Die israelische Armee
äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht. Die Lage im von Israel besetzten
Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker und dem dadurch ausgelösten
Gaza-Krieg noch einmal verschärft.

In den vergangenen drei Jahren - seit Beginn des Krieges - haben die
israelischen Streitkräfte nach eigenen Angaben rund 100.000 Ziele in der Region
angegriffen. Davon seien 65.000 im Gazastreifen gewesen, 28.000 im Libanon und
in Syrien sowie 4.500 in Iran, berichtete das israelische Radio unter Berufung
auf das Militär. 970 israelische Soldaten seien in den vergangenen drei Jahren
im Dienst getötet worden./jak/DP/mis

© 2000-2026 DZ BANK AG. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen | Impressum
2026 Infront Financial Technology GmbH