23.09.2026 13:37:10 - dpa-AFX: POLITIK/Prüfer: IT-Zentrum hat Daten nicht ausreichend geschützt
BERLIN/SAARBRÜCKEN (dpa-AFX) - Das renommierte Forschungszentrum für
IT-Sicherheit Cispa in Saarbrücken hat nach Einschätzung externer Prüfer Daten
und Geschäftsgeheimnisse unzureichend geschützt und "mit risikobehafteten
Personen und Institutionen aus der Volksrepublik China kooperiert und
publiziert".
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) unterrichtete den
Forschungsausschuss des Bundestags über einen entsprechenden Bericht der
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, der seit Dienstag vorliegt.
Bericht: bedenklich intensive Zusammenarbeit mit China
Die Prüfung war nach Berichten über mögliche Sicherheitsmängel bei der
Zusammenarbeit mit China im Juni veranlasst worden. Das "Handelsblatt" hatte
berichtet, es gebe eine bedenklich intensive Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern
aus China, bei der sensible Daten und Know-how zu Themen wie KI und
Cybersicherheit in die Volksrepublik abgeflossen sein könnten.
In einer Forschungsgruppe zu Fragen von IT-Sicherheit, Datenschutz und KI
waren demnach 18 von 19 Mitgliedern chinesischer Herkunft. Eine andere
Forschungsgruppe zur Schnittstelle von maschinellem Lernen und Datenschutz
rekrutierte sich ausschließlich aus chinesischen Wissenschaftlern. Die Zeitung
verwies darauf, dass China seit 2017 seine Bürger per Gesetz dazu verpflichte,
bei Bedarf mit den Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten.
"Tür und Tor sperrangelweit offen" - Datenabfluss nicht bestätigt
In ihrem 400-seitigen Abschlussbericht, der in seiner Gesamtversion nach
Angaben Bärs nach rechtlicher Prüfung "zwingend als VS vertraulich eingestuft"
werden müsse - also nicht veröffentlicht wird
- kommen die Prüfer zu dem Schluss, dass der Abfluss
sicherheitsrelevanter Erkenntnisse weder bestätigt noch ausgeschlossen werden
könne. "VS" steht hier für "Verschlusssache". Die bei Cispa vorhandene Datenlage
lasse keine gesicherten Aussagen dazu zu.
Die Erkenntnisse über die Zugangsmöglichkeiten zum Forschungsnetzwerk des
Instituts zeigten aber, dass ein Abfluss sicherheitsrelevanter Erkenntnisse
jederzeit möglich war. "Bildlich gesprochen standen beim Forschungszentrum für
Informationssicherheit Tür und Tor sperrangelweit offen", sagte Bär.
Sie kündigte an, dass die Vertretung im Aufsichtsrat des Instituts künftig
durch ihr Ministerium wieder selbst wahrgenommen werde. Der Bericht werde jetzt
sorgfältig ausgewertet. Danach würden weitere notwendige Konsequenzen gezogen.
Der wissenschaftliche Geschäftsführer des Zentrums, Michael Backes, war bis zum
Abschluss der Untersuchung freigestellt worden. Zu ihm gab es zunächst keine
weiteren Informationen.
Schutzmaßnahmen unzureichend
Die Prüfer kritisieren nach Angaben Bärs in ihrem Bericht unzureichende
Schutzmaßnahmen vor einer möglichen Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen ins
Ausland. Die Geschäftsführung sei ihren Aufgaben bei Exportkontrolle,
Geheimnisschutz und Forschungssicherheit nicht hinreichend
nachgekommen./jr/DP/men