23.09.2026 13:35:41 - dpa-AFX: HINTERGRUND 2: Rechtsstreit um Online-Apotheke von dm - Fakten zum Mitreden

(neu: Nach Verhandlung überarbeitet.)

KARLSRUHE (dpa-AFX) - Kein ganzes Jahr nach dem Start muss die
Drogeriemarktkette dm ihre Online-Apotheke dm-med vor Gericht verteidigen. "Das
ist ein hart umkämpfter Markt", sagte der Vorsitzende Richter Steffen Wesche am
Landgericht Karlsruhe, das den Fall prüft. Die Details:

Was ist dm-med?

Kurz vor Weihnachten 2025 hat dm angefangen, nicht verschreibungs-, aber
apothekenpflichtige Medikamente wie manche Schmerzmittel online zu verkaufen.
Dafür hat das Karlsruher Unternehmen eigens eine Tochtergesellschaft in
Tschechien gegründet. Der Online-Shop dm-med ist über die dm-Homepage erreichbar
und wird dort als Partner bezeichnet.

Wie lautet die Kritik?

Die Wettbewerbszentrale, die unter anderem Spitzenverbände der deutschen
Wirtschaft vertritt, will die Online-Apotheke im Grunde verbieten lassen. Die
Anwälte verwiesen unter anderem auf Gesundheitsrisiken, wenn Medikamente etwa
falsch dosiert würden. Außerdem fehle Auswahl für Kunden.

Konkret soll dm es unterlassen, apothekenpflichtige Arzneimittel gegenüber
Endverbrauchern zum Kauf anzubieten und/oder zu verkaufen und/oder in den
Verkehr zu bringen. "Es geht um ein ganzes Geschäftsmodell", sagte Wesche.

Was entgegnet dm?

Das Unternehmen sieht sich mit dem Online-Auftritt rechtskonform
aufgestellt. Man müsse sich bis zur Unterseite dm-med durchklicken, es gebe zum
Beispiel getrennte Warenkörbe und Rechnungen, argumentierten die Anwälte. Auch
sehen sie keine größere Gefahr für die Gesundheit mangels Auswahl - und Kunden
könnten frei entscheiden, ob sie bei dm-med etwas bestellen.

Allerdings startete das Unternehmen Anfang dieses Monats eine bundesweite
Kommunikationskampagne, mit der es deutlich machen will, "wie einfach sich
Drogerieartikel von dm und Apothekenprodukte von dm-med in nur einem
Bestellvorgang gemeinsam digital einkaufen lassen". Der Claim: "Alles zusammen.
Einfach bestellt".

Was prüft das Gericht?

Es gehe darum, ob dm-med eher eine Ecke in einer Drogerie sei - was verboten wäre, sagte Wesche. Oder ob es sich um eine Apotheke handle, die mit einer
Drogerie zusammenarbeite. Dabei spiele eine Rolle, wie der Gesamteindruck auf
Kundschaft wirke. Diese komme auf der dm-Homepage im Vergleich zu Plattformen
wie Amazon nur zu einer Apotheke - auch das schaut sich die
Kammer an.

Wann urteilt das Gericht?

Das ist für 9. Dezember geplant. Weil die Thematik aber noch nicht
höchstrichterlich geklärt ist, dürfte das Verfahren durch die Instanzen bis zum
Bundesgerichtshof (BGH) gehen.

Wie groß ist das Interesse an dm-med?

Die bisherige Nutzung entspricht laut dm den Erwartungen. Ein Viertel der
dm-med-Kundschaft bestelle rein aus diesem Sortiment. Die restlichen 75 Prozent
hätten bei einem Einkauf auch andere Drogerieartikel im Warenkorb. Welchen
Anteil am Umsatz dm-med ausmacht, teilte das Unternehmen nicht mit. Deutlich
überwiegend seien nach wie vor reine Drogerie-Einkäufe - also ohne Produkte aus
dem Sortiment von dm-med.

Generell werden Medikamente immer häufiger im Internet gekauft.
Online-Apotheken wie Redcare Pharmacy (früher Shop Apotheke) und
DocMorris verzeichnen eine steigende Nachfrage. Die Kategorie
Medikament zählte im vergangenen Jahr zu den Gewinnern im Online-Handel. Der
Umsatz stieg in Deutschland um sechs Prozent, wie der Bundesverband E-Commerce
und Versandhandel mitteilte. Ein wichtiger Grund für den Zuwachs ist das 2024
eingeführte E-Rezept.

Welche Pläne hat dm?

Die Karlsruher prüfen, das Angebot auszuweiten. So werden in Deutschland
auch Tierarzneimittel in Apotheken verkauft. "Hierzu haben uns viele Anfragen
erreicht", sagte Geschäftsführer Marketing + Beschaffung, Sebastian Bayer
, vor der Verhandlung.

Außerdem könnte eine Versandapotheke in anderen Ländern eingeführt werden.
Konkret überlegt dm das für Österreich. Dort seien die Regularien jedoch noch
strenger als in Deutschland. In Polen wiederum seien sie lockerer: Dort dürfe dm
beispielsweise Aspirin auch in Filialen verkaufen.

Welche Pläne haben andere Drogerien?

Rossmann hat zum Ende dieses Jahres eine Versand-Apotheke angekündigt. Dort
sollen Patientinnen und Patienten auch ihr E-Rezept einlösen können. Von Müller
sind keine derartigen Pläne bekannt. Auf Nachfrage hieß es, dass man sich dazu
"aus unternehmerischen Gründen aktuell nicht äußern möchte".

Was sagen Apotheker zu der Entwicklung?

Der Deutsche Apothekerverband hatte beim Start von dm-med gewarnt, dass
Menschen mit gesundheitlichen Problemen verunsichert werden könnten, wenn der
Unterschied zwischen Apotheke und Drogeriemarkt verwässert werde. Auch wollten
sich drei Viertel aller Patientinnen und Patienten in der Apotheke vor Ort in
Sachen Selbstmedikation beraten lassen.

Erst vor wenigen Tagen bezeichnete der Präsident der Bundesvereinigung
Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Thomas Preis, den Versandhandel - vor allem
aus dem Ausland - als Störfaktor für die flächendeckende, wohnortnahe
Arzneimittelversorgung. Mit der jüngsten Apothekenreform sei eine weitere Chance
verpasst worden, den Versandhandel angemessen zu regulieren./kre/DP/men

--- Von Marco Krefting, dpa ---
Name WKN Börse Kurs Datum/Zeit Diff. Diff. % Geld Brief Erster Schluss
AMAZON.COM INC. DL-,01 906866 Xetra 223,250 23.09.26 14:28:33 +0,100 +0,04% 223,150 223,400 224,350 223,150
BAYER AG NA O.N. BAY001 Xetra 49,640 23.09.26 14:36:33 +0,090 +0,18% 49,630 49,660 49,380 49,550
DOCMORRIS AG SF 0,01 A0Q6J0 Frankfurt 12,270 23.09.26 08:22:33 +0,240 +1,99% 11,580 11,780 12,270 12,030
REDCARE PHARMACY INH. A2AR94 Xetra 62,650 23.09.26 14:35:45 -3,050 -4,64% 62,500 62,700 65,950 65,700

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