05.09.2026 08:00:05 - dpa-AFX: ROUNDUP/Strom-Sabotage: Suche nach Verdächtigem läuft

DÜSSELDORF/BERLIN (dpa-AFX) - Die Polizei fahndet weiter mit Hochdruck nach
einem Mann, der Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz verübt haben soll.
Die Vorfälle konzentrieren sich auf Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen
- in allen drei Bundesländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt.

Am Freitag hatten Beamte in der Wohnung des 48-Jährigen in Gevelsberg (NRW)
Sprengstoff gefunden. Später stürmte ein Spezialeinsatzkommando am Nachmittag im
rund 100 Kilometer entfernten Niederzier in einem Wald einen Lastwagen, der
augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Gesuchte wurde aber
nicht vorgefunden.

Hintergrund der Fahndung sind zwei Bekennerschreiben, die bei mehreren
Medienhäusern eingingen und auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. "Das
Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges
Täterwissen", sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).

Das mögliche Motiv

Zum Motiv sagte Dobrindt, es handele sich sehr wahrscheinlich um
"Klimaterrorismus" eines Einzeltäters. In einem Bekennerschreiben heißt es:
"Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen."

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, wer im Namen des Klimaschutzes
die Stromversorgung von Krankenhäusern gefährde, der rette nichts, sondern
gefährde Leben. "Keine Ideologie taugt als Ausrede", betonte Reul.

Auffällig ist, dass sich die Orte in der Nähe von Gebieten befinden, in
denen noch Braunkohle abgebaut wird. Aktiven Tagebau in Deutschland gibt es nach
Angaben des Branchenverbandes Debriv in Nordrhein-Westfalen, im Süden
Brandenburgs und Sachsen-Anhalts sowie im Osten und Westen von Sachsen.

Erster Fundort im Süden Brandenburgs

Am Dienstagmorgen hatte es zunächst im Süden Brandenburgs einen Angriff auf
die Stromversorgung gegeben. Nach dpa-Informationen wurde mit mehr als 20 selbst
gebauten Raketen leitfähiges Material in Richtung der Höchstspannungsleitungen
im Umspannwerk Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde gelenkt. In
zwei Fällen kam es zu einem Kurzschluss. Einen Stromausfall gab es nach Angaben
des Netzbetreibers nicht. Die Polizei ermittelt nach der Sabotage des
Stromnetzes unter anderem wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung.

Zweiter Fundort in der Nähe von Köln

Am selben Abend kam es dann zu einer Störung an einem Umspannwerk in
Bergheim bei Köln. Auch hier wurden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik
gefunden. Laut RWE Power gingen fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke
an den Kraftwerksstandorten Niederaußem und Neurath vom Netz. Mehrere davon
gingen später wieder in Betrieb, einer soll aber erst kommende Woche wieder ans
Netz gehen. Die allgemeine Stromversorgung war aber jederzeit gesichert.

Weitere Fälle in NRW

Am Donnerstagabend entdeckte ein Spaziergänger an einem Umspannwerk in
Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf mutmaßliche Abschussvorrichtungen und
alarmierte die Polizei. Nach einem Hinweis aus einem Bekennerschreiben suchte
die Polizei am Freitag auch das Gelände rund um das Kraftwerk Weisweiler bei
Aachen ab.

Am Freitagabend gab es dann bei einer Stromanlage in Hamm einen größeren
Polizeieinsatz. Wie ein dpa-Reporter berichtete, kamen zahlreiche Polizeiwagen
zu dem Ort an einer Landstraße bei einem Waldstück. Es war auch ein Hubschrauber
im Einsatz. Ein Sprecher der Polizei sagte, es handele sich um eine ehemalige
Stromanlage, die seit längerem außer Betrieb sei.

Neuer Fall in Sachsen

Auch in Sachsen entdeckte die Polizei laut Innenminister Armin Schuster
(CDU) "unbekannte Sprengvorrichtungen". Die Polizei habe an zwei Fundorten vier
Objekte gesichert, sagte Schuster am Freitag. Hinweise darauf hätten sich
ebenfalls aus einem Bekennerschreiben ergeben. Die Polizeidirektion Görlitz
hatte einen Einsatz nördlich von Bautzen bestätigt.

Können Stromanlagen besser geschützt werden?

NRW-Innenminister Reul forderte als Konsequenz aus den Vorfällen, kritische
Infrastruktur besser zu schützen. Dafür brauche man klare Rechte und moderne
Technik, etwa Kameras, Sensoren und Alarmsysteme.

Unter kritischer Infrastruktur versteht man all jene Bereiche, deren
Beeinträchtigung oder Ausfall zu Versorgungsengpässen, Störungen der
öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen führen kann. Dazu
gehören beispielsweise Energie, Informationstechnik, Transport, Verkehr,
Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und
Verwaltung sowie Medien.

"So machen wir es Attentätern unnötig leicht"

Der Chef des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, Christoph Müller, sieht die Politik gefordert. "Die Wirtschaft muss viele Angaben zu Strom- und Gasnetzen
öffentlich machen und ins Netz stellen. So machen wir es Attentätern unnötig
leicht - egal, aus welcher Ecke sie kommen", sagte Müller der "Rheinischen
Post". Er forderte entschärfte Transparenzvorschriften und eine Erlaubnis dafür,
Leitungen regelmäßig mit Drohnen abfliegen und überwachen zu können. Auch müsse
es Unternehmen erlaubt werden, mit Kameras nicht nur das eigene Gelände, sondern
auch die Umgebung zu beobachten.

Amprion ist einer von vier großen Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland
und vor allem im Westen und Südwesten aktiv. Das Übertragungsnetz von Amprion
erstreckt sich nach Firmenangaben über rund 11.000 Kilometer
Höchstspannungsleitungen von der Nordsee bis zu den Alpen über sieben
Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen./shy/DP/zb
Name WKN Börse Kurs Datum/Zeit Diff. Diff. % Geld Brief Erster Schluss
RWE AG INH O.N. 703712 Frankfurt 58,260 04.09.26 21:21:49 +0,480 +0,83% 0,000 0,000 57,740 58,260

© 2000-2026 DZ BANK AG. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen | Impressum
2026 Infront Financial Technology GmbH