29.08.2026 14:00:32 - dpa-AFX: ROUNDUP 2: Viele Tote bei Angriff auf Munitionslager bei Kiew

KIEW (dpa-AFX) - Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Munitionslager
sind westlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew mindestens 27 Menschen getötet
worden. "Es gibt erhebliche Schäden an der umliegenden Infrastruktur: Wohnhäuser
sowie ein Senioren- und Behindertenheim wurden beschädigt", schrieb Präsident
Wolodymyr Selenskyj bei Telegram.

Auch in der Südukraine - im von der ukrainischen Regierung kontrollierten
Gebiet Odessa und der von Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim -
kamen Menschen bei gegenseitigen Angriffen ums Leben.

Über 300 Rettungskräfte im Einsatz

Bei dem Angriff auf das Munitionslager am Freitagabend wurden nach Angaben
des Gouverneurs des Gebiets Kiew, Tymur Tkatschenko, auch mehr als 40 Menschen
verletzt. Mehr als 300 Rettungskräfte waren demnach im Einsatz. Präsident
Selenskyj zufolge wurden fast 400 Menschen in Sicherheit gebracht.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde bei dem Angriff auf das knapp fünf Kilometer von der Stadtgrenze Kiews entfernte Dorf Myla ein Unternehmensgelände
getroffen. Selenskyj nannte keine Details, schrieb aber: "Es gibt Vorschriften:
Munition darf es nicht neben Häusern und anderen Wohngebäuden geben." Er verwies
auf eingeleitete Strafverfahren.

Hauptstrecke nach Westen komplett gesperrt

Bereits in der Nacht hatte die Staatsanwaltschaft über Ermittlungen wegen
"dienstlicher Fahrlässigkeit" und einen russischen Drohnenangriff informiert.
Nach russischen Angaben war ein Munitionslager mit Einzelteilen für
weitreichende Drohnen das Ziel des Angriffs.

Die Hauptverbindungsstrecke von Kiew Richtung Westen musste in der Folge auf einem mehrere Kilometer langen Abschnitt für die Lösch- und Rettungsarbeiten
komplett gesperrt werden. Erst in den Mittagsstunden am Samstag konnte der
Verkehr nach Polizeiangaben auf der zweispurigen Schnellstraße einspurig in
beide Richtungen wieder aufgenommen werden. Auf in den sozialen Netzwerken
veröffentlichten Videos waren Feuer und Explosionen in der Abenddämmerung zu
sehen.

Regierungschef Serhij Korezkyj verwies auf einen ähnlichen Vorfall Anfang
Juli in Wyschnewe am südwestlichen Stadtrand von Kiew. "Im fünften Kriegsjahr
werden ein und dieselben Fehler begangen - das ist kriminelle Fahrlässigkeit",
schrieb er auf Telegram. Nach offiziellen Angaben wurden damals bei der
Explosion eines Munitionsdepots mindestens neun Menschen getötet.

Kiew und das Umland kommen seit Tagen aufgrund ständigen Luftalarms wegen
anfliegender Drohnen oder Raketen kaum zur Ruhe. Am Samstagmorgen kam Gouverneur
Tkatschenko zufolge im Landkreis Boryspil westlich von Kiew ein 14-jähriges
Mädchen bei einem weiteren Drohnenangriff ums Leben.

Russische Angriffe auch auf Südukraine

Das russische Militär griff nach übereinstimmenden Angaben auch Ziele im
südukrainischen Gebiet Odessa an. Ein Mensch sei getötet und weitere drei seien
verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region, Oleh Kiper, bei Telegram mit.
Fünf Getreidetransporter seien ausgebrannt und drei weitere beschädigt worden.
Alle Brände konnten demnach gelöscht werden.

Zuvor hatte die Verwaltung des Landkreises Ismajil, in dem sich die
Donauhäfen des Landes befinden, vor russischen Drohnen gewarnt. Anlagen der
Transportinfrastruktur seien beschädigt worden.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums in Moskau galt der
Angriff dem Donauhafen Ismajil. Ziel seien Tanklaster und Entladestellen für
Treibstoff gewesen. Die Flusshäfen unweit der Donaumündung sind für den
ukrainischen Außenhandel aufgrund regelmäßiger russischer Angriffe auf die
Seeroute zu den ukrainischen Schwarzmeerhäfen wieder wichtiger geworden.

Auch Tote nach ukrainischen Angriffen

Im südwestrussischen Grenzgebiet Belgorod wiederum kamen nach
Regierungsangaben bei ukrainischen Angriffen drei Menschen ums Leben. Weitere 14
seien verletzt worden, teilte der kommissarische Gouverneur der Region,
Alexander Schuwajew, bei Telegram mit. Das ukrainische Militär habe unter
anderem Drohnen, Raketenwerfer und Artillerie eingesetzt.

Zudem wurde bei ukrainischen Drohnenangriffen auf der von Russland bereits
2014 annektierten ukrainischen Halbinsel Krim nach Behördenangaben mindestens
ein Mensch getötet. Weitere drei seien verletzt worden, schrieb der von Moskau
eingesetzte Gouverneur der Hafenstadt Sewastopol, Michail Raswoschajew, bei
Telegram. 26 Drohnen wurden demnach abgeschossen. An knapp ein Dutzend Häusern
habe es Schäden gegeben.

Die Ukraine wehrt sich seit über viereinhalb Jahren mit westlicher
Unterstützung gegen die russische Invasion. Zuletzt stiegen die zivilen
Opferzahlen bei den gegenseitigen russisch-ukrainischen Angriffen./ast/DP/zb

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