29.08.2026 13:23:56 - dpa-AFX: POLITIK: Untersuchungshaft für Chef von Polens Olympischem Komitee

WARSCHAU (dpa-AFX) - Der wegen Korruptionsvorwürfen festgenommene Chef von
Polens Olympischem Komitee, Radoslaw Piesiewicz, kommt in Untersuchungshaft. Ein
Gericht in Kattowitz (Katowice) habe einem entsprechenden Antrag der
Staatsanwaltschaft für einen dreimonatigen Arrest stattgegeben, sagte eine
Sprecherin der Behörde.

Der 45 Jahre alte Sportfunktionär war am Donnerstag im Zusammenhang mit
Ermittlungen um die Kryptobörse Zondacrypto festgenommen worden. Das
mittlerweile bankrotte Unternehmen war der Sponsor des Olympischen Komitees und
finanzierte auch Aktivitäten der polnischen Rechten. Die Ermittler werfen
Piesiewicz vor, vom Betreiber der Kryptobörse einen materiellen Vorteil - eine
Uhr im Wert von 40.000 Euro - angenommen zu haben. Im Gegenzug soll er sich beim
Vorsitzenden der Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde für den Unternehmer
eingesetzt haben.

Der zweite Vorwurf betrifft die Begünstigung einer Gruppe von Gläubigern von Zondacrypto zum Nachteil anderer. Der Sportfunktionär soll dafür gesorgt haben,
dass ihm seine Anlage aus der Kryptobörse ausgezahlt wurde, während andere leer
ausgingen. Piesiewicz bestreitet die Vorwürfe. "Ich habe 200.000 Euro verloren,
ich habe für eine Uhr bezahlt - was soll ich hier gestehen?", sagte er vor
seiner Vorführung vor den Haftrichter.

Unternehmensgründer plötzlich verschwunden

Das Mitte-Links-Bündnis von Ministerpräsident Donald Tusk beschuldigt die
rechtskonservative Vorgängerregierung der PiS und den ihr nahestehenden
Präsidenten Karol Nawrocki, die Regulierung des Kryptowährungsmarkts bewusst
blockiert zu haben - aus eigenem Interesse. Nawrocki hat bereits drei Mal
Gesetzentwürfe per Veto blockiert, die Ordnung in den Markt bringen sollten.

Zondacrypto ist in Polen schon seit längerem in den Schlagzeilen. Ein
polnischer Geschäftsmann hatte das Unternehmen ursprünglich gegründet, um
Kleinanlegern die Möglichkeit zu bieten, in Kryptowährungen zu investieren. Doch
2022 verschwand der Mann unter dubiosen Umständen. Sein Nachfolger Przemyslaw
Kral lebte zunächst in Monaco, soll sich aber nach Israel abgesetzt haben. Zuvor
hatte Zondacrypto im April Liquiditätsprobleme angemeldet. Kurz darauf mehrten
sich Berichte, dass Anleger Probleme mit der Auszahlung hatten. Die
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs und Geldwäsche, der Schaden wird auf
mindestens 80 Millionen Euro geschätzt.

Kryptobörse finanzierte Aktivitäten der Rechten

Inzwischen prüfen die Ermittler auch, ob Zondacrypto gegen das Gesetz
verstieß, als es diverse Aktivitäten der polnischen Rechten finanzierte. Dabei
geht es um Gelder für eine Stiftung des Ex-Justizministers Zbigniew Ziobro und
um das Sponsoring für die rechtskonservative amerikanische CPAC-Konferenz in
Rzeszow im polnischen Präsidentenwahlkampf./dhe/DP/zb

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