26.08.2026 10:38:44 - dpa-AFX: Studie: Krise am Wohnungsbau drückt Wirtschaftswachstum

BERLIN (dpa-AFX) - Der Einbruch beim Wohnungsbau zwischen 2023 und 2025 hat
einer Studie zufolge die gesamte Konjunktur in Deutschland gebremst. 2025 seien
bundesweit rund 84.600 Wohnungen weniger gebaut worden als zwei Jahre zuvor,
heißt es im sogenannten Bau-Monitor 2026. Allein für den Bau bedeute das binnen
zwei Jahren einen Netto-Umsatzverlust von rund 26,9 Milliarden Euro. Das
Bruttoinlandsprodukt sei um 0,6 Prozentpunkte geringer ausgefallen, die
Steuereinnahmen um rund sieben Milliarden Euro niedriger.

Das Pestel-Institut, das den "Bau-Monitor" im Auftrag des Bundesverbands
Deutscher Baustoff-Fachhandel erstellt hat, legt als Vergleichsmaßstab für das
Rechenmodell eine "stabile Bautätigkeit" zugrunde. Das heißt, es berechnet, was
gewesen wäre, wenn 2025 auch rund 300.000 Wohnungen gebaut worden wären wie in
den Jahren zuvor. Laut Statistischem Bundesamt wurden im vergangenen Jahr
206.600 Wohnungen fertig.

1,35 Millionen Wohnungen fehlen

"Wirtschaftswachstum funktioniert nur mit mehr Wohnungsbau", erklärte
Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts. Laut "Bau-Monitor" fehlen aktuell
bundesweit 1,35 Millionen Wohnungen - eine Größenordnung, die das Institut zu
Jahresbeginn bereits im Auftrag des Bündnisses Soziales Wohnen ermittelt hatte.
Die Knappheit entwickle sich auch zur Beschäftigungsbremse, erläutern die
Wissenschaftler.

Wo bezahlbarer Wohnraum fehle, seien frei werdende Arbeitsplätze schwierig
zu besetzen, vor allem in wirtschaftlich starken Regionen. Der Studie zufolge
fehlen allein in Berlin mindestens 58.000 Wohnungen, in Hamburg 23.000, in
Nordrhein-Westfalen 364.000, in Bayern 220.000 und in Baden-Württemberg 201.000.
"Menschen ziehen nicht zum neuen Arbeitsort, wenn sie dort keine Wohnung finden,
die sie sich auch leisten können", erläuterte Günther. Auch das drücke auf das
Wirtschaftswachstum und bedeute Wohlstandsverlust.

Branche sieht schwarz

Bei den Baugenehmigungen hatte sich zuletzt ein Aufwärtstrend abgezeichnet.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ergab sich für die ersten sechs Monate
dieses Jahres ein Plus um 15,1 Prozent auf 126.300 Einheiten.

Die Branche sieht trotzdem auch für das laufende Jahr schwarz. "Der Absturz
beim Wohnungsbau ist fatal", erklärte Katharina Metzger, Präsidentin des
Baustoff-Fachhandel-Verbands. "2026 erwarten wir nochmal einen enormen Schlag
nach unten: nur 185.000 Neubau-Wohnungen, so die Prognose."

Bauen ohne Genehmigung gefordert

Ausgerechnet in dieser Situation wolle die Bundesregierung Fördermittel für
Wohnungsbau um 1,4 Milliarden Euro kürzen, monierte sie. 2027 würden nur zwei
Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Nötig sei hingegen eine verlässliche und
kontinuierliche Förderung.

Zudem forderte Metzger die rasche Umsetzung des angekündigten Gebäudetyps E
mit vereinfachten Baustandards. Mehrfamilienhäuser mit bis zu zwölf Einheiten
sollten ohne eigene Baugenehmigung errichtet werden können, solange sich der
Bauherr an den jeweiligen Bebauungsplan hält./vsr/DP/nas

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