12.08.2026 09:51:03 - dpa-AFX: ROUNDUP/Gedämpfte Nachfrage: Bilfinger wird etwas vorsichtiger - Aktie verliert
MANNHEIM (dpa-AFX) - Der Industriedienstleister Bilfinger hat
auch im zweiten Quartal die Zurückhaltung der Kunden wegen des Konflikts am
Persischen Golf zu spüren bekommen. Für das Gesamtjahr dämpfte der Konzern
deshalb etwas die Erwartungen. Während der Konzern die Jahresziele für Umsatz
und freien Barmittelzufluss am Mittwoch bestätigte, peilt er nun bei der
operativen Marge (Ebita-Marge) das untere Ende der ausgegebenen Spanne an. Das
kam an der Börse nicht gut an. Die Aktie verlor im frühen Handel um rund 6,8
Prozent auf 74,90 Euro. Damit hat das Papier seit dem Jahreswechsel rund 30
Prozent an Wert verloren.
"Unser Marktumfeld war im zweiten Quartal von geopolitischer Unsicherheit
geprägt", erläuterte Unternehmenschef Thomas Schulz zur Vorlage der
Geschäftszahlen laut Mitteilung. Der Vorstand rechne aber für die zweite
Jahreshälfte mit einer Belebung der Nachfrage.
Im Mittleren Osten habe der anhaltende Konflikt unmittelbar die
Geschäftstätigkeiten vor Ort gedämpft, teilte das Unternehmen mit. Zudem hielten
sich Unternehmen in Europa wegen der gestiegenen Energiepreise mit Investitionen
zurück. Doch der Konzern setzt auch auf neues Geschäft beim Wiederaufbau im
Nahen Osten. Bilfinger befinde sich bereits in konkreten Gesprächen mit Kunden,
hieß es. Dies betreffe sowohl den Wiederaufbau von zerstörter Infrastruktur als
auch die Wiederinbetriebnahme von Produktionsanlagen.
Auch zeichnete sich Ende des zweiten Quartals ein positiver Trend mit
wachsendem Outsourcing-Potenzial in den Bereichen Chemie & Petrochemie, Energie,
Öl & Gas sowie Pharma & Biopharma ab.
Im zweiten Quartal legte der Umsatz um sieben Prozent auf 1,45 Milliarden
Euro zu. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf den
Unternehmenswert (Ebita) stieg um 4 Prozent auf 77 Millionen Euro. Dazu trug
auch der Sparkurs bei. Die entsprechende Marge ging aber von 5,5 auf 5,3 Prozent
zurück. Mit seinen Kennziffern traf das Unternehmen in etwa die Erwartungen der
Analysten. Der Auftragseingang schrumpfte indes um 16 Prozent auf knapp 1,5
Milliarden Euro.
Unter dem Strich legte der Gewinn dank einer günstigeren Steuerquote um 14
Prozent auf 54 Millionen Euro zu.
Für 2026 peilt das Unternehmen weiterhin ein Wachstum des Konzernumsatzes
auf bis zu 5,9 Milliarden Euro an. Im schlechtesten Fall könnten die Erlöse aber
auch auf dem Vorjahresniveau von gut 5,4 Milliarden verharren. Analysten haben
im Schnitt knapp 5,7 Milliarden auf dem Zettel.
Vom Erlös sollen 5,8 bis 6,2 Prozent als operatives Ergebnis (Ebita-Marge)
hängen bleiben. Allerdings rechnet der Bilfinger-Vorstand aufgrund der
Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr nun damit, dass das Unternehmen im
Gesamtjahr nur noch das untere Ende der Prognosespanne erreichen wird. Experten
rechneten zuletzt mit 5,9 nach 5,5 Prozent im Vorjahr.
Im Dezember hatte das Bilfinger-Management Mittelfristziele bekannt gegeben.
Demnach peilt Bilfinger bis 2030 im Schnitt ein jährliches Umsatzplus von 8 bis
10 Prozent an. Davon sollen als operative Marge 8 bis 9 Prozent übrigbleiben.
Wachsen wollen die Mannheimer sowohl aus eigener Kraft als auch durch Zukäufe.
Bilfinger ist auf die Planung, Errichtung, Wartung, Modernisierung und
Automatisierung von Industrie- und Energieerzeugungsanlagen
spezialisiert./mne/men/stk