01.08.2026 17:30:04 - dpa-AFX: POLITIK/ROUNDUP: Beauftragter verspricht schnelle Finanzhilfe für Terroropfer
BERLIN (dpa-AFX) - Die Opfer des Terroranschlags beim Christopher Street Day
(CSD) in Berlin können nicht nur auf medizinische oder seelische Hilfe hoffen,
sondern auch auf schnelle materielle Unterstützung. "Terroropfer haben Anspruch
auf sofortige finanzielle Hilfe", sagte der Bundesopferbeauftragte Roland Weber
der Deutschen Presse-Agentur.
Die sogenannten Härteleistungen werden demnach vom Bundesamt für Justiz
ausgezahlt und können dort beantragt werden. Ihre Höhe richtet sich nach dem
Verletzungsgrad. Verletzte Menschen erhalten laut Weber in einem abgestuften
Verfahren zunächst 3.000 bis 5.000 Euro, Hinterbliebene von Todesopfern bis zu
30.000 Euro.
Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen
"Es handelt sich um eine erste Leistung zur Überbrückung bestimmter Kosten.
Sie kann sehr schnell ausgezahlt werden", so Weber. Seine Geschäftsstelle biete
- wenn nötig - praktische Hilfe beim Ausfüllen der nötigen Anträge an.
Den Opfern stünden mittel- und langfristig je nach individueller Situation
und Bedarf weitere Leistungen aus anderen Töpfen zu. Das könnten etwa
Entschädigungszahlungen, die Finanzierung von Umschulungen, Renten oder
Versicherungsleistungen sein. Auch hier bietet Weber praktische Hilfe an, um
solche Ansprüche geltend zu machen.
Kontakt mit den Opfern
Um den Opfern des Attentats zu helfen, hat Weber nach eigenen Angaben
gemeinsam mit der Zentralen Anlaufstelle für Betroffene von Terroranschlägen im
Land Berlin Kontakt zu den Angehörigen der getöteten Frau und zu den Verletzten
aufgenommen - soweit diese bekannt sind. Sie hätten umfassende Informationen
über Unterstützungsmöglichkeiten bekommen, etwa über Hotlines, Angebote im
Internet, Netzwerke oder Hilfseinrichtungen.
Weber nimmt aber auch eine andere Gruppe mit womöglich seelischen Wunden in
den Blick. "Es gibt Augenzeugen, Menschen, die in der Nähe eines Anschlags
waren, und die laufen oft weg", schilderte er. "Manchen geht es bald wieder gut,
die stecken das weg und verkraften das. Andere nicht. Diese Gruppe ist am
schwersten zu erreichen."
Mehrere Anlaufstellen - dasselbe Ziel
Betroffene des Anschlags, insbesondere Hinterbliebene, Verletzte und deren
Angehörige, Augenzeugen oder Menschen, die am Tatort spontan erste Hilfe
geleistet haben, können sich mit allen Anliegen an die kostenfreie Hotline des
Opferbeauftragten 0800 0009546 wenden (aus dem Ausland: +49 30 18 580 - 8050).
"Dort bieten Fachleute psychosoziale Beratung an", so Weber. Viele Menschen
hätten sich bereits gemeldet. Auf der Internetseite der Zentralen Anlaufstelle
des Landes finden sich zahlreiche weitere Kontakte und Angebote für Betroffene.
Weber-Appell
Weber appellierte an Opfer des Anschlags, Angehörige, Augenzeugen, Helfer
oder Personen, denen das Geschehen aus anderen Gründen stark zu schaffen macht,
sich an ihn oder die Zentrale Anlaufstelle zu wenden. "Bitte melden Sie sich,
haben Sie keine Scheu. Wir unterstützen Sie und nehmen jedes Anliegen ernst", so
Weber.
Bei dem Terroranschlag am Samstag im Berliner Tiergarten hatte der
21-jährige Attentäter mit einem Auto mehrere Passanten angefahren, bevor er -
vermutlich mit einer Machete - weitere Menschen verletzte. Eine Frau starb, 31
Menschen wurden verletzt, darunter 7 schwer. Der Islamist wurde am Sonntagabend
von Polizisten erschossen, nachdem sie ihn in einer Gartenkolonie gestellt
hatten./kr/DP/zb