25.07.2026 16:30:34 - dpa-AFX: ROUNDUP 2/Waldbrände bei Bordeaux: Schon 167.000 Menschen evakuiert
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BORDEAUX (dpa-AFX) - Rund 270.000 Menschen sind in Frankreich und Spanien
vor Waldbränden in Sicherheit gebracht worden. Im Südwesten Frankreichs haben
die anhaltenden Brände eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte
des Landes ausgelöst. Im Département Gironde wurden nach Angaben des
Innenministers Laurent Nuñez inzwischen 167.000 Menschen evakuiert. Auch in
Spanien mussten nach Regierungsangaben inzwischen rund 73.000 Menschen ihre
Häuser verlassen.
Besonders betroffen ist das südwestfranzösische Département Gironde rund um
Bordeaux. Allein in der Nacht wurden in mehreren Gemeinden im Umland der
Großstadt 57.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Nach Angaben des
Innenministers mussten außerdem 31.000 Menschen im benachbarten Département
Landes wegen der Brände ihre Häuser verlassen.
Unter den Evakuierten sind viele Urlauber aus der bei Touristen beliebten
Küstenregion rund um das Bassin d'Arcachon. Schiffe wurden eingesetzt, um
Menschen unter anderem von der Halbinsel Cap Ferret in Sicherheit zu bringen.
Frankreich mobilisiert zusätzliche Soldaten
Frankreich verstärkt angesichts der dramatischen Lage die Unterstützung der
Feuerwehr. Die Zahl der Soldaten, die die Feuerwehr bei den Löscharbeiten
unterstützen, werde von 500 auf 1.000 erhöht, teilte Verteidigungsminister
Sébastien Lecornu nach einer Sitzung des interministeriellen Krisenstabs mit.
Zudem soll ein Militärflugzeug vom Typ A400M mit einem speziellen Löschsystem
eingesetzt werden, das bis zu 20 Tonnen Löschmittel abwerfen kann.
Die Mobilisierung der Einsatzkräfte bleibe weiterhin sehr groß, erklärte der
Innenminister. 18 Löschflugzeuge seien im Einsatz. Sie werfen Wasser oder
Brandverzögerungsmittel über den Flammen ab, wie der Minister sagte.
Zudem werden 1,5 Millionen FFP2-Masken in die Region Gironde geliefert, um
Einsatzkräfte und Bevölkerung vor dem gesundheitsschädlichen Rauch zu schützen.
Für Reisende gibt es zudem Erleichterungen: Verkehrsminister Philippe
Tabarot teilte mit, dass die Eisenbahngesellschaft SNCF angesichts der Brände
eine Sonderregelung für Reisen in die betroffenen Gebiete einführt. Fahrten in
die Region Bordeaux und andere betroffene Zonen können demnach kostenlos
verschoben oder storniert werden.
Frankreich kämpft gegen historische Waldbrände
Nach Angaben der Präfektur Gironde hat der seit Mittwoch wütende Großbrand
inzwischen mehr als 19.000 Hektar Fläche erfasst. Etwa 100 Gebäude wurden
zerstört. Der beißende Rauchgeruch ist mittlerweile bis in die Stadt Bordeaux
vorgedrungen.
Unterschiedliche Angaben gab es zunächst zur Lage am Flughafen
Bordeaux-Mérignac: Während Innenminister Laurent Nuñez wegen der starken
Rauchentwicklung von einer Schließung gesprochen hatte, teilte der Flughafen
mit, der Betrieb laufe weiter. Einschränkungen gibt es demnach lediglich beim
öffentlichen Nahverkehr zum Flughafen.
Auch die Bilanz für Frankreich insgesamt ist außergewöhnlich und
besorgniserregend: Nach Angaben des Innenministers sind seit Jahresbeginn nahezu
100.000 Hektar Land verbrannt - ein historischer Rekordwert. Auch in anderen
Regionen Frankreichs, darunter im Département Var und auf der Insel Korsika,
kämpfen Feuerwehrleute gegen weitere Brände.
Behörden sprechen von Feuer "beispiellosen Ausmaßes"
Die Behörden sprechen von einem Feuer "beispiellosen Ausmaßes". Mehr als
1.200 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Da der Wind gedreht hat, breiten sich die
Flammen nun nach Osten in Richtung des Ballungsraums von Bordeaux aus.
Auch in anderen Regionen Frankreichs, darunter im Département Var und auf
der Insel Korsika, kämpfen Feuerwehrleute gegen weitere Brände.
Spaniens Ministerpräsident warnt vor schwierigen Situation
Spanien kämpft ebenfalls gegen zahlreiche Waldbrände. Wegen der schweren
Feuer rief die Regierung für die Umgebung der Hauptstadt Madrid sowie für die
Region Ávila den Notstand aus. Wie der Präfekt der spanischen Regierung für
Madrid, Francisco Martín Aguirre, vor Journalisten sagte, mussten inzwischen
rund 73.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Weitere mehr als 20.000 Menschen
waren nach Berichten spanischer Medien unter Berufung auf das Innenministerium
von den Bränden betroffen, konnten ihre Wohnungen oder Häuser aber wegen der
Lage nicht verlassen.
Besonders betroffen ist der Großraum Madrid, wo die Flammen in mehreren
Gemeinden bewohnte Gebiete bedrohten. Ministerpräsident Pedro Sánchez warnte bei
einem Besuch in der Kommandozentrale der Einsatzkräfte vor einer weiterhin
schwierigen Situation. Es sei unklar, wie sich der Wind entwickeln werde. Die
Priorität bestehe darin, Menschenleben zu retten und Ortschaften zu schützen.
Zuletzt gab es in Spanien vorsichtige Anzeichen für eine Entspannung der
Lage. Weniger Wind, höhere Luftfeuchtigkeit und niedrigere Temperaturen hätten
die Löscharbeiten begünstigt, teilte die Regierung mit. Die Brände hätten sich
in der Nacht weniger stark ausgebreitet und an Intensität verloren.
Hitzewelle verschärft Waldbrandgefahr in Italien
Auch in Italien gibt es zahlreiche Waldbrände. Besonders betroffen sind die
Mittelmeerinsel Sizilien und die Region Kalabrien. Allein auf Sizilien wurden
mehrere Dutzend Feuer gemeldet. Die Behörden befürchten eine Verschärfung der
Lage durch eine neue Hitzewelle. Immer wieder werden die Flammen durch den aus
Afrika kommenden Scirocco-Wind angefacht./sg/DP/zb