25.07.2026 15:00:03 - dpa-AFX: POLITIK/ROUNDUP: Indiens Bildungsminister tritt nach Jugendprotesten zurück
NEU-DELHI (dpa-AFX) - Indiens Bildungsminister Dharmendra Pradhan hat sich
dem Druck der "Kakerlaken"-Bewegung und wochenlangen Protesten gebeugt und ist
zurückgetreten. Er habe "großen Respekt vor den Bestrebungen, Empfindungen und
berechtigten Erwartungen der Jugend dieses Landes", schrieb Pradhan im
Kurznachrichtendienst X. Er habe Premierminister Narendra Modi sein
Rücktrittsgesuch vorgelegt. Unter Tausenden Anhängern der
"Kakerlaken-Volkspartei" (CJP) brach nach Bekanntwerden des Schritts lauter
Jubel aus, wie Videos von einem seit Wochen besetzten Kundgebungsort in
Neu-Delhi zeigen.
"Die Demokratie hat triumphiert", schrieb die CJP auf X. Ob die Proteste nun
abbrechen, war zunächst unklar. Der Protestort Jantar Mandar war wie in den
Wochen zuvor von Tausenden Polizisten umstellt.
"Es ist ein Sieg des Friedens, der Geduld und der Beharrlichkeit", schrieb
der prominente indische Erziehungsreformer und Klimaaktivist Sonam Wangchuk, in
den sozialen Medien. Wangchuk war aus Solidarität mit der Protestbewegung in
einen Hungerstreik getreten, den er diese Woche erst nach 26 Tagen beendete.
Kernforderung der Protestbewegung
Der Rücktritt Pradhans gilt als großer Erfolg der jungen
"Kakerlaken"-Bewegung und ihrer Anhänger. Er war eine ihrer Kernforderungen. Aus
ihrer Sicht sollte der Minister die politische Verantwortung für einen Skandal
um bekannt gewordene Dokumente einer Hochschul-Zugangsprüfung übernehmen. Mehr
als zwei Millionen junge Menschen waren betroffen.
Die Protestbewegung, die sich immer mehr im ganzen Land ausbreitet,
entwickelt sich nach Einschätzung von Beobachtern zu einer großen
Herausforderung für die Regierung. Zuletzt war es bei Straßenprotesten in
Neu-Delhi zu schweren Zusammenstößen der Bewegung und der Polizei gekommen. Die
Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Auf beiden Seiten gab es
zahlreiche Verletzte.
Weitere Gespräche
Die Abdankung Pradhans wurde kurz vor einer dritten Gesprächsrunde zwischen
CJP-Vertretern und Repräsentanten der Regierung bekannt. Die Regierung äußerte
sich nach Angaben eines CJP-Sprechers zuletzt positiv zu der weiteren Forderung,
dass es keine Verfahren gegen Teilnehmer der Proteste geben darf. Auch werde die
Forderung positiv gesehen, dass Familien von Studienanwärtern, die im Kontext
des Skandals Suizid begangen hätten, Schmerzensgeld erhielten.
Die CJP wurde im Mai gegründet, nachdem ein Oberster Richter des Landes
arbeitslose junge Menschen als "Kakerlaken" bezeichnet hatte. Die CJP beschreibt
sich als "satirische politische Bewegung". Sie organisiert sich vor allem im
Internet. Später rief sie auch zu Straßenprotesten in Neu-Delhi und anderen
Städten des Landes auf./dg/DP/zb