18.07.2026 13:30:04 - dpa-AFX: HINTERGRUND: Mehr Wüstenstaub in Europa - Folgen für Gesundheit und Strom
GENF/VILLIGEN (dpa-AFX) - In Europa geht immer mehr Wüstenstaub aus
Nordafrika nieder. "Das hat Folgen für die Gesundheit und die
Solarstromproduktion", schreiben Forscher des schweizerischen Paul
Scherrer-Instituts (PSI) in der Fachzeitschrift "Nature".
Die Wüstenstaubmenge ist demnach in den vergangenen zehn Jahren um zehn bis
25 Prozent gestiegen. Daten aus Eisbohrkernen aus den Alpen zeigten zudem, dass
sich die Belastung über die vergangenen 150 Jahre mehr als verdoppelt hat.
Ursache seien nicht mehr Stürme, aber die einzelnen Stürme seien intensiver
und transportieren mehr Staub. Man erkennt ihn an der gelblich-trüben Luft,
rötlichen Sonnenuntergängen oder staubigem Belag etwa auf Autos.
Warum ist der Staub schlecht für die Gesundheit?
Gefährdet sind vor allem Menschen mit Herz- oder Lungenerkrankungen sowie
ältere Menschen. Studien hätten gezeigt, dass an Tagen mit hoher
Wüstenstaubkonzentration in der Luft mehr Menschen an Herzinfarkten und
Atemproblemen sterben als sonst, schreiben die Wissenschaftler. Für langfristige
Folgen wie Asthma, chronische Bronchitis oder Staublunge fehlten aber noch
Langzeitstudien.
Was können Betroffene tun?
Vorgeschlagen werden Warnsysteme, wie sie bereits für städtischen Feinstaub
oder Pollenflug existieren. Wer gesundheitlich vorbelastet ist, könnte an
solchen Tagen dann körperliche Aktivitäten im Freien einschränken und möglichst
in Innenräumen bleiben.
Was bedeutet der Staub für Solaranlagen?
Zum einen beschattet Wüstenstaub in der Luft die Anlagen, zum anderen lagert
er sich auf Solarmodulen ab. Beides mindert den Stromertrag. Energieversorger
könnten mit Vorwarnung andere Kraftwerke hochfahren und die Netzstabilität so
sichern.
Wieso gibt es heute mehr Wüstenstaub als früher?
Wüstengebiete wie die Sahara dehnen sich im Zuge des Klimawandels aus. Zudem
habe sich die atmosphärische Zirkulation geändert, heißt es in dem Bericht: Es
gebe mehr starke Winde aus der Sahara-Region Richtung Europa.
Besonders betroffen ist Südeuropa, von Griechenland über Italien bis Spanien
und Portugal. Dort liegt die durchschnittliche Wüstenstaubkonzentration bei 5,3
Mikrogramm pro Kubikmeter Luft - mehr als doppelt so viel wie in Mittel- und
Nordeuropa mit 2,1 Mikrogramm.
Man kann Wüstenstaub anhand der Aluminiumkonzentration klar von Feinstaub
aus Verkehr, Industrie oder anderen Quellen unterscheiden./oe/DP/zb