11.07.2026 20:30:49 - dpa-AFX: ROUNDUP 3: Bekennerbrief nach Brand - Sabotageverdacht an Bahnstrecke

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Die wichtige Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln
ist vermutlich durch einen Brandanschlag lahmgelegt worden. Aus
Sicherheitskreisen verlautete, es werde ein Sabotageakt vermutet. Auf der linken
Plattform indymedia.org tauchte ein mutmaßliches Bekennerschreiben auf. Auch
Staatsanwaltschaft und Polizei Köln teilten mit, dass die Ermittler aktuell
davon ausgingen, dass der Brand vorsätzlich gelegt wurde.

Inzwischen ist die Strecke wieder freigegeben, der Zugverkehr rollt ohne
Einschränkungen. Die Deutsche Bahn schloss die Reparaturarbeiten an den
zahlreichen beschädigten Kabeln nach eigenen Angaben am frühen Abend ab.
Fachleute hätten seit Freitag durchgehend daran gearbeitet, die Schäden so
schnell wie möglich zu beheben. Die Bahn bedauerte die mit der Sperrung
verbundenen Einschränkungen für die Reisenden.

Reul: Diese Menschen wollen Chaos

"Solche Taten sind kein Protest, sondern gezielte Sabotage", sagte
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zu dem erneuten Brandanschlag. Das treffe
den Alltag vieler Menschen und nehme "Kollateralschäden" billigend in Kauf.

"Diese Chaoten berufen sich darauf, eine Welt herzustellen, in der es
Pflanzen, Tieren und Menschen besser gehe. Und dann verüben sie einen
Brandanschlag, ausgerechnet jetzt, wo überall Trockenheit herrscht", sagte Reul.
"Allein daran sieht man: Diese Menschen wollen keine bessere Welt. Diese
Menschen wollen Chaos. Sie zielen darauf ab, Politik durch Gewalt zu ersetzen.
Das akzeptieren wir nicht."

Laut Brief Brandsätze in Kabelschacht deponiert

Das Schreiben wurde mit dem Namen der bereits mehrfach mit Anschlägen auf
Bahnstrecken in Verbindung gebrachten Gruppe "Kommando Angry Birds"
veröffentlicht. Darin schreibt die Gruppe, dass sie verantwortlich "für die
Sabotage der Bahnstrecke nördlich von Leverkusen" sei. Es seien Brandsätze in
einem großen Kabelschacht an der nordöstlichen Ecke der Wupperbrücke und in
einem schmaleren Schacht deponiert worden. Als Motiv für den Anschlag wurde ein
"Massensterben" durch die "technologische Eskalation" genannt, das aufgehalten
werden müsse.

In Sicherheitskreisen wird davon ausgegangen, dass das Schreiben echt ist,
wie die Deutsche-Presse-Agentur erfuhr. Dass ein technischer Defekt den
Böschungsbrand an der Bahnstrecke auslösen konnte, gelte als wenig
wahrscheinlich.

Polizei sucht Zeugen

Nach dem Brand in dem Kabelschacht bei Leverkusen-Rheindorf sucht die
Kriminalpolizei nach Zeugen. Ersten Erkenntnissen zufolge hatten Techniker das
Feuer an der Eisenbahnbrücke, die über die Wupper führt, in der Nähe der
Solinger Straße am Freitagvormittag bemerkt und die Feuerwehr alarmiert.

Ein Sprecher der Polizei Köln sagte auf Anfrage, es würden Ermittlungen
geführt, ob das Bekennerschreiben authentisch sei. In einem solchen Bereich
werde auch geprüft, ob gegebenenfalls Zusammenhänge zu anderen Delikten
bestünden. Der Staatsschutz der Kölner Polizei hatte bereits am Freitag die
Ermittlungen übernommen, da ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen
werden konnte.

Mehrere Anschläge durch "Angry Birds"

Die linksextremistische Gruppe "Kommando Angry Birds" hatte vor etwa einem
Jahr auch einen Anschlag auf die Bahnhauptstrecke zwischen Düsseldorf und
Duisburg für sich reklamiert. Auch dort waren im Juli 2025 Brandsätze gezündet
worden. Tagelang war die wichtige Bahnstrecke gesperrt.

Anfang Januar dieses Jahres hatte die Gruppe sich zudem auf einen versuchten Anschlag auf ein Umspannwerk in Erkrath bei Düsseldorf bekannt. Der Anschlag
schlug fehl.

Innenminister Reul hatte schon vor einem Jahr vor dem "Kommando Angry Birds" gewarnt. "Die hat in den letzten Jahren im Raum Düsseldorf schon mehrfach
sabotiert", hatte er Anfang August 2025 gesagt. So seien Anschläge auf
Telekommunikationsmasten in dem Ort Langenfeld/Erkrath und ein Tunnelbrand an
der Autobahn 46 auf das Konto der Gruppe gegangen. Die Ermittlungen würden mit
hohem Aufwand geführt, seien aber nicht ganz einfach, weil es sich nicht um eine
fest gefügte Gruppe handele.

Bahnstrecke weiter gesperrt

Einen Tag nach dem Brand war noch unklar, wann der gesperrte Abschnitt
Düsseldorf - Köln wieder freigegeben wird. Am Samstagmittag sagte eine
Sprecherin der Deutschen Bahn, es könne aktuell keine Prognose abgegeben werden,
wann die Strecke wieder befahren werden könne. Im Nah- und Fernverkehr kommt es
wegen der Sperrung zu Umleitungen und Verspätungen und zum Ausfall einzelner
Züge.

Die Ermittlungen laufen nach Angaben der Bahn weiter. "Expertinnen und
Experten der DB arbeiten mit voller Kraft an der Reparatur der immensen
Schäden", hieß es in einer Mitteilung. Laut Bahn hatte am Freitagvormittag an
zwei Stellen die Böschung zwischen Langenfeld und Leverkusen gebrannt. Die
Feuerwehr habe die Brände zwar gelöscht. Allerdings habe das Feuer Schäden an
mehreren Signalkabeln angerichtet, so dass auf dem Streckenabschnitt keine Züge
fahren könnten.

Bahn: Betriebliche Lage in NRW angespannt

Die Bahn bezeichnete "die aktuelle betriebliche Lage in NRW" als "sehr
angespannt". Grund sei neben der möglichen Sabotage an der Strecke Düsseldorf -
Köln auch ein erst am Freitag festgestellter Brückenschaden in Opladen bei
Leverkusen. Die beschädigte Brücke liegt auf dem Korridor Hagen - Wuppertal -
Köln, der nach einer Generalsanierung gerade erst wieder in Betrieb genommen
worden war./dot/DP/zb

© 2000-2026 DZ BANK AG. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen | Impressum
2026 Infront Financial Technology GmbH