11.07.2026 20:30:32 - dpa-AFX: POLITIK/ROUNDUP: Weiter Widersprüche um Wegners Telefonate beim Stromausfall

BERLIN (dpa-AFX) - Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat nach
Angaben der Senatskanzlei zu Beginn des mehrtägigen Stromausfalls Anfang des
Jahres ein Telefongespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) geführt.
"Erstens stand der Regierende Bürgermeister bereits am 3. Januar mit dem
Bundeskanzleramt im Austausch. Zweitens hat der Regierende Bürgermeister am 4.
Januar mit dem Bundeskanzler telefoniert", teilte die Senatskanzlei auf
dpa-Anfrage mit.

Unter anderem wegen widersprüchlicher Angaben dazu, mit wem er zu Beginn des Blackouts telefoniert hat, stand Wegner monatelang in der Kritik. Am
Freitagnachmittag erklärte er bei einer überraschend angekündigten
Pressekonferenz seinen Rückzug als Spitzenkandidat der CDU bei der
Abgeordnetenhauswahl am 20. September. Als Regierender Bürgermeister will Wegner
im Amt bleiben, bis ein Nachfolger im Landesparlament gewählt ist.

Der "Tagesspiegel" berichtete am Freitag nach der Pressekonferenz von einem
Schreiben aus dem Kanzleramt mit einer Antwort auf Fragen der Zeitung. Darin
heißt es, in dem Verfahren "wird mitgeteilt, dass, soweit feststellbar, der
Bundeskanzler während der Dauer des fragegegenständlichen Stromausfalls in
Berlin im Januar 2026 kein persönliches Gespräch mit dem Regierenden
Bürgermeister von Berlin Wegner geführt hat, weder in Anwesenheit persönlich
noch telefonisch".

Laut Kanzleramt gab es keine Telefonate

Ein Regierungssprecher bestätigte auf dpa-Anfrage diese Informationen aus
einem Schriftsatz des Bundeskanzleramts an das Verwaltungsgericht Berlin. Der
"Tagesspiegel" hatte dort nach eigenen Angaben Ende Juni einen Eilantrag auf
Grundlage des presserechtlichen Auskunftsanspruchs eingereicht, nachdem das
Kanzleramt über Wochen keine näheren Informationen zu entsprechenden Telefonaten
geliefert habe.

Wegner hatte in der Sendung RBB-"Abendschau" am 5. Januar gesagt: "Gestern
habe ich einmal mehr mit dem Bundeskanzler auch gesprochen." Die Senatskanzlei
bleibe dabei, dass es dieses Telefonat gegeben habe, sagte ein Sprecher,
erklärte aber nicht, wie der Widerspruch zu den Angaben des Kanzleramts
aufzulösen sei.

Erst am Dienstag hatte der "Tagesspiegel" eine Antwort der Senatskanzlei
eine Anfrage veröffentlicht, nach der Wegner anders als zunächst behauptet am
Vormittag des 3. Januars noch keine dienstlichen Telefonate zum Stromausfall
geführt hat. Im Interview mit Welt TV hatte Wegner am 7. Januar gesagt: "Ich
habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den
Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz."

Mitte Mai hatte eine Sprecherin der Bundesregierung frühere Angaben
korrigiert und mitgeteilt, Wegner und Merz hätten am 3. Januar nicht miteinander
telefoniert. Am 17. März hatte ein Sprecher der Bundesregierung dazu zunächst
geantwortet, es habe an dem Tag mehrere Gespräche Wegners mit Merz und
Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) gegeben.

Kritik aus der Opposition auf Bundesebene

Auf Bundesebene kommt Kritik von der Opposition. Grünen-Chef Felix Banaszak
sagte dem "Tagesspiegel": "Bei der CDU wird die Lage immer verrückter: In einem
verzweifelten Manöver versucht die CDU in Berlin, die Talfahrt in den Umfragen
zu stoppen - und wirft dabei Fragen weit über den Berliner Landesverband hinaus
bis hin zum Kanzler auf." Es brauche jetzt Transparenz zur Rolle des
Kanzleramts./ah/DP/zb

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