27.06.2026 11:52:04 - dpa-AFX: SPORT: Erfurter stimmen Athletenvereinbarung mit Forderung zu
ERFURT (dpa-AFX) - Nach dem Wirbel um ein neues Strukturkonzept haben die
davon betroffenen Erfurter Eisschnellläufer nun doch die vom Verband geforderte
Athletenvereinbarung unterschrieben. Alle Kadersportler des Bundesstützpunktes
Erfurt hätten dies zum Stichtag an diesem Freitag getan, wie die Deutsche
Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft mitteilte. Allerdings fügten sie
einen sogenannten "Side Letter" mit "Hinweisen, Erwartungen und Forderungen"
bei.
"Den von ihnen zusätzlich übersandten Side Letter werden wir sorgfältig
prüfen und uns zeitnah mit den darin formulierten Anliegen und Forderungen
beschäftigen", erklärte DESG-Präsident Matthias Große in einer
Verbandsmitteilung.
Wirbel im Vorfeld
Im Vorfeld hatte es einigen Wirbel gegeben. Das Präsidium des Thüringer Eis-
und Rollsportverbandes (Terv) hatte den Kaderathletinnen und -athleten am
Bundesstützpunkt Erfurt geraten, die Athletenvereinbarung in der vom
DESG-Präsidium vorgelegten Fassung, die mit einem Standortwechsel nach Berlin
oder Inzell verknüpft ist, nicht zu unterschreiben.
Demnach sollen ab Juli die Kaderathleten auf die Standorte Inzell (Mehrkampf
und Langstrecke) sowie Berlin (Sprint) konzentriert werden. Die
Bundesstützpunkte in Erfurt und Chemnitz sollen "insbesondere im
Nachwuchsbereich eine zentrale Rolle übernehmen", erklärte Große zuletzt auf
dpa-Anfrage über eine Anwaltskanzlei. Das kommt aber einer Degradierung gleich.
Immerhin stellte Erfurt mit Jungstar Finn Sonnekalb an der Spitze das Gros der
Starter bei den Olympischen Winterspielen in Mailand.
DESG-Schreiben an Arbeitgeber
Für zusätzliche Aufregung hatte ein Schreiben der DESG-Führung an
Bundeswehr, Bundespolizei und Landespolizeien als Arbeitgeber der Sportler über
die Sportförderstellen gesorgt. Diese sollten dem Verband gegenüber schriftlich
bestätigen, "dass Sie Ihre dem Bundeskader angehörenden Athletinnen und Athleten
entsprechend anweisen, der beschriebenen neuen Trainingsstruktur zu folgen und
sich an den jeweils zugewiesenen Bundesstützpunkt zu orientieren". Zugleich wird
in dem Schreiben, das der dpa vorliegt, auf einen Hauptsponsor mit Sitz in
Bayern verwiesen, der "ein berechtigtes Interesse an der Stärkung des Standorts
Inzell" habe.
Der Thüringer Landesverband reagierte darauf irritiert und kritisierte, "ob
tatsächlich ausschließlich objektive und sportfachliche Gründe zur
Strukturentscheidung des DESG-Präsidiums geführt haben". Große hatte bereits auf
der abgebrochenen Mitgliederversammlung im Mai 2025 in Berlin eher beiläufig die
Konzentration auf Berlin und Inzell öffentlich gemacht: "Die CSU-Politiker
wollen Bayern im Fokus sehen und die Berliner Politiker Berlin."
Der Thüringer Verband hatte wegen der nicht abgestimmten Strukturreform und
des Drucks auf die Erfurter Sportler das gesamte DESG-Präsidium bereits zum
Rücktritt aufgefordert. Die Verbandsspitze wies dies zurück./fk/DP/zb