21.06.2026 07:30:17 - dpa-AFX: ROUNDUP 2: Gespräche zwischen Iran und USA starten - Vance optimistisch
LUZERN/TEHERAN (dpa-AFX) - Überschattet von den Kämpfen der israelischen
Armee mit der libanesischen Hisbollah-Miliz sollen heute in der Schweiz
hochrangig besetzte Gespräche zwischen den Kriegsparteien USA und Iran beginnen.
Ziel ist es, das vergangene Woche unterzeichnete Rahmenabkommen für ein Ende des
Iran-Kriegs zu konkretisieren. Eine endgültige Vereinbarung, auch zum Umgang mit
Teherans umstrittenem Atomprogramm, soll dem Rahmenabkommen zufolge innerhalb
von 60 Tagen ausgehandelt werden.
Besonders die Kämpfe im Libanon hatten zuletzt für Spannungen zwischen
Washington und Teheran geführt. Der Iran verkündete deshalb am Samstag eine
Schließung der Straße von Hormus. Die Meerenge war infolge des Rahmenabkommens
gerade erst wieder nach und nach geöffnet worden.
US-Vizepräsident Vance rechnet mit Fortschritten
An den heutigen Gesprächen im Luxusresort Bürgenstock unweit von Luzern
sollen neben den Kriegsparteien auch Vertreter der Vermittler Pakistan und Katar
teilnehmen. Für die USA reiste Vizepräsident JD Vance an. Er zeigte sich vor dem
Abflug vorsichtig optimistisch: "Ich denke, wir werden hoffentlich Fortschritte
in der Atomfrage erzielen und auch in der Frage der Waffenruhe im Libanon
vorankommen", sagte er.
Vance sagte zudem, dass sich der Schwiegersohn von US-Präsident Donald
Trump, Jared Kushner, sowie der US-Sondergesandte Steve Witkoff bereits in der
Schweiz befänden. Sie kümmerten sich um technische Aspekte dieser Verhandlungen.
Nach seinem Eindruck liefen die Dinge gut. Der Vizepräsident wird nicht länger
in der Schweiz sein. "Ich kann nur ein oder zwei Tage dort sein", sagte er vor
dem Abflug.
Von iranischer Seite sollen unter anderem Parlamentspräsident Mohammed
Bagher Ghalibaf als Verhandlungsführer und Außenminister Abbas Araghtschi
teilnehmen. Für den Vermittler Pakistan reiste unter anderem Premierminister
Shehbaz Sharif an. Es war zunächst unklar, wie lange die Gespräche auf Ebene der
Verhandlungsführer dauern sollten. Denkbar schien zum Beispiel, dass nach einem
Auftakt zunächst für bestimmte Themen Arbeitsgruppen gebildet werden, die dann
auf niedrigerer Ebene weiterverhandeln.
Ursprünglich hätte in der Schweiz bereits am Freitag eine erste
Gesprächsrunde stattfinden sollen, diese war aber wegen der gegenseitigen
Angriffe der israelischen Armee und der proiranischen Hisbollah nicht zustande
gekommen.
Trump droht mit US-Maut in Straße von Hormus
Das am Mittwochabend separat unterschriebene Abkommen sieht unter anderem
eine Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende der US-Seeblockade vor. Zudem
darf der Iran während der 60-tägigen Verhandlungen nicht wie angedroht Gebühren
für die Passage verlangen. Das Abkommen trat nach pakistanischen Angaben mit
"sofortiger Wirkung" in Kraft.
Nach der erneuten Schließung drohte US-Präsident Donald Trump am Abend
seinerseits mit einer US-Maut in der Meerenge. Sollte kein finales
Friedensabkommen zustande kommen, könnten sich die USA so ihre Dienste als
"Schutzengel" der Region vergüten lassen, schrieb er auf seiner Plattform Truth
Social.
Die USA hatten den Iran Ende Februar gemeinsam mit Israel angegriffen und so
den Krieg begonnen. Seit Anfang April galt zuletzt eine Waffenruhe, während der
es nur noch vereinzelt zu Angriffen kam. Israel ist an den Verhandlungen mit dem
Iran nicht beteiligt.
Kämpfe im Libanon gehen trotz Waffenruhe weiter
Trotz einer erneuten Waffenruhe im Libanon, die seit Freitagnachmittag gilt,
gingen dort die Kämpfe zwischen israelischer Armee und Hisbollah-Miliz auch am
Samstag weiter - und sorgten für Verstimmungen zwischen den USA und dem Iran.
Teheran sperrte deswegen nach eigenen Angaben die Straße von Hormus erneut für
die Durchfahrt aller Schiffe. Der Iran fordert die Einhaltung der Waffenruhe und
einen Abzug des israelischen Militärs aus dem Südlibanon.
Das US-Militär widersprach der Darstellung und bekräftigte, der
Schiffsverkehr in der Meerenge laufe weiter. 55 Schiffe mit unter anderem 17
Millionen Barrel Öl hätten die Meerenge passiert. Wie die "New York Times"
berichtete, war das die größte Anzahl an Schiffen seit der Schließung kurz nach
Kriegsbeginn.
Am Samstag hatten libanesische Medien über zahlreiche israelische
Luftangriffe mit mindestens 35 Toten berichtet. Die israelische Armee und die
proiranische Hisbollah-Miliz machen sich gegenseitig für die Kämpfe und Verstöße
gegen die Feuerpause verantwortlich.
Bereits am Freitag waren laut libanesischem Gesundheitsministerium 83
Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden.
Konfliktparteien beschuldigen sich gegenseitig
Die israelische Armee warf der Hisbollah wiederholte Verstöße gegen die
Feuerpause vor. Als Reaktion seien Raketenstellungen, Waffenlager und
Kommandozentralen der Hisbollah angegriffen worden. Dagegen erklärte die Miliz,
sie habe auf einen Vormarsch der israelischen Truppen reagiert. Die Angaben der
Konfliktparteien ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Der Iran verlangt von den USA, Druck auf die israelische Führung auszuüben.
Die israelische Armee erklärte jedoch, sie werde auch künftig gegen jede
Bedrohung für den Staat Israel und seine Soldaten vorgehen./hme/DP/zb