10.06.2026 19:17:59 - dpa-AFX: ROUNDUP 2/Nach gegenseitigen Angriffen: Trump droht dem Iran erneut
(neu: nach neuer Drohung Trumps aktualisiert.)
WASHINGTON (dpa-AFX) - Nach gegenseitigen Angriffen hat US-Präsident Donald
Trump dem Iran erneut gedroht. "Sie haben zu lange gebraucht, um einen für sie
großartigen Deal auszuhandeln, jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen!",
schrieb Trump am Nachmittag deutscher Zeit auf seiner Plattform Truth Social.
Später legte er vor Reportern im Weißen Haus nach und kündigte einen
bevorstehenden neuerlichen Angriff trotz Waffenruhe an. "Wir haben sie gestern
hart getroffen und wir werden sie heute wieder hart treffen", sagte er. Zugleich
machte er Druck auf den Iran, einem Abkommen zuzustimmen. Die Verhandlungen über
ein Kriegsende ziehen sich seit Wochen hin.
Trump hatte den Iran für den Abschuss eines Kampfhubschraubers vor der Küste
des Omans verantwortlich gemacht und am Dienstagabend Vergeltung angekündigt. In
der Nacht zum Mittwoch bombardierte das US-Militär im Iran dann
Flugabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen im Bereich der Straße
von Hormus, wie das Regionalkommando Centcom auf X mitteilte. Das US-Militär
sprach von einer "verhältnismäßigen" Antwort. Teheran griff daraufhin laut
iranischen Medien US-Stützpunkte in der Golfregion und in Jordanien an, unter
anderem mit ballistischen Raketen. Kuwaits Flugabwehr war laut Armeeangaben im
Einsatz. Auch in Bahrain schrillten wieder Sirenen.
Berichte: US-Militär griff in drei Wellen an
US-Medienberichten zufolge erfolgten die Angriffe im Iran in drei Wellen und
richteten sich gegen rund 20 Ziele. Iranische Medien berichteten unter anderem
über Explosionen in der Stadt Sirik an der Straße von Hormus sowie auf der Insel
Gheschm. Auch aus dem Bereich der Großstadt Bandar Abbas gab es Berichte über
Einschläge. Laut iranischer Nachrichtenagentur Tasnim wurden zwei Wassertanks in
Sirik getroffen.
Nach den nächtlichen US-Angriffen sind iranischen Angaben zufolge Tausende
Bewohner an der Südküste ohne Wasser. Die Trinkwasserversorgung der Stadt
Kuhestak in der Provinz Hormusgan sowie von zehn weiteren Dörfern sei
vollständig unterbrochen, berichtete die Nachrichtenagentur Mehr unter Berufung
auf einen Behördenvertreter.
Trump verbreitet Erfolgsmeldungen
Schon kurz nach Kriegsbeginn am 28. Februar hatte sich Trump optimistisch
gegeben, dass die USA ihre Ziele im Iran schnell erreichen könnten. Das Narrativ
änderte er auch trotz stockender Verhandlungen nicht. Am Mittwoch erklärte Trump
Irans Militär einmal mehr für weitgehend besiegt. Die iranischen Streitkräfte
seien "ein einziges Chaos", schrieb er. Große Teile davon, etwa die Marine und
Luftwaffe, existierten nicht mehr. "Sie wurden vollständig besiegt", schrieb
Trump weiter, "der Tyrann des Nahen Ostens ist TOT!!!".
Vor Tagen hatte der US-Präsident im Interview des TV-Senders NBC News die
Einschätzung abgegeben, dass der Iran noch über gut ein Fünftel seines
Raketenarsenals verfüge. Das seien immer noch viele Raketen, aber nicht mehr
das, was sie anfangs hatten, hatte Trump ergänzt.
Trump: US-Blockade wirkt wie "Stahlmauer"
Trump betonte außerdem auf Truth Social, dass der Iran wirtschaftlich stark
geschwächt sei. Die von den USA verhängte Blockade iranischer Häfen sei äußerst
effektiv und wirke wie eine "STAHLMAUER", schrieb der Präsident. Die Islamische
Republik könne keinerlei Geschäfte mehr machen und weder ihre Rechnungen noch
sein Militär finanzieren.
Die USA hatten als Reaktion auf die faktische Blockade der Meerenge durch
den Iran selbst eine Blockade von iranischen Häfen verhängt, um das Land, das
wirtschaftlich auf Ölhandel setzt, zu schwächen. Die USA versuchen seit längerem
- bislang vergeblich -, dass die Straße von Hormus wieder frei befahrbar wird.
Die weltweiten Energiepreise schossen mit Kriegsbeginn nach oben, was die
Trump-Regierung unter Druck setzt.
Bericht: Delegation aus Katar für Gespräche in Teheran
Die US-Regierung hatte zu Beginn des seit Ende Februar andauernden
Iran-Kriegs einen schnellen Sieg binnen vier bis sechs Wochen versprochen. Die
Bemühungen um ein Kriegsende und eine Öffnung der strategisch bedeutenden Straße
von Hormus für die Schifffahrt und den Ölhandel stocken aber seit Wochen.
Eine Delegation aus dem Golfemirat Katar traf nun einem Bericht zufolge für
diplomatische Gespräche zum Iran-Krieg in Teheran ein. Wie die iranische
Nachrichtenagentur Isna berichtete, soll bei dem Besuch über Bemühungen für ein
dauerhaftes Ende des Kriegs gesprochen werden.
Katar gehört neben Pakistan und dem Oman zu den wichtigen Vermittlern im
Iran-Krieg. Zuletzt hatten militärische Spannungen und gegenseitige Angriffe
zwischen den USA und dem Iran wieder Sorgen vor einer neuen Eskalation befeuert.
Seit Wochen verhandeln die Kriegsparteien über ein dauerhaftes Ende des
Konflikts, bislang ohne Durchbruch.
Offiziell gilt im Iran-Krieg seit zwei Monaten eine Waffenruhe. Doch zuletzt
schien diese von Tag zu Tag brüchiger zu werden: Bereits am Sonntag war der
Konflikt mit iranischen Raketenangriffen auf Israel gefährlich eskaliert. Israel
griff daraufhin Ziele im Iran an. Trump rief beide Staaten zu einer "sofortigen"
Waffenruhe auf, woraufhin beide Seiten erklärten, ihre Angriffe einzustellen.
Inmitten der neuen Spannungen im Iran-Krieg kam es auch im Libanon erneut zu
schweren Angriffen der israelischen Armee. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA
meldete zahlreiche Luftangriffe in weiten Teilen des Südens und im Osten des
Landes. Rund ein Dutzend Menschen seien getötet worden. Israels Armee geht
eigenen Angaben zufolge im Süden des Nachbarlandes gegen die Hisbollah und deren
Einrichtungen vor./rin/DP/men