09.06.2026 12:12:26 - dpa-AFX: VERMISCHTES:/EU-Bericht: Drogenmafia setzt verstärkt Jugendliche ein
LISSABON/BRÜSSEL (dpa-AFX) - Europas Drogenbanden setzen zunehmend
Jugendliche für den Handel mit Rauschgift, aber auch für Gewalttaten ein. Junge
Menschen vor allem aus sozial benachteiligten Vierteln würden von der Mafia für
Einschüchterungen, Körperverletzungen und sogar als Auftragskiller angeworben,
heißt es im Jahresbericht 2026 der EU-Drogenagentur (EUDA). Kriminelle
Hintermänner stellten Planung, Waffen, Geld und Transport bereit.
Die Anwerbung im Rahmen von sogenannten Gewalt-als-Dienstleistung-Modellen
läuft nach Angaben der Experten teilweise über soziale Medien. Diese Entwicklung
ist nach Einschätzung der Behörde mit Sitz in Portugals Hauptstadt Lissabon Teil
eines komplexer und gefährlicher werdenden Drogenmarktes, auf dem immer neue und
oft hochwirksame Substanzen auftauchen.
Neue Substanzen und traditionelle Drogen
Neue Substanzen kommen in hoher Geschwindigkeit auf den Markt, während
traditionelle Drogen wie Cannabis, Kokain und Heroin weiterhin weit verbreitet
sind. Im vergangenen Jahr wurden in Europa erstmals 50 neue psychoaktive
Substanzen registriert. Insgesamt überwacht die Agentur inzwischen 1.050 solcher
Stoffe.
"Die Drogenmärkte entwickeln sich rasant weiter, und die Vielfalt der
Substanzen auf den Straßen Europas wird immer unvorhersehbarer", warnte
EUDA-Direktorin Lorraine Nolan. Dadurch steige das Risiko, dass Menschen
hochwirksame Drogen konsumierten, ohne dies zu wissen.
Tausende Drogentote in Europa
Sorge bereiten den Experten vor allem neue synthetische Opioide. Diese
hochwirksamen Stoffe können bereits in geringen Mengen lebensgefährlich sein.
Opioide, meist in Kombination mit anderen Substanzen, sind nach wie vor die
häufigste Ursache drogenbedingter Todesfälle in Europa. Die EUDA schätzt, dass
es 2024 mindestens 7.600 Todesfälle (2023: knapp 7.500) durch Überdosierung gab,
bei denen größtenteils mehrere Substanzen im Spiel waren. Mit 1.912 entfiel ein
Viertel aller registrierten Todesfälle auf Deutschland.
EU-Innenkommissar Magnus Brunner verwies auf die Folgen des Drogenkonsums
für die Gesellschaft. "Wir müssen alles daransetzen, um zu verhindern, dass
gefährliche neue Produkte den Markt überschwemmen", betonte er. Man müsse "mit
aller Härte des Gesetzes gegen illegale Händler vorgehen".
Cannabis bleibt mit rund 25 Millionen Konsumenten pro Jahr die am weitesten
verbreitete Droge in Europa. Zudem beobachten die Behörden eine Ausbreitung des
besonders problematischen Crack-Konsums. Auch der Kokainmarkt bleibt auf hohem
Niveau: Etwa 4,3 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 64 Jahren hätten im
vergangenen Jahr in Europa diese Droge konsumiert.
Katz-und-Maus-Spiel der Schmuggler
Gleichzeitig passen sich Schmuggler immer besser dem wachsenden Druck der
Behörden an. Nach verstärkten Kontrollen in großen Häfen wie Rotterdam und
Antwerpen nutzen sie laut dem Bericht zunehmend kleinere Häfen. Zudem setzten
sie auf neue Methoden wie Umladungen auf hoher See, Drohnen, Schnellboote und
sogar Halbtauchboote, um Drogen etwa von Südamerika oder Afrika nach Europa zu
bringen.
Als alarmierend gilt derweil auch eine neue Gefahr: In mehreren EU-Ländern
wurden zuletzt E-Zigaretten beschlagnahmt, die neben Nikotin auch Cannabisstoffe
enthielten. Solche Produkte könnten künftig auch als Träger für noch
gefährlichere Substanzen dienen, warnt die EUDA, dessen Bericht auf Daten aus
den 27 EU-Staaten sowie aus Norwegen und der Türkei basiert./er/DP/stw