09.06.2026 07:52:21 - dpa-AFX: ROUNDUP: Ermittler prüfen Hinweise auf Brandstiftung in Umspannwerk

REUTLINGEN (dpa-AFX) - Nach dem Brand in einem Umspannwerk mit großflächigem
Stromausfall in Reutlingen verdichten sich die Hinweise auf eine mögliche
Brandstiftung. Ermittler konnten einen möglichen Brandbeschleuniger sichern.
Alle Spuren würden nun ausgewertet, teilte das Landeskriminalamt (LKA) mit. Der
Staatsschutz und das Antiterrorzentrum beim LKA ermitteln.

Der Netzbetreiber bemüht sich nach eigenen Angaben weiterhin darum, alle
betroffenen Haushalte wieder ans Netz zu bringen. In den Gemeinden
Kirchentellinsfurt und Wannweil konnten wieder große Teile der betroffenen
Wohngebiete provisorisch versorgt werden sowie auch einzelne Gewerbegebiete, wie
Netze-BW mitteilte. Im Laufe des Vormittags werde es weitere Informationen
geben.

Reparaturarbeiten am Netz laufen weiter

"Die Reparaturarbeiten im Netz laufen unverändert intensiv weiter", hieß es
zudem. "Ziel ist es, die reguläre Versorgung schnellstmöglich
wiederherzustellen." Zur Frage, wann voraussichtlich alle betroffenen Haushalte
wieder mit Strom versorgt werden, äußerte sich der Netzbetreiber zunächst nicht.

Reutlingen hat insgesamt knapp 120.000 Einwohner und liegt am Fuße der
Schwäbischen Alb. Nach Angaben von Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel
(CDU) waren rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen von dem Stromausfall
betroffen. Eine Polizeieinsatzhundertschaft wurde nach Reutlingen verlegt, um
Präsenz an kritischer Infrastruktur und in den vom Stromausfall betroffenen
Gebieten zu zeigen.

Ermittler: Keine Hinweise auf Täter und Motiv

Die Ermittlungen konzentrieren sich inzwischen auf den Verdacht der
vorsätzlichen Brandlegung sowie der gezielten Störung öffentlicher Betriebe.
Hagel sagte, man werde den Fall ergebnisoffen in alle Richtungen untersuchen -
also auch, ob ein Brandanschlag oder gar ein terroristischer Akt dahinterstecken
könnte. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach im ZDF von
einem wahrscheinlichen Brandanschlag.

Das LKA teilte mit, bislang gebe es weder Hinweise auf Tatverdächtige noch
auf ein Motiv. Die Ermittlungen der Spurensicherung einschließlich des Einsatzes
eines Brandmittelspürhundes seien noch nicht abgeschlossen.

Zehntausende für Stunden ohne Strom

Der Brand im Umspannwerk Reutlingen-West war in der Nacht zu Montag
ausgebrochen. In der Folge fiel das Umspannwerk aus, eine weitere Anlage wurde
in Mitleidenschaft gezogen. Zeitweise waren dadurch Zehntausende Menschen ohne
Strom, auch ein Krankenhaus war betroffen. Nach Informationen der Deutschen
Presse-Agentur entstand durch den Brand und den Stromausfall ein Schaden von
mehreren Millionen Euro.

Am Montagmorgen war die Stromversorgung in Teilen der Kernstadt und dem
dortigen Krankenhaus wieder hergestellt. Am Nachmittag wurde dann ein großer
Teil der Privathaushalte in Betzingen und Ohmenhausen wieder ans
Elektrizitätsnetz angeschlossen. Auch Schulen und Kindergärten seien dort wieder
mit Strom versorgt, teilte die Stadtverwaltung mit.

Erinnerungen an Berliner Brandanschläge

Der Vorfall erinnert an zwei mutmaßlich von Linksextremisten begangene
Brandanschläge auf die Stromversorgung in Berlin. Nach dem ersten Anschlag am 9.
September 2025 auf zwei Strommasten waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte
und rund 2.000 Gewerbebetriebe ohne Strom. Der Ausfall dauerte rund 60 Stunden,
erst am Nachmittag des 11. September waren alle Haushalte wieder am Netz. Beim
zweiten Anschlag am 3. Januar wurden 15 Kabel auf einer Kabelbrücke zerstört.
Erst am 7. Januar, also nach rund 100 Stunden, war die Stromversorgung wieder
flächendeckend hergestellt./tat/DP/stk

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