30.05.2026 11:39:33 - dpa-AFX: Scheidender FDP-Chef Dürr attackiert Bundesregierung
BERLIN (dpa-AFX) - Mit scharfer Kritik an der schwarz-roten Bundesregierung
hat sich FDP-Chef Christian Dürr von der Spitze seiner Partei verabschiedet. Bei
der Eröffnung des Bundesparteitags in Berlin warf er Union und SPD eine maßlose
Schuldenpolitik und fehlenden Reformwillen vor. Nach einem Jahr Amtszeit von
Kanzler Friedrich Merz (CDU) stecke Deutschland mehr denn je in einer
wirtschaftlichen Krise und habe die unbeliebteste Regierung in seiner
Geschichte.
"Nach nur einem Jahr schon unbeliebter zu sein als Olaf Scholz am Ende
seiner Amtszeit, das muss man erst mal hinkriegen", sagte Dürr mit Blick auf den
amtierenden Kanzler und seinen Vorgänger. Er warf der Koalition "Mutlosigkeit"
vor und forderte: "Es ist unser Auftrag, eine Antwort auf den lähmenden Status
quo der deutschen Politik zu sein. Von diesem lähmenden Status quo profitieren
die Ränder - links und rechts."
Bittere FDP-Wahlniederlagen unter Dürr
Der frühere Fraktionschef Dürr war nach dem Scheitern der Liberalen an der
Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl im Februar 2025 an die Spitze der
Partei getreten. Ihm gelang es aber nicht, das Ruder herumzureißen. In diesem
Jahr kassierte die FDP bei den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz
bittere Niederlagen. In beiden Ländern kam sie nicht mehr in den Landtag.
Daraufhin traten Präsidium und Bundesvorstand zurück. Dürr wollte
ursprünglich wieder für das Amt des Bundesvorsitzenden antreten. Er verzichtete
aber darauf, als der bisherige Vize-Parteichef Wolfgang Kubicki seine Kandidatur
ankündigte. Er steht nun am Nachmittag als einziger Bewerber für den Posten zur
Wahl.
Keine Selbstkritik bei Dürr - viel Beifall für Rede
Dürr sagte, er habe viel darüber nachgedacht, wo die Liberalen in den
vergangenen Monaten noch mutiger, klarer und schneller hätten sein können. Er
nannte dafür aber keine Beispiele und zeigte keinerlei Selbstkritik. Mit den
Worten "Ich gehe heute aus einem Amt, meine Heimat bleibt die FDP"
verabschiedete sich Dürr, der für keinen Parteiposten mehr kandidiert. Die
Delegierten zollten ihm stehend Beifall./sk/DP/zb