23.05.2026 16:30:03 - dpa-AFX: ROUNDUP: Ukraine trifft Öllager und Chemiefabrik in Russland
NOWOROSSIJSK/PERM (dpa-AFX) - Die Ukraine hat mit einem weiteren
Drohnenangriff eine Öllagerstätte in der bereits mehrfach attackierten
Schwarzmeer-Metropole Noworossijsk in Brand gesetzt. Teile einer abgeschossenen
Drohne seien auf das Gelände eines Treibstoffterminals gefallen, teilte der
operative Stab der Region Krasnodar mit. In einigen technischen und
administrativen Gebäuden seien Feuer ausgebrochen. Es gebe zwei Verletzte, hieß
es in der Behördenmitteilung.
In sozialen Netzwerken berichteten Augenzeugen, dass der Ölterminal
Gruschowaja des Energiekonzerns Transneft in Brand geraten sei. Es handelt sich
um eine der größten Öllagerstätten im Kaukasus mit Reservoirs unter der Erde und
an der Oberfläche - samt einem Umschlagplatz. Die für Russlands Kriegswirtschaft
wichtigen Anlagen der Ölindustrie in Noworossijsk waren bereits wiederholt Ziele
ukrainischer Drohnenangriffe.
Selenskyj kündigt weitere Attacken mit Langstrecken-Drohnen an
Der ukrainische Präsident Selenskyj sagte zu dem Drohneneinsatz gegen die
Anlage: "Gerade Öl und Gas haben Russland so arrogant gemacht, dass es sich
heute erlaubt, in der modernen Welt Krieg zu führen und weiterhin alle anderen
zu bedrohen." Er kündigte weitere Schläge gegen russische Ziele mit den
neuartigen Langstrecken-Drohnen an.
Die Ukraine hat ihre Drohnenangriffe gegen Ziele im russischen Hinterland
massiv ausgeweitet. Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den
nächtlichen Abschuss von 348 Drohnen. Von unabhängiger Seite ist diese Zahl
nicht überprüfbar. Zu Treffern machte das Ministerium wie immer keine Angaben.
Schäden aus verschiedenen Regionen gemeldet
Allerdings gab es Berichte von Behörden über Schäden infolge von
Drohnenangriffen in mehreren russischen Regionen, darunter etwa in Anapa am
Schwarzen Meer. Im Gebiet Perm meldeten die Behörden ebenfalls einen Angriff auf
einen Industriebetrieb. Dort soll ein Feuer in einer Chemiefabrik in der Stadt
Gubacha ausgebrochen sein. Das Werk gehört zu den größten Methanolproduzenten in
Russland.
Der ukrainische Präsident Selenskyj lobte die Streitkräfte für den Schlag
gegen das Ziel rund 1.700 Kilometer von der Grenze seines Landes entfernt. "Ein
russisches Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes, das den Betrieb
anderer russischer Militärproduktionsstätten sowie die Herstellung von
Sprengstoffen und Komponenten für Luftfahrtausrüstung und Drohnen unterstützt",
sagte er in einer Videobotschaft.
Ukraine meldet Abwehr von mehr als 100 russischen Drohnen
Die ukrainischen Luftstreitkräfte wiederum berichteten am Morgen von 124
russischen Drohnenangriffen. 102 Flugobjekte seien unschädlich gemacht worden,
teilte die Flugabwehr mit. Infolge der russischen Angriffe seien zwölf
Einschläge von Kampfdrohnen an neun Orten sowie herabfallende Trümmer an fünf
Orten registriert worden, hieß es.
Mehr als vier Jahre nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine
dominiert inzwischen ein Drohnenkrieg das Kampfgeschehen. Am Boden hingegen gibt
es wegen der Gefahr durch Angriffe mit den Flugkörpern deutlich weniger
Truppenbewegungen und Veränderungen als in den ersten Kriegsjahren. Die Kämpfe
stecken nach Angaben von beiden Seiten in der Sackgasse./mau/DP/zb