19.05.2026 23:09:06 - dpa-AFX: POLITIK/ROUNDUP 3: Mehrere Tote bei Angriff auf Moschee in San Diego
(neu: weitere Infos)
SAN DIEGO (dpa-AFX) - Erneut ist in den Vereinigten Staaten eine religiöse
Einrichtung Ziel eines Gewaltverbrechens geworden - diesmal in San Diego. Ein
17-Jähriger und ein 18-Jähriger feuerten an einem islamischen Zentrum Schüsse
ab, zu dem neben einer Moschee auch eine Schule mit kleinen Kindern gehört. Drei
Menschen starben, die beiden Angreifer wurden später tot in ihrem Auto gefunden.
Viele Details zum Tathergang bleiben unklar, ebenso wie das genaue Motiv.
Ein warnender Anruf bei der Polizei wirft zudem die Frage auf, ob die Tat
womöglich hätte verhindert werden können.
Schwer bewaffnete Polizisten bringen Kleinkinder aus dem Gebäude
Die Polizei hatte mit einem Großeinsatz auf Berichte über einen Schützen an
dem Zentrum reagiert. Auf Hubschrauberaufnahmen war zu sehen, wie schwer
bewaffnete Beamte Kinder aus dem Gebäude begleiteten. Ein Zeuge sagte dem Sender
CBS News, er habe etwa 30 Schüsse gehört und daraufhin die Polizei verständigt.
Wie Polizeichef Scott Wahl am Dienstag mitteilte, verhinderten alle drei
Todesopfer, dass die Angreifer in die Einrichtung mit etwa 140 Kindern gelangen
konnten. Demnach lieferte sich der Wachmann zu Beginn des Angriffs einen
Schusswechsel mit den 17- und 18-jährigen Angreifern. Währenddessen sei zu
sehen, wie er mit seinem Funkgerät die Abriegelung des Gebäudes veranlasst habe.
"Leider kam er bei diesem Schusswechsel ums Leben." Sein Handeln hat zweifellos
dazu geführt, dass die beiden Verdächtigen aufgehalten und letztendlich
abgehalten wurden, weiter in die Moschee vorzudringen, wie Wahl sagte.
Nach bisherigen Kenntnissen versuchten die beiden anderen Todesopfer zudem,
die Aufmerksamkeit der Angreifer von der Moschee weg zu lenken hin zu einem
Parkplatz. Wahl zufolge wurden die beiden Männer dort von den Angreifern
eingekesselt und getötet. Wären die Tatverdächtigen nicht von ihrem Plan
abgelenkt worden, "hätte es gestern zweifellos viel mehr Todesopfer gegeben",
sagte Wahl. Die nahende Polizeipräsenz habe die Angreifer schließlich zur Flucht
getrieben.
Wahl zufolge machten sich die Beamten umgehend daran, das Gebäude zu
durchsuchen. Ungefähr zur gleichen Zeit sei ein weiterer Notruf eingegangen,
demzufolge wenige Straßen entfernt auf einen Garten- und Landschaftsbauer
geschossen worden sei. Die genauen Umstände seien noch unklar, doch möglich ist,
dass sein Helm ihm das Leben gerettet habe.
Wiederum wenige Minuten später ging erneut ein Notruf ein: Das Auto mit den
beiden toten Tatverdächtigen stand wenige Blocks entfernt mitten auf der Straße.
"Derzeit scheint es, als seien die Verdächtigen an selbst zugefügten
Schussverletzungen gestorben", sagte Wahl.
Nach Angaben der Ermittler fand die Polizei in dem Fahrzeug antiislamische
Schriften. Wie Wahl weiter mitteilte, wurden bei Durchsuchungen weitere
Beweisstücke gesichert. Darunter seien auch 30 Schusswaffen sowie eine Armbrust.
Mutter verständigte die Polizei zwei Stunden vor der Tat
US-Präsident Donald Trump reagierte bestürzt auf den Vorfall. Es sei eine
"entsetzliche Situation", sagte er in Washington. Der Gouverneur von
Kalifornien, Gavin Newsom, teilte mit: "Hass hat in Kalifornien keinen Platz,
und wir werden keine Terrorakte oder Einschüchterungsversuche gegen
Glaubensgemeinschaften dulden."
Polizeichef Wahl teilte darüber hinaus mit, die Mutter eines der beiden
Tatverdächtigen habe rund zwei Stunden vor dem Angriff bei der Polizei
angerufen: Ihr Sohn sei verschwunden, genauso wie mehrere ihrer Waffen und ihr
Auto. Zudem sei er mit einem Freund unterwegs und trage Tarnkleidung. Die Mutter
nahm an, ihr Sohn wolle sich das Leben nehmen.
Mitteilung eines Tatverdächtigen gefunden
Die Beamten schlussfolgerten Wahl zufolge allerdings, dass die Details nicht
zu einem Suizid passten. In der Folge habe die Polizei Beamte an mutmaßliche
Ziele eines Gewaltverbrechens geschickt, darunter ein Einkaufszentrum und eine
Schule. Beamte seien nur wenige Straßen entfernt gewesen, als schließlich der
Notruf vom islamischen Zentrum einging.
Da es sich um eine religiöse Einrichtung handele, betrachte die Polizei die
Attacke bis auf Weiteres als Hassverbrechen.
Deswegen sei auch die Bundespolizei FBI eingeschaltet worden. Der zuständige
FBI-Beamte Mark Remily bezeichnete den Gewaltakt als "sinnlos" und bat die
Öffentlichkeit um sachdienliche Hinweise. Jedes Detail könne dabei helfen,
nachzuvollziehen, "warum sich dieser schreckliche Vorfall ereignet hat."
Erst vor zwei Monaten Angriff auf Synagoge in Michigan
Der Vorfall weckt Erinnerungen an einen Angriff auf eine Synagoge Mitte
März. Damals fuhr ein Mann mit einem Fahrzeug in die Synagoge in der Stadt West
Bloomfield in Michigan, in dieser Einrichtung befanden sich zahlreiche
Kleinkinder. Das Sicherheitspersonal habe danach das Feuer eröffnet und so
Schlimmeres verhindert, so die Polizei. Der Angreifer starb in seinem brennenden
Auto. Später wurde bekannt, dass er von der Hisbollah inspiriert worden
war./so/DP/nas