16.05.2026 13:00:32 - dpa-AFX: ROUNDUP 5: Fragile Waffenruhe im Libanon erneut verlängert

BEIRUT/TEL AVIV/WASHINGTON (dpa-AFX) - Die fragile Waffenruhe im Krieg
zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon wird um
eineinhalb Monate verlängert. Unter Vermittlung der Vereinigten Staaten sollen
Vertreter Israels und des Libanons währenddessen weiter an einer Lösung des
Konflikts arbeiten, wie das US-Außenministerium mitteilte. Die aktuell geltende
Waffenruhe war in den vergangenen Wochen allerdings von beiden Seiten immer
wieder verletzt worden.

Bei den Gesprächen verhandelt Israel mit Libanons Regierung, die selbst
nicht Konfliktpartei ist. Die Hisbollah nimmt nicht an den Gesprächen teil und
lehnt diese ab. Beobachter gehen aber davon aus, dass die Miliz laufend über den
Stand der Verhandlungen informiert wird.

Die abermalige Verlängerung der Ende April schon einmal ausgedehnten
Feuerpause um weitere 45 Tage wurde nach einer dritten Gesprächsrunde zwischen
israelischen und libanesischen Regierungsvertretern in Washington
bekanntgegeben. "Die Friedensgespräche verliefen offen und konstruktiv und
sollen nun auf zwei Ebenen vorangetrieben werden: auf sicherheitspolitischer und
auf politischer Ebene", schrieb der israelische Botschafter in den USA, Jechiel
Leiter, auf der Online-Plattform X. "Es wird Höhen und Tiefen geben, doch die
Erfolgsaussichten sind groß."

Libanesische Delegation: "Dringend benötigte Atempause"

Auch die libanesischen Unterhändler zeigten sich optimistisch. "Die
Verlängerung des Waffenstillstands und die Einrichtung eines von den USA
unterstützten Sicherheitsprozesses verschaffen unseren Bürgern eine dringend
benötigte Atempause, stärken die staatlichen Institutionen und ebnen den Weg für
dauerhafte Stabilität", zitierte die Nachrichtenseite "Naharnet" aus einer
Stellungnahme der Delegation.

Der libanesische Staat ist in der Auseinandersetzung zwischen Israel und der von dessen Erzfeind Iran unterstützten Hisbollah nicht selbst Konfliktpartei.
Angesichts der zahlreichen Opfer bei den israelischen Angriffen pocht die
Regierung in Beirut aber auf die territoriale Integrität des Landes und eine
dauerhafte Waffenruhe.

Vertreter der israelischen und der libanesischen Regierung sollen nun am 2.
und 3. Juni zu einer neuen Verhandlungsrunde zusammenkommen. Zuvor soll am 29.
Mai im Pentagon ein militärischer Dialog zwischen Delegationen beider Länder
stattfinden. Israel und der Libanon hätten sich auf einen Verhandlungsrahmen
geeinigt, um einen dauerhaften Frieden, eine uneingeschränkte Anerkennung der
Souveränität und territorialen Integrität des jeweiligen Nachbarlandes sowie
Sicherheit entlang ihrer Grenze zu fördern, teilte das US-Außenministerium mit.

Erneut Angriffe auf Hisbollah-Ziele im Südlibanon

Die Regierungen beider Länder hatten sich Mitte April erstmals auf eine
Feuerpause geeinigt. Allerdings ist die Waffenruhe äußerst brüchig und wird von
beiden Seiten immer wieder verletzt. Erst am Freitag wurden nach libanesischen
Angaben bei einem mutmaßlich von den israelischen Streitkräften geführten
Angriff im Süden des Landes sechs Menschen getötet, darunter drei Sanitäter.

Nur Stunden nach der Bekanntgabe der verlängerten Feuerpause kam es zu
israelischen Luftangriffen auf Hisbollah-Ziele im Südlibanon, wie ein
israelischer Militärsprecher mitteilte. Vor dem Angriff hatte das Militär die
Bevölkerung mehrerer Ortschaften im Südlibanon aufgefordert, wegen der
bevorstehenden Attacke ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu
bringen. Die Angriffe wurden mit Verstößen der Hisbollah gegen die bestehende
Feuerpause begründet.

Nach Beginn des Iran-Kriegs hatte die Hisbollah, die im Libanon lange wie
ein Staat im Staate agierte, aus Solidarität mit dem iranischen Machtapparat
wieder Raketen und Drohnen auf den Norden Israels abgefeuert. Die israelischen
Streitkräfte griffen daraufhin Stellungen der Miliz im Süden des Libanons und
Hochburgen der Hisbollah in den Vororten der Hauptstadt Beirut an.

Libanesische Regierung soll Hisbollah an Angriffen hindern

Laut der ursprünglichen Vereinbarung soll die libanesische Regierung die
Hisbollah mit internationaler Hilfe daran hindern, vom Libanon aus Angriffe auf
israelische Ziele auszuführen. Israel soll demnach zwar auf "offensive
Militäroperationen" im Libanon verzichten, sich aber gegen geplante, unmittelbar
bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen dürfen.

Seit dem erneuten Aufflammen der Kämpfe Anfang März wurden im Libanon
offiziellen Angaben zufolge rund 2.900 Menschen getötet, darunter zahlreiche
Frauen und knapp 200 Kinder.

Mutmaßlicher Miliz-Kommandeur in US-Gewahrsam

Unterdessen wurde ein mutmaßlicher Anführer der proiranischen Miliz Kataib
Hisbollah aus dem Irak gefasst und in die USA gebracht. Mohammed Bakir Saad
Dawud al-Saadi habe eine Reihe von Anschlägen in den USA und Europa angeordnet
und geplant, teilte das US-Justizministerium mit. Wo und wann der 32-Jährige
festgenommen wurde, blieb zunächst unklar.

Die Kataib Hisbollah zählt zu den stärksten und einflussreichsten Milizen im Irak. Die USA stufen die Gruppe als ausländische Terrororganisation ein.
Al-Saadi soll zudem enge Verbindungen zu den Revolutionsgarden unterhalten
haben, der Elitestreitmacht des Irans./arj/DP/zb

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