06.05.2026 12:25:31 - dpa-AFX: ROUNDUP 2: Daimler-Truck-Gewinn bricht ein - Aufträge ziehen an
(neu: Kurs aktualisiert, Aussagen aus Call und Hauptversammlung.)
LEINFELDEN-ECHTERDINGEN (dpa-AFX) - Der Nutzfahrzeug-Hersteller Daimler
Truck hat im ersten Quartal die Probleme in Nordamerika zu spüren
bekommen. Umsatz und operatives Ergebnis fielen deutlich. Unter dem Strich
sorgte auch eine Abschreibung für den verzögerten Produktionsstart bei einer
Batteriefirma in den USA für Sonderkosten. Das Management um Chefin Karin
Radström sieht aber mit dem nun wieder anziehenden Auftragseingang Licht am Ende
des Tunnels und bestätigte seine Jahresprognose. Schon im zweiten Quartal soll
es im wichtigen US-Markt bei der Profitabilität wieder deutlich aufwärtsgehen.
Die Aktie legte zu.
Zuletzt gewann das Papier am Mittag rund ein Prozent, 2026 liegt es damit
rund 17 Prozent um Plus. Analyst Michael Aspinall von der US-Investmentbank
Jefferies sah die Ergebnisse des ersten Quartals im Rahmen seiner eigenen
Schätzungen, aber unter denen des Marktes. Entscheidend sei aber, dass sich das
Unternehmen für das zweite Quartal in Nordamerika bereits bei der operativen
Marge wieder in der Region von 7 bis 8 Prozent sehe, und das im frühen Stadium
sich bessernder Aufträge.
Die Bestellungen bei Daimler Truck sprangen um die Hälfte in die Höhe. Nach
dem Einbruch im Vorjahr zogen sie in den ersten drei Monaten auf 114.043
Fahrzeuge an. Wegen der Unsicherheit um die Entwicklung der Wirtschaft infolge
von Zollerhöhungen hatten Speditionen in den USA im vergangenen Jahr
zwischenzeitlich kaum noch Lkw bestellt. Das zeigte sich nun in den operativen
Zahlen. Finanzchefin Eva Scherer sprach vom geringsten Absatzvolumen in den USA
einem Quartal seit 2010.
Der gesamte Umsatz des Industriegeschäfts - also ohne Finanzdienstleistungen
gerechnet - fiel im Jahresvergleich um 14 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro. Im
ersten Quartal dieses Jahres verkaufte der Nutzfahrzeughersteller weltweit wie
bereits bekannt 68.849 Lastwagen und Busse. Das entsprach einem Rückgang von
neun Prozent.
Das um Sondereffekte bereinigte Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern sank
gar um über die Hälfte auf 498 Millionen Euro, wie das
Dax-Unternehmen am Mittwoch in Leinfelden-Echterdingen mitteilte.
Die von Anlegern viel beachtete bereinigte operative Gewinnmarge im
Industriegeschäft sackte um 4,6 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent ab. Die Ergebnisse
fielen damit schwächer aus als von Analysten ohnehin befürchtet. Scherer zufolge
haben unter anderem Zölle in Höhe eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrags
das Ergebnis belastet.
Unter dem Strich ging der Gewinn je Aktie um 80 Prozent auf 0,18 Euro
zurück. Neben dem schwachen Abschneiden im Tagesgeschäft verzeichnete Daimler
Truck im Beteiligungsergebnis einen Verlust von 239 Millionen Euro. Das lag vor
allem an einer Abschreibung bei der Beteiligung Amplify wegen der Verschiebung
des Produktionsstarts sowie des Hochlaufs der Batterieproduktion in den USA.
"Wir sind gut aufgestellt, um im weiteren Jahresverlauf trotz eines
herausfordernden ersten Quartals weitere Verbesserungen zu erzielen", sagte
Daimler-Truck-Chefin Radström laut Mitteilung. In den USA hätten sich die
Auftragseingänge deutlich erholt. "Diese Dynamik dürfte sich in den kommenden
Quartalen positiv auf unsere Geschäftsentwicklung auswirken", sagte die
Managerin.
So sieht sie die Nordamerikasparte - im Regelfall die Renditeperle des
Konzerns - im zweiten Quartal am oberen Ende der Bandbreite des Jahresausblicks
des Bereichs von 6 bis 8 Prozent - im ersten Quartal standen hier nur 5,4
Prozent zu Buche. Auch bei der in Europa starken Lkw-Marke Mercedes-Benz und bei
den Bussen sollte sich die Marge im laufenden Dreimonatszeitraum wieder bessern.
Der schwächelnde US-Markt und weniger verkaufte Busse hatten zuletzt bei
Daimler Truck für einen erneuten Absatzrückgang gesorgt. Im ersten Quartal
dieses Jahres verkaufte der Nutzfahrzeughersteller weltweit 68.849 Lastwagen und
Busse. Das entsprach einem Rückgang von neun Prozent.
Um wettbewerbsfähiger zu werden, hatte Daimler Truck bereits das
Sparprogramm "Cost Down Europe" aufgelegt. Bis 2030 sollen damit die laufenden
Kosten auf dem Heimatkontinent um mehr als eine Milliarde Euro sinken. In
Deutschland sollen deshalb ungefähr 5.000 Stellen wegfallen. Betroffen ist
besonders die Lkw-Marke Mercedes-Benz. Aber auch in Nordamerika soll gespart
werden durch einen Stellenabbau.
Hauptversammlung
2025 sei ein bewegtes Jahr gewesen, und die anhaltend schwierige Lage im
Mittleren Osten lasse auch für dieses Jahr keine Beruhigung erwarten, sagte
Aufsichtsratschef Joe Kaeser auf der am Mittwochvormittag im Anschluss an die
Vorstellung der Quartalszahlen stattfindenden Hauptversammlung. Das vergangene
Jahr habe deutlich gemacht, wie stark Geschäftsentscheidungen und
Geschäftsentwicklungen von geoökonomischen und geopolitischen Einflüssen geprägt
werden. In einem solchen Umfeld sei es besonders wichtig, das Geschäft auch
strukturell zu stärken, sagte Kaeser.
Chefin Radström sagte in ihrer Rede auf der Hauptversammlung, dass sie das
Unternehmen für noch stärkere Ergebnisse aufstellen wolle. Daimler Truck solle
schneller, fokussierter und wirksamer werden. "Deshalb stärken wir eine
leistungsorientierte Unternehmenskultur", sagte sie. Rollen, Verantwortung und
Wirkung rückten stärker in den Mittelpunkt als formale Hierarchien. Das solle
die Zusammenarbeit prägen und letztlich zu weniger Komplexität, schnelleren
Entscheidungen und mehr Wirkung führen./men/rwi