22.04.2026 12:09:00 - dpa-AFX: HINTERGRUND: Trump verlängert Waffenruhe: Wie es jetzt weitergehen könnte

WASHINGTON/TEHERAN (dpa-AFX) - Kurz vor Ablaufen der Waffenruhe im
Iran-Krieg hat US-Präsident Donald Trump die Feuerpause trotz zunächst
anderslautender Äußerungen verlängert. Die politische Führung im Iran hat sich
bislang nicht dazu geäußert. Trump hatte eine Verlängerung der Waffenruhe zuvor
noch als sehr unwahrscheinlich bezeichnet. Die Kehrtwende erklärte er damit,
dass er auf Bitten Pakistans von Angriffen auf den Iran absehen werde, bis die
dortige Führung einen "geeinten Vorschlag" zur Beilegung des Krieges
unterbreite. Die US-Seeblockade iranischer Häfen werde jedoch fortgesetzt. Das
ist jetzt wichtig:

Welche Szenarien sind nun denkbar?

Wie lange die Waffen schweigen sollen, teilte der US-Präsident erst einmal
nicht mit. Auch wie es weitergeht, ist derzeit ungewiss. Bislang konnten sich
Washington und Teheran nicht einmal auf eine weitere Verhandlungsrunde einigen -
geschweige denn auf ein Abkommen über ein dauerhaftes Ende des Kriegs. Es gibt
weiterhin viele ungelöste Streitpunkte zwischen den Kriegsparteien - der Umgang
mit Irans hochangereichertem Uran etwa. Die USA drängen zudem auf eine Öffnung
der Straße von Hormus. Aus iranischer Sicht ist die US-Seeblockade ein
bedeutendes Hindernis für die Gespräche.

Längerfristig ist auch eine Rückkehr zum Krieg nicht auszuschließen, denn
ein Abkommen zwischen beiden Kriegsparteien, die ohnehin als sehr schwierig
gilt, ist nicht in Sicht.

Der Nahost-Experte Thomas Juneau von der University of Ottawa geht eigenen
Angaben zufolge davon aus, dass beide Seiten aber vorerst eine Kampfpause
bevorzugten. Der Iran glaube, dass Trump angesichts wachsender Unzufriedenheit
in seinem eigenen Land und der bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA zögern
werde, den Krieg wieder aufzunehmen. Juneau beschrieb die Lage auf X als
"fragiles Patt".

Gregory Brew, Analyst bei der Eurasia Group, schrieb auf X, dass der Status
quo für keine der beiden Seiten vorteilhaft sei. "Iran braucht eine Lösung des
Kriegs; mit der Zeit wird die Blockade zunehmend spürbar werden."

Auch der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz sagte dem US-Sender CNN, dass eine Verlängerung der Waffenruhe keine Langzeitlösung sei. Trumps Drohungen
würden die iranische Führung nicht dazu bringen, aufzugeben, betonte er
zugleich. Um ein Abkommen zu erzielen, werde die US-Regierung wahrscheinlich
selbst Zugeständnisse etwa bei ihrer Seeblockade machen müssen, sagte der
Experte. Andernfalls werde eine Eskalation etwa in Form von weiteren Störungen
des Seehandels immer wahrscheinlicher.

Was plant der Iran?

Die politische und militärische Führung im Iran misstraut der Regierung in
Washington. Verhandlungen mit den USA sieht das Land weiterhin kritisch, nachdem
der Iran bereits zweimal inmitten eines diplomatischen Prozesses angegriffen
wurde. Das Nachbarland Pakistan und auch regionale Staaten wie Katar und die
Türkei hatten die iranische Führung dazu gedrängt, wieder an den
Verhandlungstisch mit den Amerikanern zurückzukehren. Der Iran hält sich derzeit
offen, an einer weiteren Verhandlungsrunde teilzunehmen. Unterdessen erklären
sich Irans Streitkräfte bereit für eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen.

Wird sich Israel an die Waffenruhe halten?

Aus Israel, wo derzeit der 78. Jahrestag der israelischen Staatsgründung
gefeiert wird, gab es zunächst keine offizielle Mitteilung, ob sich das Land an
die von Trump verkündete Feuerpause gebunden fühlt. Beide Staaten hatten den
Krieg gegen den Iran gemeinsam am 28. Februar begonnen, auf die Teheran mit
Angriffen auf Israel und die Golfstaaten reagierte. Es ist davon auszugehen,
dass sich Israel erneut an die Waffenruhe halten wird. Nach Trumps Verkündung
der Feuerpause vor zwei Wochen hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin
Netanjahu erklärt, die Entscheidung zu unterstützen. Die USA sind Israels
wichtigster Verbündeter.

Israel pocht bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran aber
darauf, dass der Iran Israel nicht mit seinem Atom- und Raketenprogramm bedrohen
darf. Teheran bestreitet, Atomwaffen zu entwickeln. In Israel glaubt man
unterdes nicht daran, dass eine Einigung mit der iranischen Führung erreicht
werden kann. Das Land bereite sich gemeinsam mit den USA auf die Wiederaufnahme
des Krieges vor, sagte jüngst ein hochrangiger Verteidigungsbeamter dem
israelischen Sender Kan. Beobachter in Israel gehen zudem davon aus, dass es
künftig immer wieder Kämpfe mit dem Iran geben könnte, solange sich das Land
weiterhin von Teheran bedroht sehe.

Gibt es Auswirkungen auf die Ölpreise?

Die Ölpreise haben am Mittwochmorgen zunächst den deutlichen Anstieg vom
Vortag gestoppt und sind leicht gesunken. Am Mittag ist der Preis für Brent-Öl
dann gestiegen und zuletzt auch wieder zeitweise über die Marke von 100
US-Dollar gesprungen. Der Iran-Krieg bleibt der bestimmende Faktor am
Ölmarkt./cir/DP/stk

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